https://www.faz.net/-gqe-897wg

F.A.Z. Exklusiv : Großfusion unter deutschen Krankenkassen

  • -Aktualisiert am

Barmer/GEK soll die Deutsche BKK übernehmen Bild: dpa

Die Deutsche BKK will sich von der Barmer/GEK übernehmen lassen. Im Gegensatz zu anderen Kassen sitzt sie nicht auf hohen Geldreserven und kann die niedrigen Mitgliedsbeiträge nicht halten.

          Fusionsfieber in der gesetzlichen Krankenversicherung: Die zweitgrößte Ersatzkasse, die Barmer/GEK, mit 8,5 Millionen Kunden will die zweitgrößte Betriebskrankenkasse, die Deutsche BKK, übernehmen. Die hat derzeit 1,1 Millionen Versicherte. Fusionstermin ist nach Informationen der F.A.Z. spätestes der 1. Januar 2017. Beide Verwaltungsräte sollen am Freitag das Verfahren klären und den Vorständen Arbeitsaufträge erteilen. Eine Absichtserklärung ist allerdings schon unterschrieben.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Während sich die Deutsche BKK überrascht zeigte, sagte der Sprecher der Barmer/GEK der F.A.Z.: „Wir reden mit der Deutschen BKK über mögliche Formen der Kooperation.“ Wohin dies führe, sei aber noch „völlig offen.“ In Kassenkreisen wird darauf hingewiesen, dass die finanzielle Lage der Deutschen BKK schon länger angespannt gewesen sei. Zwar erhebe sie – wie die Barmer/GEK – aus Angst vor Mitgliederverlusten keinen überdurchschnittlich hohen Zusatzbeitrag. Doch führe das bei beiden Kassen zu einem Fehlbetrag. Die Lage der BKK bleibe auch 2015 angespannt.

          Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) wird Ende des Monats den neuen, für 2016 geltenden durchschnittlichen Zusatzbeitrag bekannt geben. Der allein von den Versicherten zu tragende Betrag dürfte nach den Berechnungen und Beratungen des sogenannten Schätzerkreises um 0,2 Punkte auf dann 1,1 Beitragssatzpunkte zulegen. Er wird auf den zu gleichen Teilen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern finanzierten Beitragssatz von 14,5 Punkten aufgeschlagen. Weil manche der aktuell 123 Kassen auf hohen Geldreserven sitzen, werden sie weiterhin einen günstigeren Beitragssatz anbieten können. Andere finanzschwächere Kassen werden deutlich über das Niveau von 1,1 Punkten hinausgehen müssen.

          Ziel ist die Senkung der Verwaltungskosten

          Die Deutsche BKK habe in Erwartung eines solch deutlichen Anstiegs Gespräche mit anderen Betriebskrankenkassen über eine Kooperation geführt, heißt es in den Kreisen. Die hätten allerdings zu keinem Ergebnis geführt. Daraufhin habe sich der Vorsitzende der nach der BKK Mobil Oil zweitgrößten BKK, Achim Kolanoski, an die Barmer/GEK gewandt. Geboren im Jahre 1951, erreicht er im nächsten Jahr das Rentenalter. Seine Verwendung in der neuen Kasse, oft in ähnlichen Fällen ein Zankapfel unter den Beteiligten, dürfte damit kein Hindernis sein. Die sich abzeichnende Fusion dürfte für die dann 9,5 Millionen Mitglieder der neuen Großkasse kaum Veränderungen bedeuten. Denn 95 Prozent des Leistungskatalogs sind gesetzlich normiert, viele freiwillige Leistungen gleichen sich.

          Für die Mitarbeiter der Kassen, vor allem jene 2200 der BKK, könnte die Fusion jedoch zu Einschnitten führen. Ein wesentliches Ziel der Kooperation ist es schließlich, die Verwaltungskosten zu senken und Doppelarbeit erst gar nicht aufkommen zu lassen. Die Barmer/GEK hat selbst erfahren, was es bedeutete, bei einem Zusammenschuss – eben jenem von Barmer und GEK im Jahre 2010 – keine Anpassung vorzunehmen. Die Einschnitte als Folge des von Vorstandschef Christoph Staub aufgelegten Restrukturierungsprogrammes fallen um so schmerzhafter aus. Der Abbau von 3500 Stellen auf am Ende 11.500 Vollzeitstellen läuft. 1200 sind schon verschwunden.

          Als Folge einer Fusion würden in den Verwaltungsrat der Barmer/GEK erstmals Vertreter der Arbeitgeber einziehen. Bei den Ersatzkassen haben sie traditionell keinen Sitz, bei allen anderen Kassenarten wohl. Wenig Begeisterung löst die Fusion beim BKK Dachverband aus, verliert er doch mit der Abwanderung in das Lager der Ersatzkassen einen großen Beitragszahler. Sitz der Barmer/GEK ist Berlin, der der Deutschen BKK ist in Wolfsburg. Das erklärt sich aus der Geschichte: Sie ging 2003 aus den BKK Volkswagen, Deutsche Telekom und Deutsche Post hervor. Zuletzt hatte sie die BKK Essanelle übernommen. Jetzt wird sie selbst geschluckt.

          Weitere Themen

          Das war die Gamescom 2019 Video-Seite öffnen

          Rückblick : Das war die Gamescom 2019

          Die Gamescom 2019 ist vorbei. Doch welche Hallen und Stände lohnten einen Besuch? F.A.Z.-Redakteur Bastian Benrath verrät es auf einem Videorundgang.

          Topmeldungen

          Die meisten Topverdiener sind keine Multimillionäre, sondern sehr gut bezahlte Angestellte, beispielsweise aus der Bankenwelt.

          Reformen der Koalition : Immer auf die Besserverdiener

          Egal ob Baukindergeld, Pflegereform oder Soli – die große Koalition schließt Einkommensstarke konsequent von finanziellen Entlastungen aus. Die Grenzen setzt sie dabei willkürlich und der Papierkrieg ist immens.

          AfD in Sachsen : Die DDR ist ein Wahlkampfschlager

          In Sachsen will die AfD die Landtagswahl gewinnen – dafür bedient sie gezielt ein Zerrbild der Wirklichkeit. Ihre Wähler stört das nicht.
          Zum Haareraufen: Goncalo Paciencia traf zwar in Leipzig, Frankfurt verlor dennoch.

          Eintracht unter Druck : „Das wird das wichtigste Spiel des Jahres“

          Erst die Niederlage im Hinspiel in Straßburg, dann das ärgerliche 1:2 in der Bundesliga in Leipzig. Bei der Eintracht läuft es nicht rund. Dazu kommen personelle Fragen. Nun geht Torwart Kevin Trapp verbal in die Offensive.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.