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DIHK-Präsident Schweitzer : Wirtschaft fordert Abschiebestopp für arbeitende Flüchtlinge

  • Aktualisiert am

Asylbewerber arbeiten in einer Lernwerkstatt mit Holz. Bild: Frank Röth

Wer in einer Ausbildung ist, darf nicht abgeschoben werden - inklusive einer Anschlussphase von mindestens zwei Jahren im Beruf: So fordert es DIHK-Präsident Schweitzer in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Er sieht noch weiteren Handlungsbedarf.

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          Die deutsche Wirtschaft verlangt von der Politik, die Arbeitsaufnahme von Flüchtlingen umfassend zu erleichtern. "Wer in einer Ausbildung ist, darf nicht abgeschoben werden - inklusive einer Anschlussphase von mindestens zwei Jahren im Beruf", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.). Wer als Asylbewerber in dieser Zeit zur Fachkraft werde, solle den Status leichter wechseln und dauerhaft bleiben können. Es sei "absurd", dass ein Krankenpfleger aus dem Irak erst ausreisen müsse, um sich von Bagdad aus abermals für seine Stelle zu bewerben.

          Zudem forderte Schweitzer, die Liste der Mangelberufe, bei denen Zuwanderung möglich ist, zu erweitern. Er nannte insbesondere die Bereiche Gastronomie und Logistik. Wichtig sei auch die Reduzierung der Vorrangprüfung. Bislang ist eine Arbeitsaufnahme in den ersten 15 Monaten nur erlaubt, wenn der Arbeitgeber nachweisen kann, dass kein EU-Bürger den Job übernehmen kann. "Das ist schwer nachzuweisen und daher unnötige Bürokratie", sagte Schweitzer.

          Suche nach Lehrlingen noch nie so schwer

          Nötig sei auch die sofortige Erfassung der Vorbildung beim Stellen des Asylantrags. Nur so könnten die Flüchtlinge schnell vermittelt werden. "Ein Viertel der Asylbewerber ist im ausbildungsfähigen Alter, zwischen 16 und 25 Jahre", sagte der Kammerpräsident.

          DIHK-Präsident Eric Schweitzer
          DIHK-Präsident Eric Schweitzer : Bild: dpa

          Wenige Tage vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres am 1. September suchen viele Betriebe noch immer nach Lehrlingen. „In den letzten 20 Jahren war es für Unternehmen noch nie so schwer, ihre offenen Ausbildungsplätze zu besetzen“, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, im Interview mit der F.A.S. Es würden voraussichtlich knapp 40.000 der offiziell gemeldeten Plätze unbesetzt bleiben. Darüber hinaus gebe es eine hohe Dunkelziffer von Betrieben, die wegen mangelnder Erfolgsaussichten gar nicht mehr alle unbesetzten Stellen meldeten.

          Nach einer aktuellen Umfrage unter den Mitgliedsbetrieben, die der F.A.S. vorliegt, konnten 32 Prozent der Unternehmen schon im Vorjahr nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen. Das sind fast dreimal so viele wie noch zehn Jahre zuvor. Als Gründe nannte Schweitzer vor allem den demografischen Wandel, aber auch die gute Wirtschaftslage und den wachsenden Wunsch der Schulabgänger nach einer akademischen Ausbildung.

          Deshalb stellen sich der Umfrage zufolge mittlerweile 75 Prozent der Betriebe mit speziellen Förderprogrammen auch auf leistungsschwächere Jugendliche ein, die früher zum Teil als nicht ausbildungsfähig galten. Aber auch die leistungsstärkeren Schulabgänger, die manche Firmen einst als überqualifiziert betrachteten, werden intensiv umworben. Jedes zehnte Unternehmen lockt mit Zusatzleistungen wie kostenlosem Smartphone, einer Mitgliedschaft im Fitness-Studio oder höherem Verdienst.

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