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Internetunternehmen : Die Moral der Netz-Beherrscher

Das Bild des Napalm-Mädchens aus Vietnam hat Facebook gelöscht, sonst schaut der Konzern gerne weg. Bild: AP

Facebook, Twitter oder Google werden immer mächtiger. Doch mit ihrer Verantwortung ist es nicht weit her: Pöbeleien und Gewaltandrohungen werden toleriert, woanders wird munter zensiert. Jetzt wird die Kritik lauter.

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          Die Brandstifter sind in Zündellaune: Karina S. fordert für eine syrische Familie „benzin drüber und anzünden allesamt!“. Eine Frau Möller stört sich an dem „Refugees Welcome“-Tattoo einer Aktivistin und kommentiert unter ein Foto: „Gelyncht gehört das Vieh!“, garniert mit einem nicht zitierbaren Vergewaltigungswunsch, gerichtet an eine Person, die sie persönlich nie zuvor gesehen hat. Zu finden sind diese Aussagen auf Facebook, nicht in einer geschlossenen Gruppe, sondern öffentlich gepostet. Jeder kann das sehen, genauso wie Enthauptungsfotos von Terroristen oder andere islamistische Propaganda, die von Sympathisanten verbreitet wird. Doch da hört der Hass nicht auf: Einzelne Personen werden konkret bedroht, Fotos vom Wohnort hochgeladen.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Das ist Alltag, immer wieder beschweren sich Nutzer von Facebook oder dem Kurznachrichtendienst Twitter, dass sie tyrannisiert, beleidigt oder bedroht werden. Doch zu häufig passiert: nichts. Nutzer melden Hasskommentare und bekommen von Facebook oder Twitter die Antwort, dass die beanstandeten Beiträge nicht gegen die „Communitystandards“ der Unternehmen verstoßen würden. Dafür verschwand kürzlich ein ikonisches Kriegsfoto gleich mehrfach von dänischen Facebook-Profilen: Nick Uts Aufnahme von schreienden und weinenden Kindern, die vor Napalm-Bomben flüchten. Der Fotograf hatte es im Vietnam-Krieg aufgenommen, 1972. Weil Phan Thi Kim Phúc, das Mädchen in der Bildmitte, nackt zu sehen ist, hatte Facebook das Bild gelöscht. Erst nach Protesten, die rund um die Welt gingen, teilte das Unternehmen mit: „Wir erkennen die ikonische Wirkung dieses Fotos an und werden unsere Regeln entsprechend anpassen.“ Auf Twitter wurde die amerikanische Schauspielerin Leslie

          Sich selbst räumt Facebook ungeheure Freiheiten ein

          Jones tagelang beleidigt, doch erst nach aufflammendem Protest anderer Nutzer und Berichten darüber versprach Twitter-Chef Jack Dorsey, sich darum zu kümmern. Wenn ein Imageschaden droht, greift sogar der Chef ein. Wenn die Beleidigungen keine hohen Wellen schlagen, können Nutzer froh sein, wenn sie eine Antwort bekommen. Jones half ihr Prominenten-Bonus, schon häufig musste man Berichte von weniger bekannten Nutzern lesen, die ihre Twitter-Profile irgendwann gelöscht haben, weil sie der Hasskommentare nicht mehr Herr wurden.

          Das Wegschauen der großen amerikanischen Internetunternehmen wie Facebook, Google, Twitter oder Apple, wenn es um gesellschaftliche Verantwortung geht, ist bemerkenswert. Denn nach außen vertreten sie den Anspruch, die Welt verbessern zu wollen. Mark Zuckerberg, spendabler Gründer des Sozialen Netzwerks Facebook, möchte alle Menschen auf der Welt mit dem Internet verbinden, um ihnen „eine Stimme zu geben“. Freilich sollen diese Stimmen vor allem auf seiner Plattform sprechen, Facebook tut alles dafür, damit die mehr als 1,7 Milliarden Nutzer rund um die Welt so viel Zeit wie möglich dort verbringen. In der idealen Facebook-Welt schreibt der Nutzer Nachrichten über den Messenger oder Whatsapp, lädt Fotos auf Instagram und liest Nachrichten im Netzwerk - und verlässt den Kosmos des Konzerns dabei nicht ein einziges Mal. Möglichst frei soll der Nutzer dabei sprechen - damit er viel und dauernd spricht. Nationale Gesetze wie das Verbot der Holocaust-Leugnung kann Facebook gerade so noch akzeptieren, sonst gilt das Kantsche Prinzip „Die Freiheit des einen endet dort, wo die des anderen beginnt“ für Facebook nicht.

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