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HeidelbergCement : Die nächste Milliardenfusion in der Zementindustrie

  • Aktualisiert am

Transportband mit Zementsäcken im Stammwerk von HeidelbergCement in Leimen. Bild: dpa

Nach der Fusion des Schweizer Zementkonzerns Holcim mit dem französischen Rivalen Lafarge steht die nächste Übernahme in der Branche an. Deutschlands größter Zementhersteller HeidelbergCement greift nach Italcementi.

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          Deutschlands größter Zementhersteller HeidelbergCement greift nach dem italienischen Rivalen Italcementi und will damit den Rückstand auf den neuen Branchengiganten LafargeHolcim wieder verkürzen. HeidelbergCement bietet 3,7 Milliarden Euro für Italcementi, die Nummer fünf in der Zementbranche weltweit, wie das Unternehmen am Dienstagabend in Heidelberg mitteilte. "Kein anderes Unternehmen der Branche ergänzt unser operatives Geschäft so gut wie Italcementi", sagte Vorstandschef Bernd Scheifele. "Das ist der richtige Deal zur richtigen Zeit."

          Mit dem wichtigsten Aktionär der Italiener, der Italmobiliare -Holding der Familie Pesenti, ist man sich bereits einig. Sie soll knapp die Hälfte des Preises für ihre 45-Prozent-Beteiligung in Aktien bekommen und dadurch mit bis zu 5,3 Prozent zweitgrößter Aktionär von HeidelbergCement werden.

          Mit Italcementi greift HeidelbergCement zum ersten Mal seit der Finanzkrise auf dem Zementmarkt wieder groß an. Die vor kurzem vollzogene Elefantenhochzeit von Holcim aus der Schweiz mit der französischen Lafarge zu LafargeHolcim hatte die Branche unter Zugzwang gesetzt.

          Größte Übernahme in Deutschland in diesem Jahr

          Einschließlich Schulden müsste der Heidelberger Konzern 6,7 Milliarden Euro für Italcementi in die Hand nehmen. Das wäre die mit Abstand größte Übernahme, die ein deutsches Unternehmen in diesem Jahr stemmt. Mit dem Kauf könnte HeidelbergCement seine Position als weltweite Nummer zwei bei Zement festigen und bei Zuschlagstoffen wie Sand, Kies und Schotter sogar den größeren Konkurrenten überholen. Mit 46 Werken und einer Kapazität von 71 Millionen Tonnen pro Jahr ist die 151 Jahre alte Italcementi die Nummer fünf auf dem Zementmarkt.

          Mit der Übernahme setzt Scheifele voll auf eine Erholung der Baukonjunktur in Südeuropa. Die in Italien, Frankreich und in Spanien starke Italcementi hat jahrelang Verluste geschrieben und eine harte Sanierung hinter sich. Für dieses Jahr erwartet Italcementi zum ersten Mal auch unter dem Strich wieder einen Gewinn, operativ (Ebitda) soll er bei 850 Millionen Euro liegen.

          2014 erwirtschafteten die Italiener mit einem Umsatz von 4,1 Milliarden Euro ein Ebitda von 649 Millionen. "Italcementi hat seine Hausaufgaben gemacht", sagte Scheifele. Ein Anstieg des Ebitda auf eine Milliarde Euro sei bis 2017 realistisch, wenn der Zementmarkt in Südeuropa nicht unerwartet wieder einbräche, sagte Finanzvorstand Lorenz Näger.

          Für den fusionierten Konzern rechnet er bis 2019 mit einem Umsatz von 20 Milliarden Euro, drei Milliarden mehr als bisher geplant. Der operative Gewinn soll bis dahin auf fünf statt auf vier Milliarden Euro steigen. Die Aktionäre müssten bei der Dividende keine Abstriche machen.

          Vor der Übernahme müssen aber die Kartellbehörden dem Einstieg von HeidelbergCement zustimmen. Das kann sich ziehen. Mit einem öffentlichen Angebot an die restlichen Italcementi-Aktionäre sei daher erst im zweiten Halbjahr 2016 zu rechnen, sagte Scheifele. Die Offerte an Italmobiliare - und später an die übrigen Aktionäre - liegt mit 10,60 Euro um 61 Prozent über dem Schlusskurs vom Dienstag. Ein Werk in Belgien und zwei in den USA - in Virginia und Indiana - müsse der Konzern nach der Fusion auf jeden Fall verkaufen.

          Sieben magere Jahre

          Sieben Jahre hatte bei HeidelbergCement der Verkauf von Firmenteilen im Vordergrund gestanden, um den Schuldenberg zu reduzieren, der mit der Übernahme der britischen Hanson auf 14 Milliarden Euro gewachsen war und HeidelbergCement an seine finanziellen Grenzen gebracht hatte. Inzwischen sieht Scheifele aber wieder Spielraum: Sparen habe nicht mehr oberste Priorität, hatte er kürzlich deutlich gemacht. Auch mit Italcementi soll die zuletzt auf das 5,7 Milliarden Euro gesunkene Verschuldung Ende 2016 wieder bei maximal acht Milliarden Euro liegen. "Das finanzielle Risiko ist sehr niedrig", betonte Scheifele.

          Der Verkauf der drei Werke und die Abgabe von Randgeschäften in Italien an Italmobiliare sollen allein eine Milliarde Euro in die Kasse spülen. Zudem erwarte HeidelbergCement bis 2018 Synergieeffekte von 175 Millionen Euro. Mit der Übernahme könne der Konzern auch seine Investitionen und seine Kapitalbindung deutlich drosseln: in diesem und im nächsten Jahr zusammen um 750 Millionen Euro.

          Von April bis Juni hat HeidelbergCement Gewinn und Umsatz kräftig gesteigert, ist operativ aber hinter den Erwartungen der Analysten zurückgeblieben. "Wir hatten ein sehr gutes Quartal", sagte Scheifele. Der Umsatz legte den bereits am Dienstagabend vorgelegten Zahlen um gut ein Zehntel auf 3,6 Milliarden Euro zu, das operative Ergebnis vor Abschreibungen um 15 Prozent auf 752 Millionen. Der Nettogewinn kletterte um elf Prozent auf 322 Millionen Euro.

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