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Direktflug in die Provinz : Warum Turkish Airlines sogar Kassel Calden anfliegt

Drehkreuz: Alles soll über Istanbul laufen, so wünscht es sich Turkish Airlines. Bild: REUTERS

Turkish Airlines fliegt überall hin: Nach Masar-i-Scharif, Mogadischu und Kassel Calden. Mancher lacht darüber. Tatsächlich schreckt die Fluggesellschaft sogar die Lufthansa auf.

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          Informationen über den zügigen Ausbau des Streckennetzes sind für Fluggesellschaften ein ideales Vehikel, um auf die eigene Wachstumsstärke oder großen Wagemut zu verweisen. Einen stets unkonventionellen Weg bei diesem Vorgehen schlägt dabei Turkish Airlines ein. Denn der Anbieter aus Istanbul ist bekannt dafür, dass er neben den beliebten Flugrouten nach Asien oder in europäische Touristen-Hochburgen auch ungewöhnliche Reiseziele mit ins  Programm aufnimmt.

          Ulrich Friese
          Redakteur in der Wirtschaft.

          In dieses Repertoire gehören die Destinationen Kassel-Calden und Masar-i-Scharif im Norden Afghanistans allemal. Turkish Airlines, die in den vergangenen drei Jahren vom Branchen-Dienstleister Skytraxx zur „besten Airline in Europa“ gekürt wurde, will die Zahl ihrer Reiseziele damit in den nächsten Monaten auf insgesamt 239 ausbauen.

          Ehemalige Kriegsgebiete direkt anbinden

          Wenige Monate nach seiner offiziellen Eröffnung ist der Bundeswehr-Standort in Afghanistan erstmals über eine bekannte Liniengesellschaft mit Europa verbunden. Die staatlich geführte Turkish Airlines bietet ab sofort drei Flüge pro Woche von Masar-i-Scharif an, teilte die Gesellschaft in Istanbul mit. „Dieser Schritt knüpft sich für uns nahtlos an vorherige Entscheidungen an, ehemalige Kriegsgebiete oder Krisenregionen direkt an unser Streckennetz anzubinden oder über unseren Heimatflughafen in Istanbul nach Asien oder Afrika weiterzuleiten“, erläutert ein Manager diese Entscheidung. Ebenso wie jetzt in Masar-i-Scharif unterhält Turkish Airlines sechs Verbindungen zum Irak oder bietet längst auch Flüge nach Mogadischu in Somalia an.

          Dass Europas mehrfach prämierte Fluggesellschaft   demnächst auch noch den wohl ruhigsten Provinz-Flughafen in Deutschland ansteuert, provoziert in Fachkreisen Staunen und Gelächter. Schließlich steht der 270 Millionen teure Flughafen in Kassel Calden seit seiner Eröffnung im April wegen mangelnder Auslastung in der öffentlichen Kritik. Doch Turkish Airlines ist vom wirtschaftlichen Erfolg der jüngsten Entscheidung fest überzeugt. „Wir wollen die Zahl unserer Zubringerflüge aus Deutschland zügig erhöhen und sind damit landesweit an 14 Flughäfen präsent“, heißt es in der Zentrale in Istanbul.

          Für die Entscheidung, Kassel-Calden voraussichtlich von April 2014 an bis zu vier Mal in der Woche direkt zu bedienen, hätten sich auch die türkischstämmigen Anwohner in der Region stark gemacht. Die Gesellschaft erwartet, dass sich sowohl Touristen wie auch Geschäftsreisende aus dem Umland für das künftige Angebot begeistern lassen. „Voraussetzung ist, dass wir unsere Maschinen auf Dauer gut auslasten und sich unser Engagement rechnet“, versichert ein Turkish-Airlines-Manager der F.A.Z.

          Mit seinen unkonventionellen Entscheidungen gilt Turkish Airlines als der Exot im internationalen Luftverkehr. Gleichzeitig unterstreicht  der Vorstandsvorsitzende Temel Kotil damit seinen  Anspruch, Turkish Airlines unter den führenden Anbietern der Luftfahrt zu etablieren und die Heimatbasis in Istanbul mit bis zu 150 Millionen Fluggästen im Jahr zu einem führenden Drehkreuz in der globalen Luftfahrt zu verankern.

          Über Istanbul nach Asien oder Afrika

          Ähnlich wie die finanzstarken Konkurrenten Emirates, Qatar Airways oder Etihad Airways aus der Golfregion drückt auch Kotil bei der Expansion von Flotte und Streckennetz aufs Tempo. Dabei will seine Gesellschaft, die mit insgesamt 233 Airbus- und Boeing-Maschinen Flugziele in 104 Ländern ansteuert, möglichst viele Passagiere aus Westeuropa über Istanbul nach Asien oder Afrika lotsen. Beflügelt von der florierenden Wirtschaft in der Türkei kann sich das Unternehmen, an dem die Regierung in Ankara mit 49,1 Prozent beteiligt ist, auf eine wachsende Nachfrage aus dem Inland stützen.

          Die ehrgeizige Wachstumsziele Kotils sind allerdings Managern der Lufthansa seit längerem ein Dorn im Auge. Die deutsche Fluggesellschaft ist seit Jahren mit Turkish Airlines über den internationalen Serviceverbund „Star Alliance“ verbunden. Doch Kotils forscher Ausbau des deutschen Streckennetzes macht der Lufthansa zunehmend Kunden und Marktanteile streitig.

          Eine noch engere Kooperation zwischen beiden Fluggesellschaft, die noch vor Monaten geplant war, ist angesichts der neuen Konkurrenzlage längst kein Thema mehr, heißt es bei der Lufthansa in Frankfurt. Stattdessen streben die Lufthanseaten ein enges Bündnis mit einem Partner in Asien - vorzugsweise Air China - an, um Flugpläne und Streckennetze aufeinander abzustimmen. Kotil lässt sich von dieser Absage aus Frankfurt keineswegs irritieren. Der Chef von Turkish Airlines will mit eigener Kraft wachsen, um seine Flotte spätestens bis 2020 auf rund 460 Flugzeuge zu verdoppeln.

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