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Betriebsrat: „Donnerschlag“ : Conti im Sumpf des Dieselskandals

Im Visier der Ermittler: der frühere Vorstandsvorsitzende von Continental, Elmar Degenhart (links), und der Ex-Finanzchef Wolfang Schäfer Bild: REUTERS

Nach Ermittlungen der Justiz ist der Finanzvorstand des Autozulieferers zurückgetreten. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Hannover ihre Ermittlungen auch auf den Ex-Chef Degenhart und ein weiteres früheres Vorstandsmitglied ausgeweitet.

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          Der Dieselskandal von Volkswagen fordert seine Opfer jetzt auch beim Autozulieferer Continental aus Hannover. Nachdem sich der Konzern nach einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrats am Mittwochabend überraschend mit sofortiger Wirkung von Finanzvorstand Wolfgang Schäfer trennte, hat die Staatsanwaltschaft Hannover ihre schon länger laufenden Ermittlungen auf Ex-Konzernchef Elmar Degenhart, Schäfer sowie ein ehemaliges Vorstandsmitglied der inzwischen von Conti abgespaltenen Sparte Powertrain ausgeweitet.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Die Vorwürfe lauteten auf Beihilfe zu Betrug und Untreue sowie auf vorsätzliche Verletzung der Aufsichtspflicht, sagte ein Sprecher der Ermittlungsbehörde am Donnerstag. Auch gegen zwei leitende Mitarbeiter unterhalb der Vorstandsebene liefen Untersuchungen. Die Aktien des Konzerns waren mit einem Minus von mehr als 4 Prozent größter Verlierer im Dax.

          Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und die – wie es heißt – „einvernehmliche Beendigung“ der Arbeit von Finanzvorstand Schäfer im Zusammenhang mit einer möglichen Verwicklung von Continental in die Abgasmanipulationen von VW erwischen das hannoversche Unternehmen zur denkbar schlechtesten Zeit. „Diese Nachricht ist ein weiterer Donnerschlag!“, heißt es in einer Stellungnahme des Konzernbetriebsrats. Schon jetzt spüre bei Continental jeder die Entwicklungen schmerzhaft: „Personalabbau. Kurzarbeit. Chipkrise“, dazu der Umbau des Automotive-Sektors und die Abspaltung der in Vitesco umgetauften ehemaligen Antriebsparte Powertrain. „Und jetzt dreht sich auch noch das Personalkarussell immer schneller.“ Da komme „ziemlich viel auf einmal – zu viel“, kritisierte der Betriebsrat.

          CONTINENTAL

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          Büros durchsucht

          Einen Kommentar zu den laufenden Ermittlungen de Staatsanwaltschaft gab Continental auf Anfrage nicht. Schäfers Ausscheiden steht im Zusammenhang mit den bereits bekannten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zur Verwendung illegaler Abschalteinrichtungen in Dieselmotoren und Defiziten bei der Aufklärung bei Continental. Die seien, wie im Unternehmen zu hören ist, nicht mit der notwendigen Konsequenz betrieben worden. Schäfer, in dessen Zuständigkeit auch die Ressorts Recht und Corporate Governance gehörten, hat mit seinem Rückzug letztlich die Verantwortung dafür übernehmen müssen.

          Die Staatsanwaltschaft hatte im Zusammenhang mit dem Diesel-Abgasskandal bei Volkswagen seit längerem mehrfach Büros an Standorten von Conti durchsucht und umfangreiches Material sichergestellt. „Im Rahmen der Auswertung der bisher beschlagnahmten Unterlagen stoßen wir immer wieder auf Hinweise und neue Erkenntnisse“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

          Kooperation mit Staatsanwaltschaft

          In den bisherigen Ermittlungen ging es darum, ob sich Mitarbeiter der Beihilfe zum Betrug und der mittelbaren Falschbeurkundung in den Jahren 2006 bis 2015 schuldig gemacht haben. Conti entwickelte die Software für einem von VW für den Verkauf in Europa vorgesehenen 1,6-Liter- Dieselmotor mit. Der Zulieferer argumentiert, dass solche Motorsteuerungen von der Kundschaft auf ihre jeweiligen Bedürfnisse programmiert würden und er selbst nicht an der Manipulation beteiligt gewesen sei.

          Der interne Vorwurf gegen Schäfer war, dass die internen Ermittlungen nicht mit der notwendigen Härte und Gründlichkeit vorgenommen wurden. „Den vorliegenden Sachverhalt klären wir konsequent und vollumfänglich auf und kooperieren rückhaltlos mit der Staatsanwaltschaft Hannover“, sagte Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle. „Gemäß unserer Null-Toleranz-Philosophie gehen wir jedem Verdacht nach.“ Continental-Konzernchef Nikolai Setzer wird die Aufgaben des Finanzvorstands im Vorstand vorerst übernehmen. Die Verantwortung für Compliance und Recht, für die Schäfer mit verantwortlich war, sollen dauerhaft im Aufgabenbereich des Vorstandschefs bleiben. Bis zur Regelung der Nachfolge wird die Leiterin Finance, Controlling und IT bei ContiTech, Katja Dürrfeld, kommissarisch die Leitung dieser Bereiche unterhalb der Vorstandsebene übernehmen und in dieser Funktion an Setzer berichten.

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