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VW-Hauptversammlung : Wer hinter Volkswagen wirklich steckt

Käfer-Konstrukteur Ferdinand Porsche Bild: dpa

Sie sind Pädagogen, Diamantenhändler und Journalisten: Die Mitglieder der Volkswagen-Familien Porsche und Piëch interessieren sich längst nicht nur für Autos. Heute aber sollten sie: Es ist Hauptversammlung.

          Die Kaiserin Elisabeth legt pünktlich um 11.30 Uhr von der Esplanade in Zell am See zur ersten Panoramafahrt des Tages ab. 13,50 Euro kostet das Vergnügen, das nostalgische Erinnerungen an Sissi wecken soll, und bei gutem Wetter ist der Ausblick grandios. Die Spitze des Großglockners kann man vom See aus sehen, das Kitzsteinhorn und natürlich die Schmittenhöhe, den Zeller Hausberg. Der Alltag scheint weit entfernt. Doch während die betagte Kaiserin Elisabeth mit ihren Ausflugsfahrten halbwegs zuverlässig und skandalfrei ihren Eigentümern Geld in die Tasche spült, tobt in Hannover, auf der Hauptversammlung der Volkswagen AG, gleichzeitig der Kampf um die Zukunft des von der Dieselaffäre schwer gebeutelten Autokonzerns. Das eine hat mit dem anderen viel zu tun: Sowohl bei der Volkswagen AG wie auch bei der Schmittenhöhebahn AG haben die Familien Porsche und Piëch das Sagen.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Das Vermögen des Clans mag im Volkswagen-Konzern stecken, doch das Leben vieler Familienmitglieder spielt hier in Österreich, in Zell am See und drum herum. Erlhof und Peilgut, Areit-alm und Porschealm, Flugplatz und Bergbahnen und das in ein Hotel umgewandelte Schloss Prielau am Nordufer des Sees: Die Einheimischen wissen sehr wohl, was in der Region der Familie zuzurechnen ist, zumal der Prominenteste unter ihnen, Wolfgang Porsche, jeden Herbst beim Almabtrieb seiner 200 Rinder mit dabei ist. Dem Sprecher der Porsche-Familie gehört das Schüttgut, jener 600 Jahre alte Bauernhof, den die Familie im Zweiten Weltkrieg als Zufluchtsort gewählt hat. Auf dem Schüttgut haben Wolfgang Porsche und sein Cousin Ferdinand Piëch, der bis im vorigen Jahr als VW-Patriarch im Scheinwerferlicht stand, schon als kleine Jungs zusammen gespielt – und gestritten.

          Facharzt für Neurologie in Salzburg

          Außer den scheinbar ewig zerstrittenen Cousins ist noch nie einer aus dem Clan so richtig ins Blickfeld der Öffentlichkeit geraten. Viele von ihnen schweigen beharrlich, allen voran Ferdinand Oliver Porsche, der als Einziger aus der Urenkel-Generation des Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche schon seit einigen Jahren machtvolle Posten im Volkswagen-Konzern hat. Der 55 Jahre alte Jurist und Wirtschaftsprüfer ist Vorsitzender des mächtigen Prüfungsausschusses im Volkswagen-Aufsichtsrat. Er sitzt zudem im Aufsichtsrat der Porsche Automobil Holding SE in Stuttgart, die quasi als zentraler Vermögensverwalter des Clans fungiert. Zwar ist die Hälfte des Kapitals im Streubesitz, die Stimmen aber liegen alle bei den Porsches und Piëchs. Wer genau wie viel besitzt, ist ein großes Geheimnis. Ferdinand Porsche hatte zwei Kinder und acht Enkel, und schon in dieser dritten Generation wird es unübersichtlich. Hier gab einer nichts auf die Dynastie und verkaufte seine Anteile, dort spannte der andere seinem Cousin die Frau aus und schwängerte sie. Die vierte Generation hat 34 Mitglieder. Die Älteste, Louise Kiesling, wird im kommenden Jahr schon 60, und die Jüngste, Diana Porsche, ist noch nicht einmal 20 Jahre alt.

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