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Dieselskandal : Immer Ärger beim Daimler

Der Stern glänzte auch schon mal heller. Bild: AP

Wegen manipulierter Abgasanlagen zahlt Daimler rund 2 Milliarden Dollar nach Amerika. Trotzdem ist der Dieselskandal für den Autohersteller damit noch lange nicht aus der Welt.

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          Es ist ein Wechselbad der Gefühle, das die Daimler-Mitarbeiter dieses Jahr erleben. Wochenlang standen die Bänder still und die Autohäuser waren wegen Corona geschlossen. Dann folgte als logische Konsequenz eine Reihe von Spekulationen darüber, wie viele Milliarden Euro Daimler nun wieder in der Kasse fehlen und wie viele Arbeitsplätze dem Sparplan wohl zum Opfer fallen werden. Hoffnung machte, dass die Chinesen und damit die wichtigsten Mercedes-Kunden der Welt schon wieder rekordverdächtig viele Autos bestellten. Und rechtzeitig vor den Sommerferien war dann klar, dass die Zukunftssicherung mit Beschäftigungsgarantie bis zum Jahr 2029 hält, weil die Daimler-Mitarbeiter auf einen kleinen Teil ihres Gehalts verzichten. 

          Nun kommt der nächste Klops: Daimler überweist rund 2 Milliarden Euro nach Amerika, weil Autokäufer und Umweltbehörden wegen manipulierter Abgasanlagen in Mercedes-Autos geklagt hatten.

          Wahrscheinlich fragen sich jetzt viele Mitarbeiter, ob jetzt die Daumenschrauben gleich nochmal angezogen werden. Die Sorge ist berechtigt – und doch wieder nicht. Der Vergleich mit den Klägern in Amerika fällt nicht vom Himmel, sondern ist Ergebnis langwieriger Verhandlungen, und entsprechend ist dafür - wie auch für andere Fälle im Zusammenhang mit dem Dieselskandal  – in den Bilanzen schon Vorsorge getroffen worden. Sprich: Die absehbare Belastung hat schon den bisher ausgewiesenen Gewinn geschmälert. Die gute Nachricht ist außerdem, dass Daimler dieses Thema zumindest in Amerika damit abhaken kann. Ein Thema, das mit großer Unsicherheit behaftet war, denn gerade in Amerika haben Verbraucheranwälte besonders kreative Ideen, wie sie für ihre Mandanten (und sich selbst) von Unternehmen viel Geld fordern können.

          Bitte keine neuen Tricksereien!

          Trotzdem ist der Dieselskandal für Daimler damit noch lange nicht aus der Welt. Zwar hat der Stuttgarter Hersteller in Deutschland bisher massenhaft Klagen von Diesel-Fahrern erfolgreich abgewendet. Doch das kann sich noch ändern, denn es stehen noch Entscheidungen vor dem Bundesgerichtshof und dem Europäischen Gerichtshof aus. Stehen dort die Umweltaspekte stärker im Vordergrund als bisher, könnten noch einmal Milliarden Euro fällig werden.

          Alle Mitarbeiter, die sich jetzt ärgern, dass ihnen jeden Monat ein paar Prozent Lohn weniger überwiesen werden, weil es dem Konzern so schlecht geht, wären aber gut beraten, sich nicht allzu sehr darüber aufzuregen. Wichtiger wäre es, jetzt nach vorne zu schauen und daran mitzuwirken, dass man in Zukunft wirklich mit sauberer Weste da steht. Konzernchef Ola Källenius hat schon vor seinem Amtsantritt im vorigen Frühjahr den Weg zu einem CO2-neutralen Konzern aufgezeigt. Das ist eine schwierige Aufgabe, gerade für einen Hersteller von Luxuskarossen, die heute gern als Spritschleudern apostrophiert werden.

          Trotz aller Fortschritte, die erreicht wurden, gibt es Gründe, warum mancher argwöhnt, dass die guten CO2-Werte auch wieder durch Tricksereien entstehen könnten, so wie zu Diesel-Zeiten die vermeintlich guten Stickoxid-Werte. Jeder im Konzern sollte seinen Beitrag leisten, dass dies nicht nötig ist, sondern die Transformation wirklich gelingt. Weil Daimler als Industrie-Ikone so im Blick der Öffentlichkeit steht, ist dieser Erfolg nicht nur für das Unternehmen selbst wichtig, sondern auch für die Gesellschaft.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

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