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Luft- und Raumfahrt : Die EADS-Krise schwelt weiter

  • Aktualisiert am

Investoren drängen auf Rücktritt von EADS-Co-Chef Forgeard Bild: dpa

Die französische Börsenaufsicht AMF hat auch in der EADS-Zentrale ermittelt. An diesem Mittwoch muß der Co-Vorstandsvorsitzende Forgeard wegen des Verdachts auf Insiderhandel vor dem Parlament aussagen.

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          An diesem Mittwoch muß der Co-Vorstandsvorsitzende von EADS, Noel Forgeard, wegen des Verdachts auf Insiderhandel vor einem Ausschuß des französischen Parlaments aussagen. Damit erreicht die Krise infolge der Verspätungen für das Großraumflugzeug A380 ihren vorläufigen politischen Höhepunkt. Forgeard hat für sich und seine Kinder im März eigene EADS-Aktien verkauft und dabei einen Kursgewinn von 2,5 Millionen Euro erzielt. Nach eigenen Angaben hat er erst im April von den Verspätungen erfahren. Die Wertpapieraufsichtsbehörden in Frankreich und Deutschland ermitteln.

          Keine Lösung im Streit um Doppelspitze

          Unterdessen zeichnet sich im Ringen um eine strukturelle und personelle Neuordnung bei EADS noch keine Lösung ab. In Kreisen des Großaktionärs Daimler-Chrysler hieß es, daß Vorschläge der industriellen Aktionäre bei der französischen Regierung auf Zurückhaltung stießen. Unternehmenskenner vermuten, daß Daimler-Chrysler eine Abschaffung der Doppelspitze von EADS in Form der beiden Verwaltungsratsvorsitzenden Arnaud Lagardere und Manfred Bischoff sowie der Vorstandsvorsitzenden Forgeard und Thomas Enders befürworte. Anstelle dessen könnten ein einzelner französischer Verwaltungsratsvorsitzender sowie ein deutscher Vorstandsvorsitzender treten.

          In deutschen Kreisen gilt der französische Bahnchef Louis Gallois, der einst Aerospatiale führte, als willkommener Kandidat für die EADS-Spitze. Enders würde dann alleiniger Vorstandsvorsitzender. Dies setzte jedoch voraus, daß Lagardere und Bischoff ihren Verwaltungsratsvorsitz aufgeben, wozu der Franzose offenbar nicht bereit ist. Außerdem würden die Franzosen auch auf der Ebene von Airbus Konsequenzen fordern - was nur auf eine Ablösung von Airbus-Chef Gustav Humbert hinauslaufen könnte. Damit müßten auch die Karten an den Spitzen der anderen Tochtergesellschaften wie Eurocopter neu gemischt werden, heißt es in EADS-Kreisen.

          Franzosen fürchten um ihren Einfluß

          Zuletzt hat vor allem das französische Verteidigungsministerium auf die Gefahr eines französischen Einflußverlustes im Zuge einer EADS-Neuordnung hingewiesen; Ministerin Michele Alliot-Marie scheint für einen Erhalt des Status quo zu sein. Staatspräsident Jacques Chirac, der früher häufig Forgeard den Rücken stärkte, sagte im französischen Fernsehen, daß die Doppelstruktur bei EADS "ein Problem" sei. Auf die Frage, ob Forgeard zurücktreten müßte, sagte Chirac, er wolle nichts im Voraus beurteilen. Dennoch scheint eine rasche Entscheidung unwahrscheinlich. Finanzminister Thierry Breton, der am Wochenende noch großen Aktivismus zur Schau gestellt hatte, ließ nun mitteilen, daß er den industriellen EADS-Aktionären nichts vorschreiben wolle und könne.

          Die Tageszeitung "Le Monde" veröffentlichte das Protokoll einer Ausschußsitzung des EADS-Verwaltungsrates vom 12. Mai, das die Diskussion über das Ausmaß möglicher Verspätungen beim A380 widerspiegelt. Danach erweist sich vor allem EADS-Verwaltungsratsmitglied Gallois als hartnäckiger Fragesteller, dem die Bedeutung des Themas am meisten bewußt ist und der auf die Notwendigkeit einer korrekten Information der Anleger hinweist. Auch Forgeard gab zu Protokoll, daß er Airbus nach möglichen Verspätungen befragt habe, "aber keine klare Antwort erhielt". Airbus-Chef Humbert wurde daraufhin zu der Sitzung hinzugerufen. Er gab die Auskunft, daß das genaue Ausmaß der Verspätungen noch nicht absehbar sei. Es hänge unter anderem von Kabinentests auf Langstreckenflügen ab, die Airbus im August absolvieren werde. Darauf hin beschloß der Ausschuß des EADS-Verwaltungsrates, vorerst nicht über die Verspätungen zu informieren. Nach Aussage von Bischoff lägen nicht genügend Erkenntnisse über ihr Ausmaß vor. EADS informierte die Öffentlichkeit erst am 13. Juni.

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