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VW-Dieselskandal : Conti wird von seiner schmutzigen Vergangenheit eingeholt

Der Dieselskandal spaltet die Autozulieferer. Bild: dpa

Verstrickungen in den Dieselskandal sind ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Ein Vorwurf: Conti-Ingenieure sollen zusammen mit VW eine verbotene Abschalteinrichtung entwickelt haben. Bald wird Anklage erhoben.

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          Im Herbst 2015, als der Volkswagen-Konzern vom Dieselskandal erschüttert wurde, wuchs die Nervosität auch im Führungskreis von Continental. Denn die Motorsteuerung für die manipulierten 1,6-Liter-Dieselmotoren in Europa stammte von dem Autozulieferer aus Hannover. „Ist bei uns alles clean?“, soll Chefaufseher Wolfgang Reitzle seinen damaligen Vorstand um den Vorsitzenden Elmar Degenhart gefragt haben. Sieben Jahre später ist eine interne Untersuchung, die damals vom Vorstand bei der Kanzlei Noerr in Auftrag gegeben wurde, zum Sprengsatz für Continental und den inzwischen ebenfalls börsennotierten Autozulieferer Vitesco geworden, die frühere Konzernsparte Powertrain mit Sitz in Regensburg. Es geht um viel Geld und um die Frage, wer wann was von den Diesel-Machenschaften in Niedersachsen und Bayern wusste.

          Christian Müßgens
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.
          Henning Peitsmeier
          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Seit zwei Jahren interessiert sich die Staatsanwaltschaft Hannover für den Fall. Längst ermittelt sie gegen 61 Beschuldigte, darunter auch Degenhart und drei weitere ehemalige Conti-Vorstände. Aufsichtsratschef Reitzle ist bislang nur als Zeuge vernommen worden. Er sieht sich getäuscht von seinen langjährigen Weggefährten, die ihm das wahre Ausmaß der Conti-Verstrickungen in den Dieselskandal verschwiegen haben sollen – so seine Aussage bei der Staatsanwaltschaft. Die Strafverfolger unter Führung von Oberstaatsanwalt Malte Rabe von Kühlewein haben 90 Terabyte an Daten zusammengetragen. Eine Anklage, so schätzen Verfahrensbeteiligte, ist nur noch eine Frage der Zeit.

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