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Essen zuhause und im Büro : Salat ist das neue Fastfood

  • -Aktualisiert am

Im Revier wendet sich das Blatt: Die Belegschaft von Pottsalat hat alle Hände voll zu tun. Bild: Privat

Gerichte mit Edamame und Süßkartoffelspiralen statt Pizza und Burger: Die Lieferung von gesundem Essen liegt im Trend. Davon profitieren drei junge Unternehmen.

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          Die Pottsalat GmbH, die Pia Gerigk, Alexandra Künne und Ben Küstner 2017 in Essen gegründet haben, liefert Salate und Bowls. „Bowls zeichnen sich im Gegensatz zu Salaten durch eine Basis wie Reis, Quinoa, Nudeln oder Blumenkohlreis aus“, erklärt Küstner. Man hat eine Filiale in Essen und eine in Dortmund. Auf die Geschäftsidee kamen sie, als ihnen auffiel, wie schwer es ist, sich am Arbeitsplatz gesund zu ernähren. Zu der Zeit ihrer Gründung nahm das Thema Essenslieferungen gerade Fahrt auf.

          Sie entschieden sich für ein „Lean-Start-up“, ein Konzept aus dem Silicon Valley. „Statt sehr viel Zeit und Geld in die Vorentwicklung eines Produktes zu stecken, was am Ende vielleicht niemand haben möchte, versucht man mit einem ,minimal lauffähigen Produkt‘, das im Detail noch nicht perfekt ist, so schnell und kostengünstig wie möglich die zentrale Grundfrage, auf der eine Geschäftsidee beruht, zu beantworten“, erklärt Küstner. Ihre Frage war, ob Menschen online Salate bestellen wollen. Die Antwort war rasch klar: „Schon zwei Stunden nach unserer Gründung der Internetseite waren wir ausverkauft.“

          Man holte Geldgeber an Bord. Im Frühjahr dieses Jahres wurde dann bekannt, dass Dirk Schneider und Hans Christian Limmer für fast 2 Millionen Euro 30 Prozent an Pottsalat erworben haben. Die beiden haben die Bäckereikette Backwerk gegründet und sind Gesellschafter der Burgerrestaurantkette Hans im Glück. Inzwischen beschäftigt Pottsalat 170 Mitarbeiter.

          Mehr kleine Lieferungen

          Am liebsten stellten sich die Kunden auf der Internetseite ihr Gericht selbst zusammen, sagt Küstner. Die Konversationsrate, das Verhältnis der Personen, die kaufen, zur Zahl der Besucher der Internetseite, liege über 20 Prozent. Das sei deutlich mehr als der Durchschnittswert klassischer E-Commerce-Modelle. „Wir können unseren Onlineshop rein auf unsere Salate und Bowls perfektionieren, während Lieferando für alle möglichen Konzepte das Bestmögliche bauen muss“, sagt Küstner.

          „Seit dem ersten Lockdown im März 2020 sind die großen Bürobestellungen von 10 bis 20 Salaten schlagartig zurückgegangen. Nun kommt es zu mehr kleinen Bestellungen nach Hause“, berichtet Küstner. Der Durchschnittswert einer Lieferung habe 2020 rund 30 Euro betragen. Durchschnittlich kostet ein Gericht 10,20 Euro. Der Umsatz habe im Januar 340.000 Euro betragen; im vergangenen Jahr habe er sich gegenüber dem Vorjahr auf 2,5 Millionen Euro verdoppelt.

          „Falafel, Jackfruit, Tofu und ein Fleischersatz aus Erbsenprotein finden derzeit einen enormen Anklang“, sagt Küstner. Die Bowls haben Namen wie „Dieter Bowlen“ und „Costa Bowladis“. Die Musik von Costa Cordalis „läuft bei uns rauf und runter“, erzählt Küstner. Marketing sei ein Kampf um Aufmerksamkeit.

          Schalen aus Bagasse

          Die Salatkind GmbH aus Ingolstadt setzt auf ein ähnliches Konzept. Marcel Hagmann hat das Unternehmen 2009 gegründet. Mit Jörg Pfeiffer, dem anderen Geschäftsführer, habe er beschlossen, nach den beiden Filialen in Ingolstadt eine dritte in Köln zu eröffnen. Man bietet Break-Bowls an, die kleinere Variante der normalen Bowl, Ofenkartoffeln, die „Feldhelden“ heißen, und Salate, die im Durchschnitt rund 7 Euro kosten. Der vegane Bestseller heißt „Plant Power“. „Unser Hauptaugenmerk legen wir auf Firmenkunden“, erzählt Nadine Hagmann, Geschäftsführerin in Köln, wo man im Gewerbegebiet ansässig ist.

          Zu Beginn der Pandemie hatte man wegen des Homeoffices Umsatzeinbußen. Doch man erweiterte den Lieferservice auf Privathaushalte und fing die Rückgänge „grob“ auf. Laut Marcel Hagmann betrug der Umsatz in allen Filialen im vergangenen Jahr 2 Millionen Euro. Man beschäftige 32 Mitarbeiter und habe 2020 etwa 30.000 Produkte verkauft. Das jährliche Wachstum liege bei 15 bis 20 Prozent.

          Salatkind verwendet Trendzutaten wie Meeresspargel, Honey Pulled Chicken und ofengerösteten Balsamico-Rosenkohl. Sie wüssten, dass durch das To-go-Konzept viel Plastikmüll anfalle, sagt Nadine Hagmann. Daher haben sie die Salatschalen auf Bagasse umgestellt, ein Abfallprodukt der Zuckerrohrherstellung. Manche Kunden verwendeten nach Absprache die Schalen mehrmals. Sie waschen sie aus, und Salatkind desinfiziert sie.

          Das Auge isst mit

          Die Nährstoff-Reich GmbH wurde 2018 von Geschäftsführer Florian Klar gegründet. In zwei Filialen in Bochum verkauft man Bowls, Smoothies und Sandwiches und bietet auch Lieferungen an. Klar hatte zuvor mit einem Freund einen Onlineshop für Chiasamen, Hanfsamen und Magmapulver gegründet. Gesunde Ernährung werde meistens nicht positiv vermarktet, meint er. Ihr Essen nennen sie „Superfood“.

          Man habe 30 Produkte im Sortiment, die Bowls seien am beliebtesten. „Sobald ein Gericht in einer Bowlschale angerichtet wird, kann man es als Bowl bezeichnen.“ Nach Klars Angaben liegen derzeit Avocado, Edamame, Süßkartoffelspiralen, Wildkräutersalat und Blumenkohlreis im Trend.

          2020 habe man einen Umsatz von 500.000 Euro erzielt, 15 Prozent mehr als 2019. Das Unternehmen beschäftigt 30 Mitarbeiter. Man lege viel Wert auf Ästhetik. „Wir haben den Wandel von Social-Media-Plattformen wie Instagram verfolgt und sind der Meinung, dass das Auge mitisst und gut aussehendes Essen bei der Kundschaft gut ankommt“, berichtet Klar. Kernzielgruppe sind 18- bis 40-Jährige. Man beliefert auch die erste Mannschaft des Fußballvereins Vfl Bochum.

          Der Artikel stammt aus dem Schülerprojekt „Jugend und Wirtschaft“, das die F.A.Z. gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Banken veranstaltet.

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