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Digitale Dörfer : Nachbarschaftshilfe für das 21. Jahrhundert

Sobald das Modell in den beiden „Digitalen Dörfern“ erprobt sei, könne es auch auf andere Bereiche, wie zum Beispiel den Personentransport, ausgeweitet werden. Neben der Förderung für die Testregionen unterstützt das Land Rheinland-Pfalz auch das Gesamtprojekt des Fraunhofer IESE mit rund einer Million Euro. Eine Anschlussförderung vom Jahr 2017 an ist dem Vernehmen nach ebenfalls vorgesehen.

Worum geht es genau? In jeweils einem Logistik-Szenario erproben das Institut und die Gemeinden, wie Einkäufe beim regionalen Handel zukünftig einfach und schnell bestellt und zugeliefert werden können. Hierfür wurde ein Portal entwickelt, über das die Bürger ihre Bestellungen bequem von zu Hause, der Arbeit oder unterwegs über Internet und Smartphone, aber auch „klassisch“ per Telefon oder direkt beim Händler initiieren können - und über welches sie ebenfalls als freiwillige Lieferboten Pakete zu ihren jeweiligen Bestimmungsorten mittransportieren können.

Die Testphasen, deren Teilnehmerzahl nach den Worten von Liggesmeyer in den jeweiligen Gemeinden zahlenmäßig nicht begrenzt ist, laufen im Februar und Mai sowie im Oktober jeweils über vier Wochen: „Wir hoffen, dass möglichst viele Bürger mitmachen.“ Die Gleichung ist klar: Je mehr Teilnehmer, desto valider sind die Daten, die das Projekt liefert.

Verlässlich und anwenderfreundlich

Das Internetportal und die passende App zur Abwicklung werden derzeit entwickelt und sind schon weitgehend fertig - sowohl für die Apple- als auch für die Android-Plattform. Wichtig ist nach den Worten von Liggesmeyer jedoch besonders die Koordination der Abläufe im Hintergrund, also der Liefer- und Abrechnungslogistik. Über die App könnten die Bürger künftig auch Mitfahrgelegenheiten einstellen oder wahrnehmen. Der digitale Wandel, die Entwicklung der Informations- und Kommunikationsinfrastruktur, müsse gerade in ländlichen Gebieten viele Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens umfassen, um echte Synergieeffekte nutzen zu können, ist Liggesmeyer überzeugt. Er hat dafür die Gebiete Mobilität und Logistik, also den Transport von Personen und Gütern, Kommunikationstechnik, medizinische Versorgung, Landwirtschaft und Energieversorgung auf seine Prioritätenliste gesetzt.

Hierbei seien Smartphones und das Internet nur der Anfang. Die zugrundeliegenden Technologien, wie sie auch für Industrie 4.0, Internet der Dinge oder Big Data zum Einsatz kommen, seien inzwischen aber ebenfalls Realität geworden: Es handele sich um einen Milliardenmarkt, den man aber nur mit Anwendungen erschließen könne, die sicher, verlässlich und anwenderfreundlich sind. Dem Fraunhofer-Institut IESE gehe es vor diesem Hintergrund deshalb auch nicht einfach darum, eine funktionierende Lösung zu schaffen.

Das Ziel der anwendungsorientierten Forscher ist es zudem, solche Systeme trotz ihrer Komplexität garantiert sicher zu entwickeln - und dabei zugleich benutzerfreundlich zu gestalten. Wie das Blog zum Digitale-Dörfer-Projekt zeigt, soll das hier auch durch die starke Einbeziehung der jeweiligen Wünsche der Bürger gelingen.

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