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Cryans Deutsche-Bank-Strategie : „Wir haben lausige Systeme“

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„Wir müssen einfach besser werden“: John Cryan am Donnerstag in Frankfurt. Bild: Helmut Fricke

Harte Einschnitte, in fast akzentfreiem Deutsch verkündet: Der Brite John Cryan muss als Neuer an der Spitze der Deutschen Bank seine Strategie verkaufen. Warum seine Aufräumarbeiten gerade erst begonnen haben.

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          Das ist er also, der Retter der Deutschen Bank: Um Punkt 9 Uhr tritt John Cryan ins Blitzlichtgewitter. Endlich, fast vier Monate nach seinem Antritt als Ko-Chef zeigt sich der neue starke Mann des größten deutschen Geldhauses in der Öffentlichkeit. Er habe viel zu tun gehabt in den vergangenen Monaten, entschuldigt sich der Brite wenig später in fast akzentfreiem Deutsch. Nach einem Monat harter Entscheidungen wird am Donnerstag in Frankfurt klar: Die Aufräumarbeit hat erst begonnen.

          Mit weicher Stimme, aber doch bestimmt trägt der 54-Jährige seine Agenda vor: „Wir müssen einfach besser werden.“ Weniger Personal, weniger riskante Geschäfte, weniger Auslandsmärkte - Cryan verordnet dem deutschen Branchenprimus einen harten Sparkurs. Allein im Konzern fallen 9000 Stellen weg, fast die Hälfte davon in Deutschland.

          Cryan gibt sich nüchtern, betont aber auch: „Mir ist sehr bewusst, dass dies 9000 Schicksale sind, hinten denen Menschen und Familien stehen.“ In den nächsten Jahren steht für Deutschlands größtes Geldhaus Sparen ganz oben auf der Agenda. Die ehrgeizigen Pläne seines Vorgängers Anshu Jain, der die Deutsche Bank vor allem im Investmentbanking in der Weltspitze gesehen hat, hat Cryan erst einmal begraben. Es gehe nun darum, nachhaltig Gewinn zu erwirtschaften und das ramponierte Verhältnis zu den Aufsehern zu reparieren, betonte der Brite. „Die Deutsche Bank hat kein Strategieproblem. Wir wissen sehr genau, wohin wir wollen.“ Es hapere an der Umsetzung. „In den vergangenen zwei Jahrzehnten sind zahlreiche Strategien und Ziele verkündet worden, aber selten wurden sie konsequent realisiert“, geht Cryan mit seinen Vorgängern ins Gericht.

          Und noch eines ist ihm nach der Skandalserie der vergangenen Jahre ganz wichtig: „Für Fehlverhalten gibt es keinerlei Entschuldigung. Wir werden angemessene Konsequenzen ziehen. Das gilt über alle Hierarchiestufen hinweg.“ Moralisches Verhalten vorzuleben sei „eine Kernaufgabe des Vorstands“, doziert Cryan.

          Noch-Ko-Chef Jürgen Fitschen nickt zustimmend. Der Niedersachse hatte sich schon seit Mitte 2012 in der Doppelspitze mit Anshu Jain bemüht, das ramponierte Image der Bank durch einen „Kulturwandel“ zu verbessern. „Es war nicht genug“, räumt Fitschen nun ein. Jain wurde Anfang Juli abgelöst, Fitschen darf noch bis zur Hauptversammlung Mitte Mai 2016 weitermachen.

          Die Linie geben jetzt andere vor

          „Jürgen und ich sehen es als unsere Aufgabe an, gemeinsam mit einem unbelasteten Vorstand die Bank wieder auf ihre Tugenden zu besinnen und nachhaltig Gewinn zu erwirtschaften“, sagt Cryan. „Es gab ein großes Gefälle zwischen den Botschaften nach außen und dem Gefühl innerhalb der Bank.“ Fitschen sitzt auf dem Podium zentral in der Mitte. Doch die Linie geben inzwischen andere vor: Neben Cryan zieht Finanzchef Marcus Schenck die Strippen, der sich schon bei der amerikanischen Großbank Goldman Sachs und beim Energieriesen Eon Sporen verdient hat. Auch der neue Privatkundenvorstand Christian Sewing, der einst der bei der Deutschen Bank in Bielefeld lernte, spielt nun eine zentrale Rolle.

          Über die Sparvorgaben des neuen Managements herrscht seit Donnerstag mehr Klarheit. Weniger klar ist dagegen, wie die Bank angesichts immer strengerer Kapitalvorgaben der Regulierer künftig Geld verdienen will. „Die große Frage ist, ob Ertragssteigerungen auf Sicht der nächsten Jahre nach drastischem Asset-Abbau und Kosteneinsparungen überhaupt noch darstellbar sind“, kommentiert Helmut Hipper, Fondsmanager bei Union Investment. „Darauf gibt es noch keine Antwort, daher die Skepsis am Kapitalmarkt.“

          Die Deutsche Bank setzt auf mehr Geschäft mit Superreichen und vor allem Unternehmenskunden. Schließlich sei die Bank vor fast 150 Jahren gegründet worden, um Firmen im internationalen Geschäft zu helfen, erinnerte Cryan. Trotz der tiefgreifenden Einschnitte setzt Cryan auf eine Wechselstimmung in der Belegschaft: „Wir haben lausige, schrecklich ineffiziente Systeme. Aber unsere Leute machen das mehr als wett.“ Gänzlich unbelastet geht auch Cryan die Neuausrichtung nicht an: Als Mitglied des Aufsichtsrates wachte er von 2013 an mit über die Geschäfte der Bank - und muss sich darum fragen lassen, warum er nicht früher eingegriffen hat. Er habe durchaus Hinweise gegeben, antwortet Cryan darauf, allerdings hätten die Regulatoren in der Zwischenzeit die Zügel auch nochmals angezogen.

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