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Private Equity im Zwiespalt : Die unheimliche Party der Investoren

Die EZB im Blick Bild: dpa

Die Investoren feiern die Billiggeldorgie, das Geschäft läuft. Aber auch ihre Furcht ist zu spüren: Die Welt ist bis zu den Ohren verschuldet. Wird es irgendwann krachen?

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          Ein putziges Detail der internationalen Private-Equity-Szene scheint bisher niemandem aufgefallen zu sein. Das Logo auf den diesjährigen Plakaten der Branchenleitmesse „Super Return“ sah jenem der AfD gar nicht völlig unähnlich: ein roter Pfeil, sich wie ein Nike-Swoosh nach unten und dann nach rechts oben schwingend, auf blauem Hintergrund. Nur ist das Blau der Super Return viel dunkler.

          Klaus Max Smolka
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nicht, dass beide Seiten einander irgendeine Ähnlichkeit bescheinigen würden: hier die internationalen Renditejäger, die global denken, gegen jede protektionistische Tendenz wettern, nach den günstigsten Standorten der Welt und dem billigsten Personal fahnden; dort die vor allem national gesinnte Partei, die weniger Ausländer hereinlassen und den deutschen Markt schützen will.

          Auch werden von der kosmopolitischen Private-Equity-Elite nur wenige den Namen der neuen deutschen Polit-Kraft kennen und erst recht nicht deren Logo. Aber der internationale Trend, für den auch die AfD steht, ist den Investoren sehr wohl bewusst: eine Renaissance nationalen Denkens, ein Aufbegehren gegen die ungemütliche Seite der Globalisierung.

          Kluft zwischen Finanzeliten und Durchschnittsbürger

          Bestimmt würde es viele Normalbürger frösteln, verfolgten sie die Gespräche und Reden der Beteiligungsprofis, wie sie auf dem Berliner Branchentreff vier Tage lang in Serie zu hören waren. Denn die Perspektiven unterscheiden sich diametral. In einer Debatte um den anstehenden Ausstieg Großbritanniens aus der EU ging es darum, was der für die Briten bedeute, in London und anderswo. „Als Folge des Brexits wird es schwieriger werden, Arbeitskräfte zu Niedrigkosten zu bekommen“, analysierte Edi Truell, Gründer des Londoner Fonds Disruptive Capital, der laut Eigendarstellung „Verrenkungen in Märkten“ ausnutzt und eine Strategie „reich werden und reich bleiben“ verfolgt. Truell also sorgte sich darum, wie – mit der Aussicht auf sinkende Einwandererzahlen – noch Billigpersonal zu rekrutieren sei. Schlussfolgerung: raus aus dem Einzelhandelssektor. Denn dort arbeiten viele Niedrigqualifizierte, und deren Löhne geraten möglicherweise bald unter Druck – nach oben. Gut für die Beschäftigten, schlecht für die Investoren.

          Die Kluft zwischen (Finanz-)Eliten einerseits und dem Durchschnittsbürger andererseits: Sie ist vielen Fondsmanagern und Private-Equity-Leuten durchaus klar. Entgegen dem landläufigen Klischee denken diese Fachleute nicht vierundzwanzig Stunden am Tag ausschließlich über Gewinnmaximierung nach – selbst wenn sie ständig über sie reden. Viele haben sehr wohl den Blick fürs gesellschaftliche Ganze: vielleicht nicht ausschließlich aus Bürgersinn, sondern auch, weil das soziale Klima einen Einfluss aufs Geschäft hat.

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