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Einschnitte drohen : Die Stahlfusion von Thyssen-Krupp mit Tata ist gescheitert

Die geplante Stahl-Fusion von Thyssen-Krupp mit Tata ist wohl vom Tisch. Bild: Edgar Schoepal

Die Stahlfusion ist vom Tisch, die Aufspaltung Thyssens ebenso. Für den Traditionskonzern und seine Mitarbeiter ist das eine Hiobsbotschaft.

          Noch vor wenigen Tagen hatte ein Sprecher Zuversicht verbreitet. Doch nun scheint sicher, dass die europäische Stahlfusion von Thyssen-Krupp mit dem indischen Konkurrenten Tata nicht kommen wird. Mit eher halbherzigen Zugeständnissen ist Vorstandchef Guido Kerkhoff nicht gelungen, die Wettbewerbsbedenken der Europäischen Kommission auszuräumen. Man erwarte,dass die EU-Kommission die Fusion untersage, teilte Thyssen-Krupp am Freitag mit.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Für den Konzern und seine Mitarbeiter ist es eine Hiobsbotschaft. Einsparungen von bis zu 500 Millionen Euro im Jahr waren von dem neuen Stahlverbund erwartet worden. Mit 48.000 Beschäftigten und rund 17 Milliarden Euro Umsatz wäre das Gemeinschaftsunternehmen hinter Weltmarktführer Arcelor-Mittal zu einer starken Nummer zwei auf dem europäischen Stahlmarkt geworden.

          Aber jetzt muss Thyssen-Krupp die sich schon abzeichnenden nächste Flaute allein bewältigen: An den Hochöfen und in den Hüttenwerken drohen weitere schmerzhafte Einschnitte und Sparrunden. Doch damit nicht genug. Die Abspaltung des Stahls war ein Kernelement für den geplanten Umbau des Gesamtkonzerns.

          Aktienkurs gestiegen

          Die Zweiteilung in eine Werkstoff- und Industriegesellschaft ist nun vom Tisch. Stattdessen will der der Vorstand dem Aufsichtsrat einen Börsengang der Aufzugssparte vorschlagen. Schon vor Jahren war er diskutiert worden, damals noch unter dem im vorigen Sommer zurückgetretenen Konzernchef Heinrich Hiesinger. Der hatte sich für die Fusion mit Tata entschieden. Und gegen den Verkauf des Kronjuwels.

          Mit rund der Hälfte des Konzernergebnisses war die Aufzugsparte Dreh- und Angelpunkt für alle Pläne, Thyssen-Krupp zu einem Industriekonzern weiterzuentwickeln und die Stahlvergangenheit hinter sich zu lassen. Aber der drastische Verfall des Aktienkurses – der Börsenwert des Konzerns hat sich seit der Ankündigung des Teilungsplans auf nur noch 7 Milliarden Euro halbiert – zwingt zum schnellen Handeln. Es muss Geld hereinkommen und neue Kursphantasie, damit der Konzern eine Zukunft behält. Manche haben sie auch schon: Der Thyssen-Aktienkurs ist infolge der Nachricht um 9 Prozent gestiegen im Handelsverlauf.

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