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Digitalisierung : Das Milliardengeschäft mit den Apps

Apps - auch Computeruhren können nicht genug von ihnen bekommen. Bild: dpa

Mit Apps wird viel Geld verdient, auch in Deutschland. Das liegt zunehmend an Fitnessarmbändern und Uhren. Und an der gewaltigen Nachfrage aus einem Land.

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          Es gibt praktisch nichts, was man nicht mit ihnen machen kann: Mit Apps, auf Smartphones und Tablets angepassten Programmen, entwickeln sich die Kleincomputer zu Alleskönnern. Fremdsprachen lernen, Nachrichten lesen, Aktien ordern, Pizzen bestellen, Theatertickets kaufen, Autos navigieren – für all diese Aufgaben gibt es eine App, und häufig mehr als nur eine einzige. Für die Kundschaft ist das Herunterladen meist unentgeltlich. Und trotzdem erlösen die Anbieter mit den Miniprogrammen Milliardensummen. In diesem Jahr dürfte der Gesamtumsatz allein in Deutschland auf 1,3 Milliarden Euro steigen. Das sind gut 40 Prozent mehr als 2014. Erstmals wird damit die Milliardenmarke geknackt, erwartet der  Digitalverband Bitkom.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Am beliebtesten sind unverändert Anwendungen für soziale Netzwerke, Messenger-Dienste und Spiele“, sagt Bernhard Rohleder, sein Hauptgeschäftsführer. Stark im Kommen seien daneben Fitness- und Gesundheits-Apps. Sie laufen üblicherweise auf sogenannten Wearables, also Computerarmbändern und -uhren. Mit ihnen können die Nutzer unter anderem zurückgelegte Joggingstrecken ermitteln oder optimale Aufwachphasen nach dem Schlaf.

          In-App-Käufe erzielen 952 Millionen Euro in Deutschland

          Obwohl sich im Smartphone- und Tabletmarkt vor allem in den Industrieländern gewisse Sättigungstendenzen abzeichnen, setzt sich der kräftige Aufschwung der Apps fort. Der Boom sei ungebrochen, versicherte Rohleder. Die Zahlen unterstreichen dies: 2013 lag das App-Marktvolumen in Deutschland bei 547 Millionen Euro, 2014 bei 910 Millionen Euro. Mit Wearables werde das Ökosystem rund um Apps nochmals erweitert, erläuterte der Bitkom.

          Interessant ist, wie die Anbieter der kleinen Programme ihr Geld verdienen. In den wenigsten Fällen bitten sie ihre Kunden sofort vor dem Download zur Kasse. Nur 15 Prozent des gesamten Marktumsatzes – 193 Millionen Euro – werden direkt über den Kaufpreis erzielt. Auch Werbung in Apps spielt mit einem Anteil von 12 Prozent (entsprechend 150 Millionen Euro) nur eine untergeordnete Rolle. Fast drei Viertel gehen dagegen auf das Konto kostenpflichtiger Angebote innerhalb einer App. Diese sogenannten In-App-Käufe spülen allein hierzulande in diesem Jahr voraussichtlich 952 Millionen Euro in die Kassen der App-Entwickler und -Vermarkter. Dabei geht es beispielsweise um Erweiterungsmöglichkeiten grundsätzlich kostenloser Spiele oder den Kauf zusätzlicher Navi-Karten.

          Das App-Angebot selbst bewegt sich inzwischen in der Nähe der Viermillionenmarke. Laut Bitkom haben Smartphone-, Tablet- und Smartwatchbesitzer bei den fünf größten Anbietern Zugriff auf insgesamt rund 3,7 Millionen Programme. In Googles Play-Store finden sich demnach mehr als 1,5 Millionen Android-Titel, dahinter folgt Apple mit 1,4 Millionen Angeboten für das iOS-Betriebssystem. In App-Store des Online-Versenders Amazon können Kunden auf 360.000 Anwendungen zugreifen, im Windows Phone Store von Microsoft auf 340.000 und bei Blackberry World auf 130.000. Allein im Google-Store kommen Monat für Monat rund 30.000 neue Apps hinzu.

          App-Müdigkeit in Industriestaaten

          Was 2008 mit dem Start von Apples App-Store begann, hat also offenbar noch eine länger glänzende wirtschaftliche Zukunft. Auf der ganzen Welt dürfte das Geschäft mit Apps bald ein dreistelliges Milliardenvolumen erreichen. Bis zum Jahr 2019 sollen die Erlöse mit der Minisoftware auf 99 Milliarden Dollar steigen, wie das britische Marktforschungsunternehmen Juniper Research prognostiziert. Für 2015 geht Juniper davon aus, dass insgesamt 235 Milliarden Apps heruntergeladen werden – das wären mehr als 30 für jeden Mensch und fast 28 Prozent mehr als im Vorjahr.

          Vor allem die Chinesen treiben die Nachfrage extrem. Auf ihr Konto gingen 2014 fast 60 Prozent aller Downloads. Alle anderen Märkte und Länder fallen im Vergleich klar ab: Auf die Vereinigten Staaten entfallen acht Prozent der Downloads, auf Südkorea, Großbritannien und Deutschland jeweils zwei Prozent. Gerade in diesen Industriestaaten setzt inzwischen eine gewisse App-Müdigkeit ein, wie das IT-Forschungsunternehmen Gartner herausgefunden hat. Nach Jahren des Suchens, Herunterladens und Nutzens von Smartphone-Apps seien die Nutzer inzwischen gereift, heißt es. Zwar hätten die Kunden nicht das Interesse generell verloren. Sie müssten jedoch überzeugt werden, dass eine App für sie wirklich nützlich sei. Das aber gelingt offenbar immer noch sehr vielen Anbietern.

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