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Nespresso : Nestlé muss im Kaffeegeschäft wach bleiben

Kaffeekapseln von Nespresso: Die Konkurrenz schließt zum Marktführer auf. Bild: dpa

Die Konkurrenz sitzt den Schweizern im Nacken. Im Eisgeschäft drohen einmalige Belastungen. Und an der Konzernspitze ist zu allem Überfluss die Nachfolge noch ungeklärt.

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          „2016 ist ein Jahr zum Feiern“, sagte Paul Bulcke, Vorstandsvorsitzender von Nestlé, bei der Bilanzvorlage am Donnerstag. Warum? In diesem Jahr feiert der größte Nahrungsmittelkonzern der Welt sein 150-jähriges Bestehen. Die Aktionäre indes gerieten am Donnerstag nicht in Feierlaune. Der Aktienkurs, der sich im bisherigen Jahresverlauf entgegen dem allgemeinen Abwärtstrend sehr gut geschlagen hatte, gab um gut 3 Prozent auf 71,50 Franken nach. Ausschlaggebend hierfür dürfte der Ausblick auf das laufende Jahr gewesen sein. Zum einen soll es offenbar weder ein neues Aktienrückkaufprogramm, noch eine Jubiläumsdividende geben. Zum anderen machte Bulcke klar, dass der Schweizer Konzern wohl abermals unterhalb seines Wachstumsziels landen wird, das da lautet, den Umsatz organisch Jahr für Jahr um 5 bis 6 Prozent zu erhöhen.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          2015 blieb Nestlé mit einem organischen Umsatzplus von 4,2 Prozent im dritten Jahr in Folge unterhalb dieses Korridors. Und für 2016 peilt Bulcke nur ein Wachstum in Vorjahreshöhe an, obwohl sich belastende Einmaleffekte wie der vorübergehende Verkaufsstopp für Maggi-Nudeln in Indien nicht wiederholen dürften.

          Bulcke, der für seine Arbeit im zurückliegenden Jahr mit 9,1 Millionen Franken entlohnt wurde, sprach vage von einem schwächeren Wachstumsumfeld und einem wachsenden Preisdruck. Dies betrifft auch das wichtige Kaffeegeschäft. Hier ist Nestlé mit Nescafé und Nespresso zwar Marktführer. Aber die Konkurrenz ist aggressiv und holt auf: Im Dezember kündigte die JAB Holding der deutschen Unternehmerfamilie Reimann an, für 13,9 Milliarden Dollar den Rivalen Keurig Green Mountain Coffee zu übernehmen. Bulcke zeigte sich alarmiert darüber, dass diese neue Nummer zwei am Kaffeemarkt nun zu Nestlé aufschließt. Aber zugleich gab er sich kämpferisch: „Wir wollen uns keine Knüppel in die Beine schmeißen lassen.“

          Es steht ein Wechsel an

          Im Premium-Geschäft mit Nespresso-Kapseln muss sich Nestlé nach dem Auslaufen von Patenten heute schon mit immer mehr Wettbewerbern herumschlagen. Dies dürfte die einst traumhaften Gewinnmargen inzwischen etwas geschmälert haben. Nestlé veröffentlicht nur sehr grob gefasste Segmentergebnisse. In der Sparte „Getränke in flüssiger und Pulverform“ sank die operative Marge 2015 um 2 Prozentpunkte auf 21 Prozent. Deutlich darunter dürfte die Gewinnspanne im Eisgeschäft (Schöller, Mövenpick) liegen, wo Nestlé ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem britischen Wettbewerber R&R auf die Beine stellen will.

          So sollen die Ergebnisse verbessert und der große Abstand zum Branchenführer Unilever (Langnese) verkürzt werden. Diese Transaktion, die im Laufe dieses Jahres abgeschlossen werden soll, kommt Nestlé aber zunächst teuer zu stehen. Wie es im Geschäftsbericht heißt, müssen Vermögenswerte und Verbindlichkeiten umgegliedert werden. Daraus könne geschätzt ein Verlust von 400 Millionen Franken erwachsen.

          Gemessen an den Ergebnissen im vergangenen Jahr kann Nestlé einen solchen Einschlag freilich locker verkraften. Der Konzern weist einen Reingewinn von 9,1 Milliarden Franken aus. Der deutlich höhere Vorjahreswert von 14,5 Milliarden Franken war durch Beteiligungsverkäufe überzeichnet. Die operative Umsatzrendite gab um 0,2 Prozentpunkte auf 15,1 Prozent nach. Damit blieb der Konzern leicht unterhalb der Markterwartungen. Zu dem Rückgang trug der starke Franken bei. Wechselkurseffekte drückten den Umsatz um 3 Prozent auf 88,8 Milliarden Franken nach unten.

          Im Herbst wird Nestlé einen Führungswechsel einleiten. Da der langjährige Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck im November 72 Jahre alt wird, darf er im kommenden Jahre nicht wiedergewählt werden. Viel spricht dafür, dass Paul Bulcke seine Position übernimmt. Der Belgier, der Nestlé seit April 2008 operativ führt, vollendet im September das 62. Lebensjahr. Und wer würde Bulcke dann an der Konzernspitze nachfolgen? Im Moment scheint es drei ernsthafte Kandidaten zu geben. Erstens: Laurent Freixe. Der 53 Jahre alte Franzose ist derzeit für das Geschäft in Amerika zuständig, wo es einiges aufzuräumen gibt. Zweitens: Der Amerikaner Chris Johnson, der gerade für effiziente Konzernstrukturen sorgt. Drittens: Die Amerikanerin Wan Ling Martello, die Nestlé im Moment in China wieder auf Kurs bringen soll.

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