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Berliner Start-up : Die soziale Flasche

Sebastian Stricker, Gründer des Start-up-Unternehmens Share Foods GmbH, hält eine Flasche Share-Mineralwasser. Bild: dpa

Ein Berliner Start-up möchte mit Recyclingflaschen zweifach Gutes tun – für die Umwelt und für die Wasserversorgung in Afrika. Mächtige Partner für Share gibt es schon.

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          Die Startbedingungen scheinen ideal zu sein für das Sozialunternehmen Share. Seit Monaten gibt es eine Debatte darüber, welchen Schaden Plastik an der Umwelt verursacht. Supermarktketten wie Aldi und Rewe denken darüber nach, wie sie Verpackungen reduzieren können. Share möchte dazu beitragen, dieses Ziel zu erreichen. Die Idee des Berliner Start-ups: Für alkoholfreie Getränke in Einweg-Plastikflaschen will es eine Alternative für diejenigen bieten, die hohe Qualität und soziale Verantwortung miteinander verbinden wollen.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Von diesem Montag an ist das in Recycling-Plastikflaschen abgefüllte Wasser von Share in den Drogeriemärkten von dm und den Filialen der Supermarktkette Rewe zu kaufen. „Die Verbraucher fordern unternehmerische Verantwortung ein“, sagt Share-Mitgründer und -Geschäftsführer Sebastian Stricker der F.A.Z. „Ethischer Konsum wächst stärker als jede andere Kategorie.“ Der Konsument soll sich mit dem neuen Produkt besser fühlen, weil mit jeder Flasche für Menschen in ärmeren Ländern eine ebenso große Menge Wasser finanziert wird.

          „Wir haben uns gefragt, wie wir als Unternehmen Hilfsprogramme realisieren können, wie sie die Vereinten Nationen machen“, sagt Stricker. Er ist 35 Jahre alt, hat für die Strategieberatung Boston Consulting genauso wie für die UN und die Bill-Clinton-Stiftung gearbeitet. Sein Studium der Politischen Ökonomie hat er mit einer Arbeit über Klimapolitik abgeschlossen.

          „Jeder weiß, dass Mehrfachverwertung das Gebot ist“

          Der Anteil, mit dem das Unternehmen das soziale Engagement finanziert, verteure das Produkt zwar, aber nicht auf das Doppelte. „Viele Wettbewerber müssen Geld ins Marketing stecken. Wenn eine Flasche einen Euro kostet, müssen sie das erklären“, sagt er. Share gebe für Marketing kaum etwas aus und verlange einen höheren Preis, um die Versorgung zum Beispiel im Senegal oder in Ruanda zu finanzieren.

          Für keinen der Partner sei es einfach gewesen, mit Share zu kooperieren. Der Eigentümer der Wasserquelle im Allgäu habe nicht auf einer Kredithistorie oder dem Nachweis von Eigenkapital bestanden. Trotzdem ging er finanziell in Vorleistung, weil ihn die Idee begeistert habe, und garantiert sei, dass das Produkt tauglich für Babynahrung sei.

          Auch die beiden Handelsketten seien bereit gewesen, weil ihnen an Nachhaltigkeit gelegen sei. Und die UN, die als Partner die Lebensmittelverteilung übernehmen, hätten Share zunächst einer Prüfung unterzogen. „Das war ein Test auf Herz und Nieren. Es darf nicht nur der Verdacht aufkommen, dass etwas schiefläuft“, sagt er. Doch warum greift er ausgerechnet im Segment für Einwegflaschen an? „Die Realität ist leider, dass 77 Prozent des Marktes für alkoholfreie Getränke Einweg-Plastik sind“, sagt er.

          Das Umweltbundesamt habe in einer Studie nicht eindeutig nachweisen können, welche Variante die beste Ökobilanz ausweise. Eins sei klargeworden: Glasflaschen seien durch den aufwendigen Transport- und Recyclingprozess ungünstiger. Doch auch der Plastikeinsatz lasse sich optimieren. „Jeder weiß, dass Mehrfachverwertung das Gebot ist. Es hat keinen Sinn, neues Material zu produzieren“, sagt er.

          Das Recyclat, also der Plastikgrundstoff, den Share verwendet, stammt ausschließlich aus zuvor verwendeten Flaschen. Das mache eine innovative Sortierung erforderlich. „Ich wähle das Plastik aus, von dem ich weiß, dass es mir chemische Verfahren erleichtert“, sagt er. Damit das wiederverwertete Plastik dann auch ästhetisch ansprechend wirke, müsse sein 30 Mitarbeiter starkes Unternehmen investieren. Ihre Partner in Handel und in der Entwicklungspolitik konnten Stricker und seine Mitstreiter überzeugen. Nun wartet das Unternehmen darauf, was die Kunden sagen.

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