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Braukunst : Mehr Hopfen für weniger Bier

Hopfenanbau in der Hallertau Bild: dpa

Die Weltbierproduktion geht seit fünf Jahren zurück. Gleichzeitig steigt die Anbaufläche für Hopfen. Wie passt das zusammen?

          2 Min.

          Nur noch rund 1,9 Milliarden Hektoliter Bier haben die Brauereien rund um die Welt im vergangenen Jahr gebraut. Damit ist schon zum fünften Mal in Folge der so genannte Weltbierausstoß gesunken. Das geht aus dem jüngsten Bericht des größten deutschen Hopfenhändlers Barth-Haas aus Nürnberg hervor. Damit wurden fast 38 Millionen Hektoliter weniger Bier gebraut als ein Jahr zuvor.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Schuld daran sind nicht die Europäer; hier stieg der Bierausstoß im vergangenen Jahr sogar leicht. Auch in Nordamerika, Südamerika und Afrika haben die Brauer etwas mehr Bier gebraut. Der wesentliche Grund für den Rückgang ist der sinkende Bierkonsum in China. Allein im Reich der Mitte fiel der Ausstoß um 59 Millionen Hektoliter, dieses Minus konnte der Anstieg in vielen anderen Ländern nicht ausgleichen. Von den insgesamt 171 Ländern, in denen Bier gebraut wird, stieg der Ausstoß in 85 Ländern, wohingegen in lediglich 34 Ländern der Ausstoß zurückging.

          In China tut sich einiges

          Trotz des Rückgangs bleibt China aber weiterhin die mit Abstand wichtigste Biernation der Welt (siehe Grafik). Noch immer produzieren die Brauereien dort mehr als 380 Millionen Hektoliter Bier im Jahr – das ist das Vierfache des Bierausstoßes in Deutschland. Insgesamt entfällt auf die fünf größten Biernationen rund die Hälfte der globalen Bierproduktion.

          Auf dem chinesischen Biermarkt tut sich trotz des Ausstoß-Rückgangs einiges. Den Markt dort dominierten lange Zeit nicht die großen westlichen Bierkonzerne, sondern hauptsächlich günstige chinesische Anbieter. „Ursprünglich gab es in China viele kleine Brauereien“, sagt Rodger Wegner, Geschäftsführer des Verbands der Ausfuhrbrauereien: „In den vergangenen 15 Jahren gab es aber einen kontinuierlichen Prozess der Konsolidierung zu größeren Einheiten“.

          Der im Westen weitgehend unbekannte Braukonzern China Resources Snow ist mittlerweile zum drittgrößten Braukonzern der Welt aufgestiegen, seine Biermarke „Snow“ führt die Rangliste der meistverkauften Einzel-Biermarken der Welt noch vor den amerikanische Marken Bud Light und Budweiser von AB Inbev an. Heute kommt CR Snow in China auf einen Marktanteil von rund 25 Prozent und liegt damit noch vor Tsingtao, der chinesischen Nummer Zwei mit einem Marktanteil von rund 17 Prozent.

          Einige westliche Brauer haben seit der Marktöffnung einen Fuß in die Tür bekommen, liegen aber deutlich hinter den Chinesen. Der niederländische Braukonzern Heineken hat sich im vergangenen Jahr mit CR Snow verbündet, um in China besser Fuß zu fassen. Die weltgrößte Brauerei-Gruppe AB Inbev hat sich in China schon länger festgesetzt, hat mit seiner Asien-Sparte zuletzt aber eher für negative Schlagzeilen gesorgt: Anfang des Monats scheiterte AB Inbev mit dem Vorhaben, seine Asien-Pazifik-Sparte separat an die Börse zu bringen.

          Trotz des Rückgangs der globalen Bierproduktion, wird immer mehr Hopfen angebaut. Im vergangenen Jahr haben Landwirte auf der ganzen Welt so viel Hopfen angebaut wie seit 21 Jahren nicht mehr. Die Anbaufläche stieg auf mehr als 60 000 Hektar – das entspricht einer Fläche, die etwas größer ist als die des Bodensees. In den vergangenen fünf Jahren legte die Anbaufläche um mehr als 30 Prozent zu, obwohl der Bierausstoß im selben Zeitraum um mehr als 3 Prozent fiel.

          Ein wichtiger Grund dafür ist der Erfolg stark gehopfter Biere mit intensiverem Geschmack. Die Hopfenbauern profitieren von der Ausbreitung der sogenannten Craft-Biere, also handwerklich gebrautem Bier von meist kleineren Brauereien. Während für einen Liter herkömmliches Bier lediglich ein Gramm Hopfen benötigt wird, verwenden Craft-Brauer für dieselbe Biermenge bis zu sieben Mal so viel Hopfen. Der ursprünglich in Amerika beheimatete Trend, hat mittlerweile in viele Länder ausgestrahlt: „In China haben sich Craft-Brauer stark verbreitet“, sagt Wegner, „in den großen Metropolen gibt es etliche Craft-Bier-Bars“. Es wird also weniger getrunken, aber stärker gehopft.

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