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Es geht auch ohne : Diese Start-ups haben genug vom Plastik

Die Idee für den Halm hatten die Gründer Hannah Cheney und Sebastian Müller beim Strandspaziergang in Thailand, „wo gefühlt jedes zweite Teil ein Plastiktrinkhalm war“. Etwas Recherche habe ergeben, dass täglich auf der ganzen Welt drei bis sechs Milliarden Plastiktrinkhalme im Müll landen – viele davon spült die Brandung wenig später wieder an Land. Ihr Trinkhalm aus Glas soll das ändern. Warum gerade Glas? „Papier weicht durch, Bambus ist für den Gastronomiebetrieb zu unhygienisch und Metall verfälscht den Geschmack“, begründet das Start-up die Materialwahl.

Stroh statt Styropor

Wie auch Wildwax Tuch gibt es Halm seit 2017 und nicht nur Privatkunden, sondern auch schon mehr als 450 Gastronomen zählen zu den Käufern, darunter auch die Hotelkette Steigenberger. Der Kundenkreis könnte indes bald wachsen, denn die EU hat ein Verbot von Trinkhalmen aus Plastik angekündigt. Einige Supermarktketten, darunter Rewe und Lidl, haben schon den Verkaufsstopp eingeleitet und suchen nach Alternativen.

Überhaupt könnten neue Gesetzte Schwung in die Industrie mit den Plastik-Alternativen bringen. So begünstigt das neue deutsche Verpackungsgesetz, das 2019 in Kraft tritt, nachhaltige Verpackungen und soll Hersteller dazu motivieren, Plastik einzusparen oder recyclingfähiger zu machen. 

Von dem Gesetz erhofft sich auch das Start-up Landpack aus dem bayerischen Alling einen Wachstumsschub. Das Unternehmen stellt nach eigenen Angaben die erste wirkliche Alternative zu Styropor her und vertreibt sie in Form von umweltfreundlichen Isolierverpackungen, insbesondere für die Bedürfnisse von Lebensmittel-Versendern. Die „Landbox“ besteht aus reinem Stroh und weist laut Hersteller dieselben Leistungsdaten wie Styropor auf. So können Lebensmittel darin mehrere Tage kühl gehalten und verschickt werden. Zudem seien die Boxen zu 100 Prozent kompostierbar, sogar im eigenen Garten. 

Viertwichtigster Kunststoff der Welt

„Unser Anspruch ist es, Versendern von frischen, gekühlten und stoßempfindlichen Waren eine natürliche, umweltfreundliche und schöne Verpackung zu bieten“, sagt Gründerin Patricia Eschenlohr. Dabei eigne sich Stroh besonders gut als Rohstoff, da es auf der ganzen Welt anfalle und als Nebenprodukt der Getreideernte nicht mit der Nahrungsmittelproduktion konkurriere. Als reines Naturmaterial sei die Box außerdem weitestgehend von jeglichen Verpackungsabgaben befreit.

Die Isolierverpackung aus dem „im Überfluss verfügbaren Rohstoff Stroh“ wird in einem eigens entwickelten Verfahren hergestellt – ohne den Einsatz von Klebstoffen. Bislang produziert das Start-up noch in der Konzernzentrale in Bayern und hauptsächlich für die DACH-Region, also Deutschland, Österreich und die Schweiz. Zu den Kunden von Landpack zählen unter anderem die Feinkostgruppe Käfer, Dr. Oetker, Frosta und der Bio-Händler Alnatura. Etwa 30 Quaderballen Stroh mit einem Gewicht von bis zu 400 Kilogramm werden täglich zu Frischeboxen geformt. 

Mittelfristig sind weitere Standorte geplant, um das Produkt global vertreiben zu können, sagt Eschenlohr: „Styropor ist der viertwichtigste Kunststoff der Welt und ein Massenprodukt. Unser Ziel ist es, mit unserer nachhaltigen Alternative einen gewissen Anteil des internationalen Styropormarktes zu erobern“. Der Preis einer Isolierbox liegt, je nach Größe und Menge, zwischen 2 und 6 Euro. Damit könne Landpack mit Styropor mithalten – „je größer die Boxen sind, desto günstiger werden wir im Vergleich zu Styropor“, sagt Eschenlohr.

Ein Blick zurück in die Geschichte reicht manchmal

Dabei sieht sie im Stroh gleich mehrere Wettbewerbsvorteile gegenüber Styropor: Zum einen sei Stroh eine der größten Biomassen der Welt und anders als Rohöl, der Basis für Styropor, keine begrenzte Ressource. Zum anderen werde bei der Produktion der Landbox nur zwei Prozent der Energie verbraucht, die Styropor erfordert. Schließlich treffe die Landbox den Nerv der Zeit: „Die Endverbraucher akzeptieren keine unnötige Umweltverschmutzung mehr.“

Die Idee, Stroh als Dämmstoff einzusetzen ist indes nicht neu. Schon seit über 100 Jahren wird es zur Gebäudedämmung verwendet – ist also ein ebenso alter und bekannter Rohstoff wie Bienenwachs und Glas. Während die EU über ihre Plastikstrategie nachdenkt und der Handel immer mehr Plastikartikel aus dem Sortiment verbannt, wächst langsam aber sicher eine neue Industrie heran – die der Alternativen zum Plastik. Dabei ist Innovation und Kreativität gefordert; manchmal reicht aber auch einfach ein Blick zurück in die Geschichte.

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