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Internet-Telefonie : Immer Ärger mit dem neuen Telefonanschluss

Alt gegen Neu: Konzernchef Timotheus Höttges vergleicht die Telefontechnik von früher und heute. Bild: dpa

Schneller und einfacher - die Telekom stellt auf IP-Technik um. Aber die neue Telefonwelt hat Tücken, viele Kunden beschweren sich.

          Wenn Claudia Nemat die neue Netztechnik beschreibt, nutzt sie gern einen griffigen Vergleich: Für die Deutsche Telekom und ihre Kunden sei der Wechsel wie „die Umstellung von der Kutsche aufs Auto“. Und dann zählt die Managerin, die im Konzernvorstand für die Technik verantwortlich ist, die Vorteile auf. Komfortabler soll es werden, das Netz, schneller und einfacher. So mancher Telefonkunde der Telekom allerdings wünscht sich die gute alte Kutsche zurück: seinen bewährten ISDN-Anschluss. Seit mehr als einem Jahr läuft die Umstellung des Telefonnetzes auf Internettechnik, doch die Kinderkrankheiten sind noch nicht ausgestanden. Die Verbraucherzentralen berichten über eine Flut von Beschwerden, und auch bei der Bundesnetzagentur melden sich jeden Monat bis zu 300 verärgerte Kunden.

          Helmut  Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Dabei hatte die Telekom nach den Anlaufschwierigkeiten im vorigen Jahr ihre Mannschaft kräftig aufgestockt. Seitdem sind rund 2000 zusätzliche Mitarbeiter für die Umstellung im Einsatz. „Wenn es im Service klemmt, dann reagieren wir“, versicherte der Vorstandsvorsitzende Tim Höttges vor wenigen Wochen auf der Hauptversammlung in Köln. Vieles geht aber immer noch schief. So gab es Mitte April eine weitere große Störung, rund 200.000 Anschlüsse im Bundesgebiet waren nach Angaben der Bundesnetzagentur vorübergehend außer Betrieb.

          „Ausweislich der nach wie vor hohen Beschwerdezahlen bei der Bundesnetzagentur sind die Probleme bisher nicht vollumfänglich behoben“, heißt es einer Zwischenbilanz der Aufsichtsbehörde. Es ist ihr Auftrag, der Telekom genau auf die Finger zu schauen. Unabhängig von der Technik ist der Konzern verpflichtet, überall in Deutschland eine zuverlässig funktionierende Telefon-Grundversorgung bereitzustellen. „Wir stehen mit der Telekom im Gespräch, um uns einen genaueren Überblick über die Umstellung und die damit verbundenen Schwierigkeiten zu verschaffen“, sagte ein Sprecher.

          Das alte Telefonnetz wird 2018 abgeschaltet

          Viele Kunden seien technisch überfordert oder fühlten sich von der Telekom unter Handlungszwang gesetzt, berichtete Kathrin Körber von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Auch die Bundesnetzagentur mahnt die Telekom zu mehr Zurückhaltung. Callcenter der Telekom und die eingesetzten Subunternehmen übten zum Teil „unnötigen Druck auf die Endkunden“ aus, kritisiert die Behörde. Ihnen werde suggeriert, dass ein schneller Anschlusswechsel nicht mehr zu vermeiden sei; zudem versprächen Vertriebsmitarbeiter immer wieder, dass ein neuer Anschluss höhere Internetgeschwindigkeiten liefere, was vor allem im Download aber nicht automatisch der Fall sei.

          Auch die Gesprächsqualität ist ein immer wiederkehrendes Thema. Andere Kunden klagen darüber, dass Anrufer kein Besetztzeichen mehr bekommen oder Telefonate bei längeren Gesprächen abbrechen. Zusammen mit den Schwesterorganisationen in Bayern und Sachsen hat die Verbraucherzentrale Niedersachsen eine Online-Umfrage gestartet, um sich eine präziseres Bild zu verschaffen. Bis zum 10. Juli läuft die Erhebung noch. „Die Umstellung ist ein Mammutprojekt, aber es muss für die Verbraucher fair zugehen“, sagte Körber. Das alte Telefonnetz wird bis 2018 komplett abgeschaltet. Ebenso wie Texte, Daten oder Musik werden Sprachtelefonate in Internetsignale umgewandelt und als Datenpakete durch die Leitungen geschickt.

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