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Die Insolvenzen des Jahres : Wer 2010 unterging

Eingefroren: Das Karmann-Werk in Rheine wurde stillgelegt Bild: dpa

Ein beginnender Aufschwung fordert meist seinen Tribut in Form vieler Insolvenzen. Das war 2010 ganz anders: Die Insolvenzwelle ebbte schneller ab als erwartet; die Zahl der Insolvenzen sank um 2,5 Prozent. Dennoch wurden 32.000 Unternehmen von diesem Schicksal getroffen.

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          Seit 60 Jahren machen sie Marktforschung. Ihr eigenes Schicksal konnten sie nicht vorhersagen, die Marktforscher der Marplan Forschungsgesellschaft mbH in Offenbach. Ende September wurde das Insolvenzverfahren wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung eröffnet – wie bei weiteren 32 099 Unternehmen in diesem Jahr.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Aber dass kein Geld mehr da ist, wenn er gerufen wird, das kennt der Frankfurter Insolvenzverwalter Ottmar Hermann. So war es nicht nur bei Marplan. So war es ein Jahr zuvor auch bei dem Autohersteller und Automobilzulieferer Karmann in Osnabrück gewesen. Dort war es sogar noch schlimmer. Als Hermann aus seinem Portugalurlaub direkt nach Osnabrück kam, fand er ein insolventes Unternehmen vor, das viele Schulden und Mitarbeiter hatte, aber kein Vermögen und kein Bargeld. Das Vermögen, also alle Grundstücke und Maschinen, gehörte einer Besitzgesellschaft. Insolvent war die Betriebsgesellschaft. Aber Karmann nahm dennoch ein gutes Ende. Erst vor wenigen Wochen hat der finnische Auftragsfertiger Valmet Automotive die Dachsparte der insolventen Karmann-Gruppe übernommen. Das Dachgeschäft in Nordamerika war im Sommer an den Wettbewerber Webasto verkauft worden. Ein größerer Teil der Karmann-Beschäftigten hat durch das Engagement von Volkswagen eine neue Zukunft bekommen. Die Wolfsburger haben unter anderem schon die Anlagen für den Fahrzeugbau übernommen. Im kommenden Frühjahr werden sie in Osnabrück mit dem Bau des Golf Cabrio beginnen. Volkswagen will dort bis Ende 2011 mehr als 1800 Arbeitsplätze schaffen, sagte kürzlich der VW-Vorstandschef Martin Winterkorn.

          Es wäre dann ein gutes Ende einer Insolvenz. Dazu trägt auch die wieder anziehende Konjunktur bei. Sie hat in diesem Jahr die Zahl der Unternehmensinsolvenzen – im Gegensatz zu den Erwartungen und im Gegensatz zu Erfahrungen aus früheren Konjunkturverläufen – sinken lassen. Dass in diesem Jahr die Zahl der Unternehmensinsolvenzen um 2,5 Prozent zurückgegangen ist, liegt für Helmut Rödl, Mitglied des Gesamtvorstandes des Verbandes der Vereine Creditreform in Neuss, vor allem im V-förmigen Verlauf der Wirtschaftskrise begründet. Die Krise hatte keine lange Bodenbildung mit der entsprechenden Auszehrung der Finanzkraft. Kurzarbeit und andere Bereitstellungskosten mussten nur wenige Monate finanziert werden. Zudem haben in dieser Krise die Unternehmen stärker als sonst alle Liquiditätsreserven mobilisiert. Viele konnten sogar im Krisenjahr 2009 Schulden abtragen und ihre Eigenkapitalquote erhöhen. Denn zu geringes Eigenkapital ist nach wie vor der Hauptgrund für eine Insolvenz. 60 Prozent der Unternehmen hätten schon ein Jahr vor der Insolvenz kein Eigenkapital mehr gehabt, sagt Rödl.

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