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Senderechte : Disney-Filme für Pro Sieben Sat1

Quote mit „Star Wars“: Die Lucasfilm-Rechte hat Pro Sieben Sat1. Bild: dpa

Um die Einschaltquote zu retten, kauft Pro Sieben Sat1 in großem Stil in Hollywood ein. Denn im Zeitalter von Netflix und Co steht die Sendergruppe unter gewaltigem Druck.

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          Die Sendergruppe Pro Sieben Sat1 ist in letzter Zeit mit zahlreichen Unternehmenskäufen aufgefallen, die eines gemeinsam hatten: Sie haben nichts mit Fernsehen zu tun. Unter ihrem Vorstandsvorsitzenden Thomas Ebeling will Pro Sieben Sat1 unabhängiger vom klassischen Fernsehwerbegeschäft werden und kauft deshalb Internetreiseportale, Online-Spiele und Shopping-Plattformen. Erst vor zwei Wochen wurde das Flugreiseportal Etraveli für 235 Millionen Euro übernommen, zuvor das umsatzstarke Verbraucherportal Verivox für einen ähnlich hohen Betrag.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Bleibt das Fernsehen auf der Strecke? Rüdiger Böss, der Cheflizenzeinkäufer von Pro Sieben Sat 1, kann die Zuschauer beruhigen. In dieser Woche hat er mit Disney einen wichtigen Rahmenlizenzvertrag geschlossen, der die Ausstrahlungsrechte für Filme und Serien aus den Studios des amerikanischen Medienkonzerns umfasst. „Der Vertrag läuft über mehrere Jahre. Unsere Gruppe ist bis in das nächste Jahrzehnt mit Disney-Produktionen versorgt“, sagte Böss gegenüber dieser Zeitung. Nähere Angaben zu diesem Output-Deal, wie derartige Abschlüsse in der Branche genannt werden, machte er nicht.

          Output-Deals mit den großen Hollywoodstudios bewegen sich schon mal im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Sie sind für die Sender nicht ohne Risiko. Denn der Erfolg beim Zuschauer, gemessen an der Einschaltquote, ist ungewiss. Nun hat die Lizenzware aus der Walt Disney Company in der Vergangenheit oft Quotenhits hervorgebracht.

          Entsprechend überschaubar könnte das Risiko künftiger Produktionen sein. Aus dem Disney-Bestand hat Pro Sieben Sat1 Zugriff auf Blockbuster wie „Das Dschungelbuch“ und „Findet Nemo“. Hinzu kommen die Produktionen anderer Disney-Gesellschaften: Der 2009 erworbene Comic-Verlag Marvel produziert die „Captain-America“-Filme, und aus dem seit 2012 zu Disney gehörenden Lucasfilm stammt die „Star Wars“-Serie – allesamt Quotengaranten.

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          „Haben die meisten großen Studios unter Vertrag“

          Böss lässt den Vorwurf, zu wenig für das eigene Fernsehprogramm übrig zu haben, nicht gelten: „Wir investieren in Deutschland am stärksten in hochwertige amerikanische Programme und haben die meisten großen Studios unter Vertrag.“ Tatsächlich haben die Münchner neben Disney auch Verträge mit Warner, Fox, CBS und Paramount. Sie verfügen damit im Vergleich zu ARD, ZDF und RTL über die meisten Rechtepakete.

          Pro Sieben Sat1 will die neu erworbenen Disney-Filme und -Serien überwiegend in seinem frei empfangbaren Programm zeigen. Neue Inhalte können die Kanäle gut gebrauchen. Mit hohen Einschaltquoten war insbesondere der Stammsender Sat1 in der Vergangenheit nicht mehr aufgefallen.

          Vor drei Wochen übernahm Nicolas Paalzow, der glücklose Geschäftsführer, die Verantwortung für die Misere und trat zurück. Und Pro Sieben, der Sender mit einer immer noch recht hohen Einschaltquote bei der werberelevanten Zielgruppe der 14 bis 49 Jahre alten Zuschauer, verliert mit Beginn des kommenden Jahres seinen wichtigen Entertainer Stefan Raab.

          Medienkonsum wird unabhängig von Ort und Zeit

          Über allem schwebt die Sorge der Bewegtbild-Schaffenden, dass in Zukunft ohnehin immer weniger Menschen zu einer festen Sendezeit den Fernseher einschalten. Die freien privaten Sender brauchen allerdings die Quote für die Werbevermarktung. Jüngste Umfragen zeigen, dass der Medienkonsum unabhängig von Ort und Zeit wird. In einer Studie des Verbandes Deutscher Kabelnetzbetreiber (ANGA) gaben die 18 bis 29 Jahre alten Befragten einen sinkenden Fernsehkonsum an, 12 Prozent sagten gar aus, überhaupt nicht mehr fernzusehen.

          Gefragt sind dagegen die neuen Videoübertragungsplattformen im Internet (Video-on-Demand): Amazon, Google Play und Netflix erfreuen sich wachsender Beliebtheit, und auch Maxdome, der Videodienst von Pro Sieben Sat 1, mischt munter mit. Doch auch in den Bibliotheken dieser Anbieter geht es um den Inhalt. „Mit den Disney-Produktionen, vor allem mit den Serien, wollen wir auch Maxdome stärken“, sagte Böss.

          Wettbewerb mit Amazon, Netflix & Co.

          Maxdome muss sich im Wettbewerb gegen Amazon, Netflix & Co. behaupten, und die Amerikaner sind nicht knauserig, wenn es um klug erzählte Geschichten geht wie die Gefängnisserie „Orange is the New Black“ oder der Politthriller „House of Cards“. Maxdome kann nun Drama, Action und Kindersendungen von Disney dagegensetzen, um neue Abonnenten zu gewinnen.

          In das Zahlenwerk von Pro Sieben Sat1, das am heutigen Donnerstag vorgelegt wird, geht der Disney-Deal nicht ein. Vermutlich wird das anzunehmende jüngste Wachstum aus dem Geschäft abseits des Fernsehens kommen: Für sein Digitalgeschäft hob der Vorstand gerade erst die Umsatz- und Gewinnprognose bis zum Jahr 2018 an.

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