https://www.faz.net/-gqe-848c7

Teure Skandale : Die Deutsche Bank wird zur Rechtsabteilung

Im Fokus der Öffentlichkeit: Polizeibeamte durchsuchen 2012 die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt. Bild: dapd

Fast 9 Milliarden Euro hat die Deutsche Bank unter Fitschen und Jain an Strafen gezahlt. Unzählige Prozesse sind noch anhängig – und das Geldhaus legt schon mal Milliarden für Rechtskosten zurück.

          Die Bilder gingen um die Welt. Mehrere Mannschaftswagen der Polizei hielten vor den Doppeltürmen der Deutschen Bank in Frankfurt, teils bewaffnete Einsatzkräfte stürmten in das Gebäude, als gelte es, eine Geiselnahme zu beenden. Viele Mitarbeiter beklagten im Nachhinein, einen schweren Schrecken durch die Aktion bekommen zu haben.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der breiten Öffentlichkeit wurde spätestens mit dieser Aktion klar: Bei der Deutschen Bank schaut der Rechtsstaat jetzt gründlich hin. Und dafür war die martialisch inszenierte Razzia im Dezember 2012, bei der es um mögliche Umsatzsteuervergehen ging, wohl auch gedacht.

          Anshu Jain und Jürgen Fitschen hatten gerade ein paar Monate vorher die Führung der Bank von Josef Ackermann übernommen. Sie sollten für einen Neuanfang nach der Finanzkrise stehen. Doch dass die Aufarbeitung früherer Fehlverhalten schwer werden würde unter zwei Vorstandsvorsitzenden, die selbst seit langem die Geschäfte des Hauses mitverantwortet haben, war von vornherein klar.

          Rekordstrafe im April

          Vor allem in Anshu Jain, der vor seinem Aufstieg an die Spitze das Investmentbanking in London und New York geführt hatte, sahen viele den „Bock als Gärtner“. Die Bedenken sollten sich bewahrheiten. Wohl noch nie in der Geschichte der Deutschen Bank stand deren Führung auch persönlich derart unter juristischem Beschuss.

          Alles in allem summieren sich die Strafen, die die Deutsche Bank vor allem in Amerika seit dem Amtsantritt der Doppelspitze zahlen musste, auf fast 9 Milliarden Euro. Das Geld, mit dem sich Scheich Hamad Bin Jassim Bin Jabor Al-Thani aus Qatar vor einem Jahr mit seinem Staatsfonds gut 6 Prozent der größten deutschen Bank sicherte, floss also komplett in die Kassen der Justiz. Dass die Bank bis heute nicht so profitabel arbeitet, wie die Aktionäre es gerne hätten, liegt vor allem an den immer wieder hochkommenden Altlasten.

          Besonders schwer schlug die Rekordstrafe von 2,3 Milliarden Euro zu Buche, zu der amerikanische und britische Behörden die Bank Ende April verdonnerten. Über Jahre hatten Mitarbeiter zusammen mit Kollegen von anderen Großbanken den Referenzzinssatz Libor manipuliert. Nach diesem Zinssatz, den sich Banken untereinander zahlen, richten sich unzählige Finanzprodukte in der ganzen Welt. Den tatsächlich entstandenen Schaden zu berechnen ist kaum möglich.

          Rückstellungen in Milliardenhöhe

          Die Abteilungen, in denen manipuliert wurde, zählen zum Investmentbanking, das in dieser Zeit von Anshu Jain geführt wurde. Deswegen stellten Kritiker vermehrt die Frage, was der oberste Chef wann wusste oder – wenn die Bank wie so oft auf das Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter verwies – warum der oberste Chef so wenig wusste.

          Besonders pikant in diesem Zusammenhang: Einem der Beschuldigten, dem Londoner Händler Christian Bittar, hatte der Vorstand für das Jahr 2008 einen Bonus von 80 Millionen Euro genehmigt, der immerhin zur Hälfte auch ausgezahlt wurde.

          Weitere Themen

          Indien verbietet E-Zigaretten Video-Seite öffnen

          Todesfälle durch Vaping : Indien verbietet E-Zigaretten

          In letzter Zeit kam es aber vermehrt zu Lungenkrankheiten und sogar Todesfällen, die Ärzte auf das sogenannte Vaping zurückführen. Viele Regierungen stören sich auch daran, dass die Industrie gezielt Jugendliche anspricht.

          Topmeldungen

          Das Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York

          Vereinigte Staaten : Zwei kubanische UN-Diplomaten ausgewiesen

          Kurz vor der UN-Vollversammlung hat Amerika zwei Vertreter Kubas ausgewiesen. Deren Aktionen seien laut Außenministerium gegen die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten gerichtet gewesen. Kuba spricht von Verleumdung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.