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Einzelhandel : Der erbitterte Streit um den Sonntag

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Zahlen dazu, wie viele Einzelhandelsbeschäftigte die Sonntagsöffnung betreffen würde, gibt es nach Auskunft des Handelsverbands HDE nicht. Die Rede ist aber von positiven Beschäftigungseffekten. Für die einzelnen Mitarbeiter bleibe die Wochenarbeitszeit unverändert, wird betont. Neben einem anderen freien Wochentag erhielten sie für die Sonntagsarbeit allerdings Zuschläge von hundert Prozent. Insofern hätten de Unternehmen meist keine Probleme, Mitarbeiter zu finden, die freiwillig am Sonntag arbeiten wollten.

Ladenschluss ist Ländersache

Ob am Ende auch mehr Geld in den Kassen bleibt, oder sich die Umsätze nur zeitlich verlagern, ist strittig. Dieselbe Frage hat aber auch vor gut zwanzig Jahren den Wandel zu flexibleren Öffnungszeiten nicht aufhalten können. Die Warenhausgeschäftsführer verweisen im Gegenzug darauf, was die erfolgreiche Klagewelle der Gewerkschaft Verdi gegen die bisher grundsätzlich möglichen Sonntagsöffnungen an Umsatz gekostet hat. Bei Kaufhof war es der Jahresumsatz einer Großstadtfiliale. Karstadt habe durch die von den Verwaltungsgerichten gestoppten Feiertagsöffnungen 20 bis 30 Prozent seiner bisher an Sonntagen erzielten Umsätze eingebüßt, heißt es in Essen. Die Vermutung liegt also nahe, dass ohne diese breite Klagewelle die Initiative der frustrierten Händler gar nicht erst losgetreten worden wäre.  

Die Ladenschlussregelung ist in Deutschland Ländersache. Festgelegt werden die einzelnen Termine durch die Kommunen. In den meisten Bundesländern sind vier verkaufsoffene Sonntage gestattet, vorausgesetzt, es gibt einen besonderen Anlass wie beispielsweise ein Stadtfest. In Berlin sind bis zu zehn Sonntage vorgesehen. Der aktuelle Koalitionsvertrag von CDU und FDP in Nordrhein-Westfalen enthält eine Erweiterung der Ladenöffnung auf jährlich bis zu acht Sonn- und Feiertage. Der Handelsverband HDE setzt sich in diesem Umfeld vor allem für mehr Rechtssicherheit bei den bestehenden Lösungen für verkaufsoffene Sonntage ein. Ihm geht es eigenen Angaben zufolge nicht um die komplette Freigabe aller Sonntage. Die gelegentliche Sonntagsöffnung sei aber ein wichtiger Mosaikstein, um die Innenstädte attraktiv zu halten, sagt Geschäftsführer Kai Falk. Für den stationären Handel gehe es vor allem darum, mit gelegentlichen Sonntagsöffnungen Events veranstalten zu können und so wieder mehr Leben in die Innenstädte zu bringen.

Die Gewerkschaften schadeten mit ihren Klagen und ihrer Weigerung, das Thema Sonntagsöffnung konstruktiv anzugehen, den Handelsunternehmen, den Innenstädten und am Ende den Arbeitnehmern.  Man benötige dringend mehr Rechtssicherheit bei der erforderlichen Begründung für verkaufsoffene Sonntage, so der HDE weiter. Deshalb sollten alle Beteiligten – Kommunen, Unternehmern, Verbänden und Gewerkschaften – zu einem Konsens kommen, wie mit dem Thema umgegangen werden sollte. „Ein Gegeneinander und der juristische Klageweg machen sonst am Ende unsere Innenstädte kaputt.“  Bleibt festzuhalten, dass am Ende sowohl das Öffnen als auch das Einkaufen am Sonntag immer freiwillig ist.

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