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Bayer und Monsanto : Die Risiken von Großfusionen

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Wie viel Selbstvertrauen haben Vorstandsvorsitzende? Werner Baumann (Bayer) und Hugh Grant (Monsanto) Bild: dpa

Bayer will Monsanto kaufen. Dabei gehen viele Fusionen schief. Forscher zeigen, wann Übernahmen gut gehen können.

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          Als eine der größten fehlgeschlagenen Fusionen kommt den meisten Menschen meistens die von Daimler und Chrysler in den Sinn. Heute weiß man, dass die „Hochzeit im Himmel“, wie der damalige Vorstandsvorsitzende Jürgen Schrempp den Zusammenschluss nannte, ein großer Fehler war und Milliarden vernichtet hat. Vor ein paar Tagen hat nun Bayer bekanntgegeben, das amerikanische Unternehmen Monsanto zu übernehmen und dafür 66 Milliarden Dollar zu bezahlen. Natürlich wird sich erst in ein paar Jahren herausstellen, ob die Idee von Bayer-Chef Werner Baumann eine gute war.

          Doch kann man nicht Schlüsse aus vergangenen Fusionen und Übernahmen ziehen? Forscher der Universität Berkeley haben etwa herausgefunden, dass sich die Aktienkurse von Gewinnern und Verlierern eines Bietergefechts oder Verhandlungen vor einer Fusion ähnlich entwickeln. Danach entwickelt sich der Aktienkurs des Gewinners aber 24 Prozent schlechter als der des Verlierers, der nicht zum Zug kam. Untersucht wurden alle Fusionen seit dem Jahr 1985 in denen es mindestens zwei Bieter gab.

          Branche spielt keine Rolle für Erfolgsaussichten

          Die Unternehmensberatung BCG hat ermittelt, dass 53 Prozent und damit gut jede zweite Übernahme Wert vernichtet. Die Untersuchung über die vergangenen 25 Jahre hat ergeben, dass vor allem einmalige Übernahmen häufig scheitern. Wer häufiger Unternehmen übernimmt, hat mit der Integration der Zukäufe Erfahrung und weist für das fusionierte Unternehmen höhere Renditen aus.

          Eine Studie von Lars Schweizer, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Goethe-Universität in Frankfurt, zeigt, dass, je nach wissenschaftlichem Ansatz, zwischen 40 und 70 Prozent der Übernahmen scheitern. Vor allem grenzüberschreitende  Akquisitionen seien wegen der größeren Distanz und kultureller Unterschiede schwierig zu bewältigen, hebt Schweizer hervor, dessen Forschungsschwerpunkte Unternehmensfusionen und -übernahmen, also M&A-Prozesse, sind.

          Die Übernahme kleinerer Firmen hingegen gehe in der Regel einfacher vonstatten, weil sie für gewöhnlich weniger komplex seien. Dagegen spielt die Branche seiner Studie zufolge keine Rolle bei den Erfolgsaussichten für eine Akquisition.

          Welche Rolle spielt Verhalten des Vorstandsvorsitzenden?

          Eine Analyse des Beratungsunternehmens AT Kearney zeigt außerdem: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind die Chancen für eine erfolgreiche Übernahme am größten. Unter anderem deshalb, weil die Bereitschaft sich zu verändern in der Krise größer sei. Die Aktienkurse der Firmen entwickelten sich um 15 bis 20 Prozent besser als bei Unternehmen, die in konjunkturellen guten Zeiten kauften.

          Eine wichtige Frage bleibt: Welche Rolle spielt das Verhalten des Vorstandsvorsitzenden bei einer Fusion? Andere Forscher der Universität Berkeley haben in einer Studie herausgefunden: Chefs mit zu viel Selbstvertrauen, gemessen dadurch, wie stark sie in ihre Firma investiert sind und wie sie in der Presse wahrgenommen werden, überschätzen ihre Fähigkeit Einnahmen und Gewinne zu erzielen. In Folge dessen zahlen sie mehr für die Firmen, die sie übernehmen wollen und vollziehen Fusionen, die Werte zerstören.

          Die Wahrscheinlichkeit ist 65 Prozent höher eine Fusion zu vollziehen, wenn der Vorstandsvorsitzende seine Fähigkeiten überaus hoch einschätzt. Der Effekt ist am stärksten, wenn die Fusion das Geschäft der Firma diversifiziert und keine externe Finanzierung nötig ist. Auch die Marktreaktion ist deutlich negativer, wenn ein äußerst selbstbewusster Chef eine Fusion vollzieht, als für einen normalen.

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