https://www.faz.net/-gqe-a6pt0

Dirk Roßmann : Der Oktopus aus Burgwedel

Dirk Roßmann Bild: Daniel Pilar

Dirk Roßmann ist als Unternehmer bekannt und wohlhabend geworden, aber das reicht ihm nicht. Als Thriller-Autor tastet er sich nun auf neues Terrain vor.

          4 Min.

          Dirk Roßmann hat in seinem Leben schon viele verrückte Dinge gemacht und ausprobiert. Legendär ist eine Aktion aus dem Jahr 1990, als er 20.000 Ausgaben des „Spiegels“ nach Leipzig brachte und auf einer Montagsdemonstration verteilte. Später wurde er zum Investor, der neben seinem Hauptgeschäft, der Drogeriemarktkette Rossmann, viel Geld in Beteiligungen quer durch unterschiedlichste Branchen und Finanzanlagen steckte. Jetzt hat sich der 74 Jahre alte Unternehmer mit der hohen Stirn und dem Dreitagebart als Thriller-Autor versucht – und zwar mit einer Idee, die ihm vergangenes Jahr gekommen sein soll, als er eine Zeitlang schlecht schlief und schon von vier Uhr morgens an wach lag. „In dieser Welt zwischen Träumen und Aufwachen ist das Buch entstanden – nach 14 Tagen hatte ich die ganze Geschichte im Kopf“, sagt er.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Schon seine Biographie mit dem Titel „... dann bin ich auf den Baum geklettert!“ war vor ein paar Jahren ein Erfolg. Für den Thriller „Der neunte Arm des Oktopus“ hat er nun abermals mit den Autoren Olaf Köhne und Peter Käfferlein zusammengearbeitet. Außerdem scharte er ein ganzes Team an Rechercheuren um sich, ganz im Stil von Meistern des Genres, die längst nicht mehr als Einzelkämpfer auftreten, sondern ihren nächsten Bestseller generalstabsmäßig planen. Geld für die Kampagne fließt zum großen Teil aus dem eigenen Vermögen, außerdem ist Roßmann in vielen Talkshows zu sehen und gibt unermüdlich Interviews, um die Verkäufe im Weihnachtsgeschäft anzuheizen. Mit Erfolg: Mehr als 150 000 Exemplare wurden schon verkauft. In der Bestseller-Liste des „Spiegels“ hat er zum Ende der Woche einen Titel von Charlotte Link überholt und liegt jetzt auf Platz zwei, hinter der Neuerscheinung von Sebastian Fitzek.

          Roßmanns Buch dreht sich um den Klimawandel und greift damit ein gesellschaftliches Großthema auf, wie es in der Drogeriebranche zum guten Ton gehört. Auch die Gründerfamilie des Rivalen dm um den Patriarchen Götz Werner tritt für philanthropische Positionen ein und hat ihr Thema mit dem bedingungslosen Grundeinkommen gefunden. Roßmann gehörte Anfang der neunziger Jahre zu den Gründern der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung und malt sich jetzt in dem Buch eine Erde aus, in der die Mächte Russland, China und Amerika eine Klima-Allianz schmieden. Zufall oder nicht: Wann immer der als klein und ängstlich beschriebene Koch Ricardo auftaucht, der sich am Ende ein Herz nimmt und die Welt rettet, denkt man an Dirk Roßmann, der ebenfalls stets mit seiner schmächtigen Statur und dem vermeintlich furchtsamen Wesen kokettiert. Auch er hat auf seine Art das Leben vieler Menschen mitgeprägt.

          Der Spross einer Kaufmannsfamilie aus Hannover hat den Drogeriekonzern Rossmann, der sich – anders als sein Gründer – nicht mit scharfem, sondern mit Doppel-s schreibt, aus dem Nichts aufgebaut. Nach der Lehre zum Drogisten im Laden seiner Eltern machte er sich mit 25 Jahren selbständig und eröffnete den ersten eigenen Markt. Dass zu diesem Zeitpunkt die Preisbindung für Drogerieartikel fiel, ermöglichte ihm ein Discount-Konzept, das viele Kunden lockte und Basis für die Expansion wurde. Heute hat die Gruppe mit Hauptsitz in Burgwedel nahe Hannover mehr als 56 000 Mitarbeiter und setzt in gut 4000 Filialen im In- und Ausland rund 10 Milliarden Euro um. Nur dm ist noch größer. Den Gründer hat der Erfolg zum Milliardär gemacht: Das Vermögen seiner Familie wird auf rund 3,3 Milliarden Euro geschätzt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Showtime für Ola  Källenius, 51: Am Donnerstag präsentiert er sein elektrisches Spitzenmodell: „So etwas hat die Welt noch nicht gesehen.“

          Elektro-S-Klasse von Mercedes : Der Tesla-Jäger

          Der Daimler-Chef Ola Källenius verkauft fünfmal so viele Autos wie Elon Musk. Trotzdem ist Tesla das Siebenfache wert. Jetzt bläst der Schwede zum Angriff.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.