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Walt Disney : Drogen, Erpressung und ein abruptes Karriereende

John Skipper (hier im Oktober 2014) klärt nun über die wahren Hintergründe seine Rücktritts auf. Bild: AP

Ein ranghoher Manager von Walt Disney erklärt seinen Rücktritt mit „Substanzabhängigkeit“. Jetzt gibt er zu, dass das nicht die ganze Geschichte war.

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          Es war eine Rücktrittsankündigung, wie man sie selten liest. Im Dezember legte John Skipper völlig überraschend seinen Posten als Präsident von ESPN nieder, der Gruppe von Sportsendern, die als Kronjuwel des amerikanischen Unterhaltungskonzerns Walt Disney gilt. Zur Begründung sagte er: „Ich habe viele Jahre lang mit Substanzabhängigkeit gekämpft. Ich habe entschieden, das Wichtigste, das ich jetzt tun kann, ist, mich meines Problems anzunehmen." Diese öffentliche Enthüllung mache er mit „Verlegenheit, Beklemmung und dem Gefühl, andere enttäuscht zu haben, die mir am Herzen liegen“.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Der Rücktritt des 62 Jahre alten Managers schlug wegen seines abrupten Charakters wie eine Bombe in der Medienbranche ein. Und so offenherzig die Begründung schien: Ein bisschen eigenartig war sie schon. Denn noch einen Monat zuvor hatte Skipper seinen Vertrag verlängert. Warum also trat er so kurze Zeit später zurück, zumal wenn er seine Sucht als langjährigen Kampf beschreibt?

          Zu Drogen hatte Skipper immer ein entspanntes Verhältnis

          Wie sich nun herausstellt, hat Skipper damals nicht die ganze Geschichte erzählt. In einem bemerkenswerten Interview mit dem Magazin „Hollywood Reporter“ gab er jetzt zu, dass sein Rücktritt nicht nur mit Drogenkonsum an sich, sondern auch mit damit in Verbindung stehender Erpressung zu tun hatte. „Jemand, von dem ich Kokain gekauft habe, hat versucht, mich zu erpressen,“ sagte Skipper.

          Er habe daher keinen anderen Weg gesehen, als Disney-Vorstandsvorsitzenden Bob Iger von dieser Drohung zu erzählen, und die beiden Manager seien zu dem Schluss gekommen, dass er das als Inbegriff von Familienfreundlichkeit geltende Unternehmen in eine „unhaltbare Position“ gebracht habe und zurücktreten sollte. Iger habe es nicht zulassen können, dass das verhängnisvolle Kokaingeschäft womöglich auch Disney selbst anfällig für Erpressung machen könnte.

          Zu Drogen hatte Skipper nach eigener Darstellung immer ein entspanntes Verhältnis. Er habe seit zwanzig Jahren Kokain genommen, allerdings die meiste Zeit sehr unregelmäßig. Das Drogengeschäft im Dezember habe ihn allerdings erkennen lassen, dass er ein Problem habe. Denn während er sonst bei der Beschaffung von Kokain immer sehr vorsichtig gewesen sei, habe er sich die Substanz diesmal von einem Dealer besorgt, mit dem er vorher noch keine Geschäfte gemacht habe. Dieser Leichtsinn habe ihm klar gemacht, dass er Hilfe brauche. Skipper beteuerte aber, sein Kokainkonsum habe ihn nicht in seinem Beruf beeinträchtigt, und er habe keine Drogen am Arbeitsplatz genommen. „Ich habe nie zugelassen, dass es meine Arbeit stört, abgesehen von einem verpassten Flug und ein paar ausgefallenen Besprechungen am Morgen.“

          Früherer Disney-Manager blickt wieder nach vorne

          Skipper sagte, nach der Besprechung mit dem Disney-Chef, in dem sein Karriereende im Unternehmen besiegelt wurde, habe er 48 Stunden nichts gegessen und auch nicht schlafen können. Als sein Rücktritt dann einige Tage später offiziell bekanntgegeben wurde, habe er zum ersten Mal in seinem Leben wegen einer persönlichen Angelegenheit geweint. Bis dahin seien ihm höchstens beim Ansehen von Filmen Tränen gekommen.

          Der verheiratete Vater von zwei Söhnen nannte in dem Interview auch einen interessanten Grund, warum er bei seinem Rücktritt seine Substanzabhängigkeit enthüllt habe. Er habe Spekulationen verhindern wollen, dass sein Ausscheiden irgendetwas mit sexuellen Fehltritten zu tun gehabt haben könnte so wie zuletzt eine Reihe anderer Personalveränderungen im Mediengeschäft.

          Mittlerweile blickt der frühere Disney-Manager nach überstandener Therapie wieder nach vorne und schmiedet neue berufliche Pläne. „Ich bin gesund und bereit, mich wieder in etwas zu stürzen.“ Einige Treffen habe er schon hinter sich. Was er aber nicht mehr wolle, sei eine Aufgabe in einem großen Konzern.

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