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Modernisierungs-Programm : Unser Bahnhof soll schöner werden

So schön kann reisen sein: Der Hauptbahnhof von Dresden Bild: Picture-Alliance

In vielen Städten sind die Bahnhöfe Schmuddelecken, Geisterorte und nicht selten Umschlagplätze für Drogen. Die Deutsche Bahn will ihre Haltestellen nun attraktiver machen.

          Verstehen Sie Bahnhof? Manche schon. Offenbar gibt es wahre Wohlfühlplätze für Reisende: Dresden und Göttingen, Hünfeld, Oberursel und Murnau zum Beispiel durften sich in den beiden vergangenen Jahren das Prädikat „Bahnhof des Jahres“ teilen. In wenigen Wochen wird das Branchenbündnis Allianz pro Schiene den Titel wieder vergeben. Bis Ende Juni dürfen die Kunden im alljährlichen Schönheitswettbewerb um den besten Großstadtbahnhof und den besten Kleinstadtbahnhof noch abstimmen. Für die Kür zählen sehr unterschiedliche Qualitäten: Kommt man bequem zum Bahnsteig? Ist der Fahrkartenautomat so aufgestellt, dass die Sonne nicht das Display verblendet? Kann man Reiseproviant kaufen? Anders gesagt: Pluspunkte bringen gute Dienstleistungen, ein übersichtliches Kundeninformationssystem, eine komfortable Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und ein einladendes Ambiente.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Die Begriffe „einladendes Ambiente“ und „Bahnhof“ galten lange Zeit als unvereinbar. Besonders Stationen in größeren Städten zogen Gestrandete an. Das „Tor zur Welt“ war zugleich Sammelpunkt für Drogenhandel und Prostitution. Anderswo wurden Stationen am Abend zu Geisterorten. Manche Bahnhöfe sind heute noch so. Wer dort als Reisender ankommt, will so schnell wie möglich wieder weg. Doch viele einst dunkle Stationen sind heller geworden. Sie sind mehr als der Durchgangsort, an dem Menschen zu Zügen hasten. Die Deutsche Bahn nennt die wichtigsten ihrer 5400 Bahnhöfe jetzt „Mobilitätsdrehscheiben“. Hier findet im Idealfall die politisch propagierte „Vernetzung der Verkehrsträger“ statt: Reisende können dann nicht nur den Zug wechseln, sondern auch auf den Fernbus oder Stadtbus, auf das Taxi, das Auto oder das Fahrrad umsteigen.

          „Wenn wir hinten fertig sind, fangen wir vorne wieder an“

          In den vergangenen zwanzig Jahren hat die Deutsche Bahn ihre Bahnhöfe Schritt für Schritt herausgeputzt, angefangen bei den hochfrequentierten Stationen. „Richtig schlechte Großbahnhöfe finden Sie nicht mehr“, findet der Vorstandsvorsitzende der DB Station&Service, André Zeug. „Aber natürlich wird es uns so gehen wie den Anstreichern der Golden-Gate Brücke: Wenn wir hinten fertig sind, fangen wir vorne wieder an.“ Hinten, das ist zurzeit der Bahnhof Dortmund, der noch nicht barrierefrei ist. Aufzüge vom Tunnel auf den Bahnsteig müssen eingebaut werden. Klingt leichter, als es ist. Denn der Tunnel würde durch den bloßen Einbau so eng, dass „in Spitzenzeiten die Fließgeschwindigkeit nicht mehr ausreicht“, wie Zeug erklärt. „Das ist ein Sicherheitsthema.“ Daher müsse der Tunnel verbreitert werden, um bei Panik die Unfallgefahr zu mindern. So werden die Dortmunder Aufzüge sehr teuer.

          Hinten ist auch nebenan der Duisburger Bahnhof, wo Dach und Gleisanschluss marode sind. In Frankfurt soll die sogenannte B-Ebene vorzeigbar werden. Und der Bahnhof Zoologischer Garten in Berlin, lange ein legendärer Drogen-Strich, bekommt eine neue Restaurant-Etage mit den „Zooterrassen“. Jedes Jahr steckt die Bahn 800 Millionen Euro in die Modernisierung und Instandhaltung ihrer Bahnhöfe. Rund ein Fünftel kommt aus der eigenen Kasse, der Rest sind Fördermittel des Bundes und der Länder.

          Die Demographie beschert dem Land eine zweigeteilte Bahnhofsentwicklung. Im Osten ist die Entvölkerung seit der Wende zu spüren: Auf 40 Prozent der Bahnhöfe kommen weniger als 100 Reisende am Tag. Dagegen steigt die Nachfrage in den westdeutschen Ballungszentren enorm. „Da könnten wir die Bahnsteige doppelt so breit bauen“, sagt Zeug. „80 Prozent der Fahrgäste reisen an 20 Prozent der Bahnhöfe. Aber sanieren müssen wir alle.“ Das heißt auch: Wirtschaftlich ist die Renovierung in vielen Fällen nicht. Außerdem ist sie schwierig, schließlich kann man den Bahnhof nicht wochen- oder monatelang schließen: „Wir arbeiten immer unter dem rollenden Rad.“

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