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Heimwerkerkurse : Selbst ist die Frau

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In den Frauenkursen werden keine anderen Geräte und Materialien verwendet als in den gemischten Gruppen. Gleich sei auch der Schwierigkeitsgrad, sagt Fischborn. Frauen tendierten aber dazu, behutsamer an die Sache heranzugehen als Männer. Sie setzten Schwerpunkte in den Bereichen Umgang mit der Bohrmaschine und Strom. „Eine Lampe anzuschließen, das ist oft die größte Angst. Männer haben dies weniger, sie kommen eher mit konkreten Projekten, wofür sie eine Anleitung benötigen“, berichtet Fischborn.

Selbst Männer, die noch nie ein Loch in die Wand gebohrt hätten, nähmen oft mit großer Selbstverständlichkeit die Bohrmaschine in die Hand und „legen planlos los“. „Frauen hingegen sind häufig vorsichtiger, sie inspizieren, probieren und gehen behutsamer mit der Tätigkeit um, was bei dem weiblichen Geschlecht prozentual zu weniger Verletzungen führt“, sagt Fischborn. Grundsätzlich gehe es beiden Parteien um das Gleiche: selbst tätig zu werden und Geld zu sparen. Und es gehe um Verwirklichung.

Frauen wollen unabhängig werden

„Die Ziele beim Heimwerken sind bei beiden Geschlechtern gleichermaßen verteilt; allerdings sehen Männer dies eher noch als Hobby, während Frauen es sich als Ziel setzen, unabhängig zu werden“, erklärt Sylvia Adamec. Die gelernte Handwerkerin ist Trainerin der DIY Academy, vermarktet sich als „Frau vom Bau“ und ist bekannt für ihre Do-it-yourself-Projekte in der WDR-Sendung „Hier und heute“ und der Sat.1-Show „Mit Nagel und Köpfchen“. Frau vom Bau habe sie gegründet, um Frauen in ihrer Unabhängigkeit zu stärken, heißt es auf ihrer Homepage.

„Ich gebe Handwerkskurse für Frauen und halte Vorträge zum Thema ,Frauen in vermeintlichen Männerdomänen beziehungsweise Männerberufen‘.“ Adamec erzählt von einer „Women’s Night“, die im Auftrag von Bauhaus in pandemiefreien Zeiten regelmäßig stattfindet und sich stets enormer Beliebtheit erfreut habe. Während dieser Veranstaltungen seien ihr die Wucht und Größe des Heimwerkermarkts für Frauen bewusst geworden.

Adamec berichtet freilich auch von Hasskommentaren im Internet, die sie nach einer Sendung bekommt. Sie werde mit Hass konfrontiert, obwohl sie das Gleiche tue wie einer ihrer männlichen Kollegen, der bisher nur positiven Zuspruch erhalten habe. „Das Bild des Mannes als einziges für das Handwerken zugelassene Geschlecht ist leider noch fest in den Köpfen der meisten Menschen verankert“, sagt sie. Einmal habe ein Mann einen ihrer Kurse verlassen, als er zu der Erkenntnis gelangt sei, dass eine Frau als Trainerin fungiere. „Für mich ist das eine idealistische Angelegenheit, ich mache das aus Herzensgründen. Frauen sollen ebenso die Chance zum Heimwerken bekommen“, sagt Adamec. „Ich möchte, dass Menschen Fortschritte machen und glücklich auf ihr Ergebnis blicken können.“

Der Artikel stammt aus dem Schülerprojekt „Jugend und Wirtschaft“, das die F.A.Z. gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Banken veranstaltet.

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