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Abgasskandal um VW : Automobilbranche befeuert Kanzleiumsätze

Es sind nicht nur die Großkanzleien in Frankfurt, die vom derzeitigen Aufschwung durch Diesel-Klagen und Compliance-Geschäfte profitieren. Bild: Michael Braunschädel

Diesel-Betrug und Compliance-Beratung sorgen für eine hohe Auslastung in den Anwaltsbüros. Gewinner sind vor allem zwei nationale Mittelstandsberater. Aber wie nachhaltig ist die Champagnerlaune in den Kanzleien?

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          Im dritten Jahr nach Aufdeckung des Abgasskandals von Volkswagen sind die Auswirkungen des vermutlich weitreichendsten Kriminalfalls der deutschen Wirtschaftsgeschichte auf den Anwaltsmarkt unübersehbar. Die Wirtschaftskanzleien können mit der hohen Frequenz an rechtlichen Anfragen aus der Automobilbranche, von institutionellen Aktionären sowie diverser Verbände und der öffentlichen Hand kaum Schritt halten. Branchenübergreifend nahm Compliance-Arbeit zu, immer häufiger im Kontext kartellrechtlicher Themen. Und weil auch die M&A-Anwälte vom ungebremsten Interesse ausländischer Investoren profitierten, melden die Sozietäten für das Geschäftsjahr 2017 – das in britischen Kanzleien traditionell erst zum 30. April des aktuellen Kalenderjahres endet – steigende Umsätze. Allein die zehn umsatzstärksten Einheiten erwirtschafteten zusammen mehr als 2,2 Milliarden Euro, hat der Fachverlag „Juve“ recherchiert.

          Marcus Jung

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch wenn die Spitzenpositionen in dem jährlichen Umsatz-Ranking abermals von Freshfields Bruckhaus Deringer (405 Millionen Euro), CMS Hasche Sigle (316 Millionen) und Hengeler Mueller (241 Millionen) besetzt werden, zeigt die Liste der 100 größten Wirtschaftskanzleien in Deutschland, wie stark der Markt derzeit in Bewegung ist. Rupprecht Graf von Pfeil, Partner der Kanzleiberatung Venturis Consulting Group, teilt die Ansicht, dass immer mehr Spieler größere Marktanteile für sich einfordern. „Es ist schon überraschend, in welcher Breite Sozietäten im vergangenen Jahr ein zweistelliges Umsatzwachstum verzeichnen.“ Die größten Sprünge in dieser heterogenen Gruppe gelangen Dentons (61 Millionen) sowie der amerikanischen Einheit Gibson Dunn (26 Millionen), die in der Abgasaffäre als Compliance-Beraterin von Daimler agiert.

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