https://www.faz.net/-gqe-9etbg

Zetsche-Kommentar : In die Zukunft mit Schnauzer und Sneakers

  • -Aktualisiert am

Ohne Krawatte und in Jeans: Daimler-Chef Zetsche verbindet damit eine wichtige Botschaft. Bild: dpa

Dieter Zetsche hört als Vorstandschef von Daimler auf. Erreicht hat er viel – und weiß, dass in der automobilen Welt kein Stein auf dem anderen bleiben wird.

          Die Ankündigung, dass Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche im Mai 2019 sein Mandat nieder legen wird, ist nur auf den ersten Blick eine Überraschung. Nicht nur, dass Zetsche im Mai 2018 schon 65 Jahre alt geworden ist, sein im Jahr 2016 verlängerter Vertrag wäre im Dezember 2019 ohnehin ausgelaufen.

          Weil Zetsche  aber dann zur Hauptversammlung im Mai 2021 zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats bestellt werden soll (wenn das Mandat des derzeitigen Amtsinhabers Manfred Bischoff endet), muss er etwas früher Schluss machen. Nur so kann er die gesetzlich vorgeschriebene Pause (Cooling-off-Periode) von zwei Jahren einhalten.

          Der promovierte Ingenieur, der in Karlsruhe Elektrotechnik studiert hat, war über lange Jahre das markante Gesicht an der Spitze von Daimler beziehungsweise Mercedes-Benz. Dazu trug nicht nur sein unkonventioneller Schnauzer bei, sondern auch sein stets eloquentes und jugendliches Auftreten.

          Die neuen Elektroautos

          Für viele mag der burschikose Habitus ohne Krawatte und mit Sneakers oder gern auch mal im T-Shirt übertrieben gewesen sein, doch für ihn ist das viel mehr als nur Show: Zetsche wollte und will auch nach außen verkörpern, dass sein Konzern und mit ihm die inzwischen achtzehn Marken, von AMG über Car2Go und mytaxi bis Western Star (amerikanische Lastwagen), nicht nur jung geblieben sind, sondern auch in der Zukunft angekommen.

          Ein gutes Beispiel hierfür ist das jüngstes Kind in der Markenfamilie: EQ, die neue Elektroauto-Marke im Konzern. Selbstverständlich war Zetsche unlängst in Stockholm, als der erste Mercedes-Benz EQ der Weltöffentlichkeit vorgestellt wurde.

          Und in Stockholm fand zur gleichen Zeit die „me convention“ statt, die auch ein Ausweis für die Zukunftsgewandtheit des Konzerns ist. Zwei Tage wurde über die digitale Welt und die kommenden Gefahren und Herausforderungen diskutiert, nur das Auto spielte so gut wie keine Rolle. Mercedes-Benz veranstaltet die „me convention“ in Zusammenarbeit mit den Machern von SXSW (South by Southwest), dem Treffpunkt der digitalen Welt, jährlich für eine Woche im März in Austin.

          Zetsche blickt weit voraus und ihm ist wohl sehr bewusst, dass in er automobilen Welt mittelfristig kein Stein auf dem anderen blieben wird. Deswegen befürwortet er Initiativen wie die „me convention“ ausdrücklich, „wir müssen dort sein, wo unsere Kunden sind,“ sagte er in Stockholm und dachte dabei wohl auch an zukünftige Käufer und Nutzer. Mit Marken wie Car2go oder mytaxi hat Daimler das Portfolio längst über den klassischen Automobil- oder Lastwagenbau ausgeweitet, auch das ist ein Verdienst Zetsches, der schon seit Dezember 1998 Vorstandsmitglied und seit dem Januar 2006 Vorsitzender des Vorstands der Daimler AG ist.

          Seine gesamte berufliche Laufbahn hat er im Unternehmen verbracht. 1976, mit 23 Jahren, trat er in den Forschungsbereich der damaligen Daimler-Benz AG ein. Das verbindet ihn übrigens mit seinem designierten Nachfolger Ola Källenius. Der Schwede ist 49 Jahre alt und wie Zetsche ein Eigengewächs. Wie Zetsche wird auch er Chef von Mercedes-Benz Cars. Källenius gehört dem Vorstand seit dem Jahr 2015 an und verantwortet seit 2017 die Konzernforschung und die Entwicklung von Mercedes-Benz Cars. Er ist der erste Nicht-Deutsche auf dem Chefsessel von Daimler.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Donald Trump am 12. Juli in Milwaukee

          Provokation auf Twitter : Trumps Spiel mit dem Feuer

          Auf Twitter beleidigt Amerikas Präsident vier Parlamentarierinnen rassistisch. Mit der Provokation will er Konflikte unter den Demokraten schüren – und scheitert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.