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Modemarke : Die Escada-Pleite von Megha Mittal

  • -Aktualisiert am

Erfolglos in Aschheim: Megha Mittal (rechts) und ihr Mann Aditya während einer Modenschau von Escada. Bild: Jan Roeder

Zehn Jahre lang hat die indische Stahl-Dynastie Geld in die einstige Premium-Modemarke gesteckt – ohne Erfolg. Nun wird verkauft.

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          Mit der Übernahme der einst strahlenden Luxusmodemarke Escada durch den kalifornischen Finanzinvestoren Regent erfolgt eine weitere Zäsur in der vierzigjährigen, wechselvollen Geschichte des Unternehmens aus Aschheim bei München. Abermals führt der Weg nun in eine ungewisse Zukunft. Trotz jahrelanger Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe und hoher Finanzspritzen zur Existenzwahrung machte das Unternehmen weiter Verluste. Nun hat die in London residierende Eigentümerin Megha Mittal nach langer Suche über etliche Jahre einen Käufer gefunden. Im Jahr 2019 ist die Schwiegertochter des indischen Stahlunternehmers Lakshmi Mittal, der ihr Engagement tat- wie auch finanzkräftig unterstützt hat, damit eine große Last losgeworden.

          Mit Rita Ora gegen den Verfall

          Zehn Jahren zuvor hatte Mittal 60 Millionen Euro für die damals insolvente Modemarke bezahlt, deren Kleider bevorzugt von den Sternchen Hollywoods bei Oscar-Verleihungen über den roten Teppich getragen worden sind. Darunter die klangvollen Namen von Supermodels wie Claudia Schiffer, Linda Evangelista, Cindy Crawford oder Naomi Campbell. Seit damals dürfte Schätzungen zufolge noch einmal ein Mehrfaches des damaligen Kaufpreises in das Unternehmen gesteckt worden sein, um es wieder auf den Laufsteg der Hautevolee zurückzubringen – vergebens. In der Pressemitteilung zu der Transaktion werden jetzt, wenig überraschend, keine Angaben zum Kaufpreis gemacht. Für die 42 Jahre alte Megha Mittal wird es aber zweifellos ein Verlustgeschäft sein. Auch ein Verkauf zum symbolischen Preis wird nicht ausgeschlossen.

          Ebenso wenig gibt es Angaben über die Pläne von Regent. „Wir sind geehrt, auf der harten Arbeit von Megha Mittal und dem sehr talentierten Escada-Management-Team aufzubauen und zu neuen Höhen zu verhelfen“, heißt es nur lapidar in dem Pressetext. Die Beteiligungsgesellschaft aus Beverly Hills in direkter Nachbarschaft zur Hollywood-Promiwelt hofft wohl auf Strahlkraft und Bekanntheit der Marke. Deshalb wird in dem Pressetext auch die 40-Jahr-Feier des Unternehmens im noblen Park Avenue Armory der New York Fashion Week im vergangenen Jahr erwähnt; genauso, dass die britische Popikone Rita Ora in diesem Jahr das Gesicht der Marke ist. Von den sich häufenden Verlusten, von einer gescheiterten Neuausrichtung der Marke hin zu jüngeren, zahlungskräftigen Käufergruppen, von Stellenabbau, mehreren Chefwechseln oder mangelnden Design-Erfolgen ist dagegen keine Rede. Dabei ist das die traurige Realität von Escada.

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