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Arznei-Kommentar : Deutschlands verpasste Chance

Das Geschäft mit Humira haben andere gemacht – nicht die BASF. Bild: AP

Die deutsche Arzneibranche war führend auf der Welt, wurde aber in den vergangenen zwanzig Jahren zu großen Teilen ins Ausland verkauft. Es ist zum Heulen.

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          D2E7 – der Code steht für einen Wendepunkt in der deutschen Arzneiindustrie. D2E7, ein Anti-Rheuma-Wirkstoff, war zentraler Hoffnungsträger der Pharmasparte, welche der Chemiekonzern BASF einst betrieb. Der beschloss, das im Branchenmaßstab kleine Geschäft zu verkaufen. Den Zuschlag erhielt Abbott aus Amerika.

          Auf die 7 Milliarden Dollar Verkaufserlös war BASF stolz. Denn man sah das jährliche Umsatzpotential von D2E7 bei maximal 1,5 Milliarden Dollar; immerhin waren schon Konkurrenzprodukte auf dem Markt. Abbott und das Nachfolgeunternehmen Abbvie entwickelten D2E7 unter dem Namen Humira weiter; das Präparat wird auch gegen andere Krankheiten als Rheuma eingesetzt und ist seit Jahren die mit Abstand erlösstärkste Arznei der Welt.

          Voriges Jahr brachte sie dem Hersteller mehr als 18 Milliarden Dollar Umsatz – erst an diesem Dienstag um Mitternacht endet in Europa der Patentschutz, was das Geschäft beeinträchtigen wird. Natürlich ist man im Nachhinein immer schlauer, und natürlich ist der Verkauf durch BASF im Jahre 2001 lange her.

          Dennoch treibt er Kennern der deutschen Arzneibranche Tränen in die Augen: Die war global führend, wurde aber in den vergangenen zwanzig Jahren zu großen Teilen ins Ausland verkauft. Die Entscheidung von BASF war dabei ein Meilenstein. Nun haben andere das Geschäft mit der weitaus lukrativsten Arznei der Welt gemacht.

          Klaus Max Smolka
          Redakteur in der Wirtschaft.

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