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Hauptversammlung : Die Deutsche Bank will es ohne den Staat schaffen

  • Aktualisiert am

Deutsche-Bank-Vorstandschef Christian Sewing (links) und Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Bild: dpa

Die größte deutsche Bank hält ihre Hauptversammlung – natürlich – im Internet ab. Für die Führungsriege ist dieses Format angenehmer, trotz 366 Aktionärsfragen. Die Entscheidung über eine strittige Personalie steht noch aus.

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          Die Corona-Krise trifft auch die Deutsche Bank schon jetzt hart. Allein die Stundung von Krediten haben schon 120.000 Kunden der Bank beantragt, weil sie wegen der Pandemie zur Zeit wirtschaftliche Einbußen haben. 100.000 dieser Anträge seien von Privatkunden aus Deutschland, Italien oder Spanien eingegangen, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bank, Chrisitan Sewing am Mittwoch während der im Internet abgehaltenen Hauptversammlung. 

          Dennoch sieht er die Bank gut gerüstet, um ohne staatliche Hilfen durch die Krise zu kommen. „Dank unserer strategischen Neuausrichtung gepaart mit der soliden Kapital- als auch Liquiditätsausstattung sehen wir die Bank heute in einer deutlich stärkeren Position als noch vor einigen Jahren“, sagte Sewing. „Somit stellt sich die Frage nach einem potentiellen Einstieg des Staates nicht", antwortete er auf die entsprechende Frage eines Aktionärs. 

          Indirekt profitiert die Bank allerdings von den staatlichen Hilfen für die Wirtschaft und auch von sozialen Absicherungen wie dem Kurzarbeitergeld. So musste sie im ersten Quartal deutlich weniger Geld für mögliche Kreditausfälle zurücklegen als einige ihrer europäischen und amerikanischen Konkurrenten. Die Vorwürfe einiger Aktionäre, die Bank gehe dort zu optimistisch in die Krise, versuchte Sewing zu entkräften. Er hob hervor, dass ein großer Teil der Kredite der Bank in Deutschland vergeben worden sei. Das Geschäft etwa mit Autokrediten oder Kreditkarten sei deutlich kleiner als bei vielen Wettbewerbern. So habe auch der jüngste Stresstest der Europäischen Zentralbank im Kreditbuch der Deutschen Bank zu relativ wenig Belastungen geführt.

          Wenig Anfeindungen

          In der Umsetzung des Strategiewechels, den Sewing der Bank im vergangenen Sommer verordnet hatte, sieht er die Bank auf einem guten Weg. Mit Blick auf grenzübergreifende Bankenfusionen, die aus seiner Sicht kommen müssten, sieht er die größte deutsche Bank noch nicht in der Position, selbst aktiv zu werden. „Wir müssen aber profitabler sein als heute, wenn wir in dieser Konsolidierung eine aktive Rolle spielen wollen“, sagte Sewing. Oberste Priorität habe für ihn und die Bankführung deshalb die weitere Umsetzung der Transformation der Bank, zu der unter anderem der Abbau von 18.000 Stellen bis Ende 2020 zählt. 

          Für Verwunderung unter einigen Aktionären führte ein Tagesordnungspunkt, mit dem die Bank sich mehr Flexibilität darüber verschaffen will, wo sie ihre Hauptversammlung abhält. Traditionell findet das Aktionärstreffen in der Frankfurter Festhalle, nur wenige Kilometer vom Hauptsitz der Bank entfernt, statt. In der Satzung werden als mögliche Austragungsorte bislang noch Düsseldorf oder eine andere deutsche Großstadt mit mehr als 500.000 Einwohnern genannt. Diese Einschränkung soll nun auf 250.000 Einwohner gesenkt werden. „Die Bank ist immer bestrebt zu sparen“, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Paul Achleitner auf die Frage eines Aktionärs hin. Dazu gehöre auch, potentielle alternative Austragungsorte für die Hauptversammlung zu recherchieren.

          Geld spart die Bank auch damit, dass das Aktionärstreffen in diesem Jahr im Internet stattfindet. Die Hauptversammlung 2019 mit gut 4000 Aktionären in der Festhalle habe die Bank rund 5 Millionen Euro gekostet. Allein die Kosten für das Catering taxierte Achleitner auf etwa 200.000 Euro. Dennoch sagte der Österreicher, dass ihm die herkömmliche Form lieber sei: „Mir fehlt die Dynamik einer Präsenzveranstaltung, aus der ich als Versammlungsleiter auch immer Energie ziehe.“

          Durch das digitale Treffen blieben ihm allerdings auch allzu giftige Anfeindungen erspart, mit denen sich mancher Aktionär sonst profiliert. Die Fragen mussten schon vor der Hauptversammlung per Email eingereicht werden und wurden von der Fernsehmoderatorin Doro Plutte größtenteils zu Themenblöcken gebündelt vorgetragen. Durch insgesamt 366 Einzelfragen zog sich die Veranstaltung allerdings in die Länge. Am Nachmittag um 16 Uhr legte Achleitner die zweite „Pause für biologische Bedürfnisse“ des Tages ein. 

          Ob der frühere Außenminister Sigmar Gabriel und der Chef der Deutschen Börse, Theodor Weimer, wie geplant in den Aufsichtsrat der Bank einziehen dürfen, entscheiden die Aktionäre erst zum Schluss der Veranstaltung am Mittwochabend. 

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