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Purdue beantragt Insolvenz : Die Opioid-Abrechnung

Starke Wirkung, hohe Suchtgefahr: Oxycontin-Tabletten Bild: AP

Der Pharma-Konzern Purdue hat das Schmerzmittel Oxycontin einst aggressiv in den Markt gedrückt und die Suchtgefahr aus Sicht der Kritiker bewusst verharmlost. Die Insolvenz des Unternehmens ist dafür nun eine späte Abrechnung.

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          Insolvenzen sind in Amerika oft nicht das Ende für ein Unternehmen, sondern ein Neubeginn, zumeist in deutlich verschlankter Gestalt. Das Gläubigerschutzverfahren von Purdue Pharma dürfte ein etwas anderer Fall sein. Das Unternehmen, dessen Schmerzmittel Oxycontin nach Ansicht von Kritikern maßgeblich zur aktuellen Opioid-Krise in Amerika beigetragen hat, soll in seiner heutigen Form verschwinden und als eine Art Stiftung wiederauferstehen, die zwar weiter Arzneimittel vertreibt, dabei aber vor allem den Zweck verfolgt, bei der Bewältigung der Epidemie zu helfen.

          Die Insolvenz ist ein Zugeständnis, mit dem Purdue hofft, mehrere tausend Klagen rund um Oxycontin beizulegen. In gewisser Weise setzt das Unternehmen damit aber einen schon länger dauernden Niedergang fort, denn es ist in den vergangenen Jahren erheblich geschrumpft und hat heute im Geschäft mit opioidhaltigen Schmerzmitteln nur noch einen sehr geringen Marktanteil. Die meisten Fälle einer Opioid-Überdosis in Amerika gehen heute auch nicht mehr auf Schmerzmittel zurück, sondern auf andere Substanzen wie Heroin oder Fentanyl.

          Aber Kritiker sehen es als die Wurzel allen Übels, dass Purdue einst Oxycontin aggressiv in den Markt gedrückt und die Suchtgefahr bewusst verharmlost hat. Die Insolvenz ist dafür nun eine späte Abrechnung.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

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