https://www.faz.net/-gqe-11aa0

DIHK-Umfrage : Mehr Geld für die Forschung

Forschung und Entwicklung trotz Krise - das ist die Strategie vieler Unternehmen Bild: dpa

Hoffnungsschimmer in der Krise: Deutsche Unternehmen wollen ihre Aktivitäten in Forschung und Entwicklung ausbauen - der Finanzkrise zum Trotz. Zu diesem Ergebnis kommt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag in einer aktuellen Umfrage, die der F.A.Z. vorliegt.

          2 Min.

          Deutsche Unternehmen setzen ungeachtet der Wirtschafts- und Finanzkrise weiter auf die Erforschung und Entwicklung neuartiger Herstellungsverfahren und Produkte. Zu diesem Ergebnis kommt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in einer aktuellen Umfrage unter 530 als besonders innovativ geltenden Unternehmen. DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben sagte der F.A.Z.: „Die innovationsstarken deutschen Unternehmen lassen sich trotzt der aktuell schwierigen Situation nicht beirren: Sie setzen auf Innovationen und planen, zusätzlich Personal für Forschung und Entwicklung (FuE) einzustellen. Damit kommt Deutschland sogar in schweren Zeiten dem Drei-Prozent-Ziel für FuE-Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt näher.“

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Die innovationsstarken deutschen Unternehmen bereiteten sich auf die Zeit nach der Krise vor, heißt es in dem der F.A.Z. vorliegenden „Innovationsreport 2008/2009“ des DIHK, der auf einer Befragung beruht, die von Mitte Oktober bis Ende November stattfand. Auch wenn sich die Geschäftserwartungen zuletzt deutlich eingetrübt haben, setzen die Unternehmen im neuen Jahr auf Neuerungen. 47 Prozent gaben an, ihre Innovationstätigkeit steigern zu wollen. Nur 5 Prozent planten eine Verringerung. Damit werde sich die Dynamik des Jahres 2008 im nächsten Jahr allenfalls leicht abschwächen. „Die innovativen Unternehmen nutzen folglich die aktuelle Wirtschaftskrise, um ihre Wettbewerbsposition mittel- bis langfristig behaupten oder ausbauen zu können.“

          Unternehmen wollen sogar zusätzliches Personal einstellen

          Befragt nach ihren konkreten Ausgaben, antworteten die Unternehmen ähnlich. Vier von zehn beabsichtigten, ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung anzuheben, nur 6 Prozent planten Reduzierungen. Damit könne Deutschland sogar im anstehenden Krisenjahr dem avisierten Drei-Prozent-Ziel für die FuE-Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt näherkommen. Denn während das Umfrageergebnis eine leichte Erhöhung der privaten Ausgaben für Forschung und Entwicklung andeute, werde die Gesamtwirtschaft voraussichtlich schrumpfen.

          Die Unternehmen wollen trotz der insgesamt deutlich verschlechterten Perspektive am deutschen Arbeitsmarkt auch zusätzliches Personal für Forschung und Entwicklung einstellen. Ein Drittel der befragten Innovationsunternehmen habe vor, weitere zusätzliche Mitarbeiter in diesem Bereich anzustellen, nur 4 Prozent planten eine Verringerung. Aktuell beschäftigen die deutschen Unternehmen laut DIHK 315.000 Forscher und Entwickler. Deren Zahl werde sich voraussichtlich im anstehenden Krisenjahr leicht erhöhen.

          Mangel an Fachkräften

          Der Beschäftigungsanstieg in Forschung und Entwicklung könnte aber noch höher ausfallen, wenn es Forscher und Entwickler in genügender Zahl und entsprechender Qualifikation gäbe. Jedes zweite Unternehmen bezeichne die mangelnde Verfügbarkeit von Fachkräften und Forschern derzeit als das größte Innovationshemmnis am Standort Deutschland, stellt der Dachverband der Kammern fest. Es sei deshalb vordringlich, dass die Politik helfe, den Mangel an Forschern und Fachkräften zu bewältigen. Dazu müsse das Erwerbspotential besser ausgeschöpft werden, beispielsweise durch die Öffnung des Hochschulzugangs auch für Absolventen der beruflichen Bildungseinrichtungen. Zudem müssten die Bildungsanstrengungen gerade im naturwissenschaftlichen Bereich verstärkt werden. Drittens will der DIHK hochqualifizierten ausländischen Fachkräften den Zugang leichter machen. „Das bedeutet für die neuen EU-Länder die vollständige Freizügigkeit und für Qualifizierte aus Drittstaaten ein qualifikationsorientiertes Auswahlverfahren.“

          Notwendig sei, die Finanzierungsspielräume mittelständischer Innovationsunternehmen zu vergrößern. Wansleben verlangte deshalb, die „innvationsfeindlichen Komponenten der Unternehmensteuerreform“ – insbesondere die Hinzurechnung von Kosten in die steuerliche Bemessungsgrundlage und die Beschränkung des Verlustvortrags – zurückzunehmen. Der DIHK appelliert auch an die Unternehmen, ihre Potentiale besser auszuschöpfen. Kleine und mittelgroße Betriebe nutzten die Möglichkeiten für ein besseres Innovationsmanagement nicht aus.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Annegret Kramp-Karrenbauer : Sie setzt alles auf eine Karte

          Sollte die Verteidigungsministerin einmal Kanzlerin sein, wird sie für den Mut gepriesen werden, den sie mit ihrem Syrien-Vorstoß beweist. Sollte sie es nicht werden, wird der Vorschlag ein Beispiel dafür sein, dass sie sich übernommen hat. Eine Analyse.
          Die erste Eiskunstläuferin der Vereinigten Arabischen Emirate: Zahra Lari

          Frauen aus den Emiraten : Ihr braucht uns nicht zu retten!

          Auch wenn der Westen es kaum bemerkt: Am Golf verbessert sich die Stellung der Frau in kleinen Schritten: Fünf Beispiele aus den Vereinigten Arabischen Emiraten – über Träume, Vorbilder, Pflichten und Ängste.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.