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Die West-LB-Krise : Vom Flaggschiff zur Rest LB

  • Aktualisiert am

Bild: dpa / West LB

Die West LB sorgt seit ihrer Gründung Ende der 60er Jahre regelmäßig für Schlagzeilen. Immer wieder fuhr die Bank Milliardenverluste ein und wurde mit öffentlichen Geldern gestützt. Nun droht der einst größten deutschen Landesbank die Aufspaltung - oder gar die Abwicklung. Chronologie eines Abstiegs.

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          1973: Durch Devisenspekulationen verzockt die West LB fast ihren gesamten Jahresgewinn.

          1977: Chef Ludwig Poullain stolpert über einen millionenschweren Beratervertrag und legt sein Amt nieder. Vom Vorwurf der Untreue, des Betrugs und der Bestechlichkeit wird er aber freigesprochen.

          1998: Die Rubelkrise und der Zusammenbruch des russischen Anleihemarkts brockt der West LB einen Milliardenverlust ein.

          2003: Die Insolvenz des britischen Fernsehverleihers Boxclever kostet die Bank mehr als 400 Millionen Euro. West-LB-Chef Jürgen Sengera muss seinen Hut nehmen. Das Landgericht Düsseldorf spricht ihn später vom Vorwurf der Untreue frei.

          Ludwig Poullain: Der erste Chef der West LB  gehörte zu den einflussreichsten Managern im deutschen Geldgewerbe. Hier auf einem Archivbild aus dem Jahr 1998

          2004: Wegen unerlaubter Beihilfen des Landes NRW muss die West LB auf Druck der EU 1,4 Milliarden Euro zurückzahlen. Bei der West LB entsteht ein Verlust von 1,2 Milliarden Euro.

          2007: Händler der West LB verzocken sich und setzen 600 Millionen Euro in den Sand. Chef Thomas Fischer tritt zurück. Nachfolger wird Alexander Stuhlmann von der HSH Nordbank.

          2008: Stuhlmann wird vom Ex-DZ-Bank-Vorstand Heinz Hilgert abgelöst, der das Management umkrempelt. Zudem wird die West LB als erste Landesbank von ihren Eigentümern mit Milliardengarantien für Risikopapiere gestützt. In einem ersten Schritt werden 23 Milliarden Euro toxische Papiere ausgelagert. Fusionsgespräche mit der LBBW, der Helaba und der DekaBank scheitern.

          2009: Die EU-Kommission genehmigt die Garantien der Eigner unter Auflagen. Sie verlangt eine Reduzierung der Geschäfte und bis Ende 2011 den Verkauf der West LB, die inzwischen wieder Gewinne schreibt. Um die Bank in ruhigeres Fahrwasser zu bringen, müssen weitere Risikopapiere im Volumen von rund 77 Milliarden Euro ausgelagert werden. Über die Frage der Haftung für diese Risiken entbrennt zwischen den Eignern ein Streit. Die Sparkassen sind nicht bereit, weitere Milliarden in die Bank zu pumpen. Im Mai legt Hilgert überraschend sein Amt nieder, ihm folgt Dietrich Voigtländer. Nach zähem Ringen einigen sich die Eigentümer der West LB am 24. November mit dem Bund auf ein Lösungskonzept. Auch andere Landesbanken beteiligen sich mit einem kleinen Beitrag an der Rettung. Die West LB wird aufgespalten und die erste „Bad Bank“ Deutschlands auf den Weg gebracht.

          2010: Die Auslagerung der Altlasten in die Bad Bank ruft die EU-Kommission auf den Plan. Ihrer Ansicht nach sind dabei rund 3,4 Milliarden Euro unzulässige Beihilfen geflossen. EU-Wettbewerbskommissar Jaoquin Almunia verpflichtet das Institut deshalb, bis 15. Februar einen neuen Restrukturierungsplan vorzulegen. Zudem erhält der ehemalige CDU-Spitzenpolitiker Friedrich Merz den Auftrag, Käufer für die West LB zu finden. Im Oktober stellt Merz die Bank ins Schaufenster. Die Eigner der West LB suchen aber auch nach einer Lösung im öffentlich-rechtlichen Lager. Voigtländer verhandelt mit der Bayern LB über eine Fusion - die Gespräche scheitern aber.

          2011: Merz vermeldet, Interessenten für die WestLB gefunden zu haben. Kreisen zufolge haben aber nur Finanzinvestoren die Fühler nach der Bank ausgestreckt. Deren Chancen auf eine Übernahme werden als gering eingeschätzt. Parallel tickt die Uhr weiter und die von Almunia gesetzte Frist rückt immer näher. Die Eigner erörtern nun eine Aufspaltung der WestLB - bei der erneut Milliarden-Lasten anfallen würden. Die Frage der Lastenverteilung führt zu einem Poker bis zu letzten Minute.

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