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Deutsche Bank : Die Boni sind sicher

  • -Aktualisiert am

Was wird aus der Deutschen Bank? Bild: Reuters

Fusioniert die Deutsche Bank mit der Commerzbank? Mitten in die Diskussion um den Verlust von bis zu 30.000 Stellen platzt die Boni-Nachricht. Wie kann das sein?

          Der Zeitpunkt könnte unglücklicher kaum gewählt sein. Die Deutsche Bank steht nach Jahren sinkender Erträge, eines fallenden Aktienkurses und eines schwindenden Kundenvertrauens so desolat da, dass die Politik eine Fusion mit der Commerzbank für den besten Ausweg hält. Bis zu 30.000 Stellen könnten in beiden Instituten wegfallen.

          Die Sorge davor ist in den Frankfurter Bankentürmen mit Händen zu greifen. Und mitten in diese Diskussionen platzt die Deutsche Bank nun mit Zahlen, die zeigen, dass bei aller Ungewissheit eines offenbar ganz unabhängig von der Lage des Hauses gilt: Die Boni sind sicher.

          Gewiss, hier und da hat sich in den vergangenen Jahren etwas getan. Ein guter Teil der variablen Vergütung wird inzwischen über Jahre hinaus zurückgehalten. Sollten sich kurzfristig lohnende Geschäft auf die lange Sicht als Harakiri erweisen, hat die Bank heute ganz andere Möglichkeiten, Boni entweder nicht auszuzahlen oder sogar zurück zu verlangen. Und dennoch passen die Zahlen, die der Vergütungsbericht fein säuberlich auflistet, nicht zu einem Unternehmen, das seit Jahren gegen den Niedergang kämpft – und das bislang erfolglos.

          643 Mitarbeiter kommen auf ein Jahresgehalt von mehr als einer Million Euro. Allein die Investmentbanker haben rechnerisch jeweils 76.000 Euro Sonderzahlungen erhalten. Wobei dieser Durchschnittswert die tatsächliche Höhe einiger Bonuszahlungen gar nicht darstellen kann. Und das in einem Jahr, in dem die Investmentbanker zum Teil sehr schwache Ergebnisse lieferten.

          Auch der Vorstandschef Christian Sewing verdient mit 7 Millionen Euro etwa genau den Durchschnittswert, den die Vorstandschefs aller Dax-Konzerne zuletzt erhielten – obwohl kaum einer der 30 Konzerne eine so schlechte Aktienkursentwicklung verkraften musste wie die Deutsche Bank.

          Sewing war angetreten mit dem Ziel, die über Jahre ausufernden Kosten der Bank endlich in den Griff zu bekommen. Er ist dabei in seinem ersten Dreivierteljahr an der Spitze auch recht weit gekommen. Doch dass er selbst und die übrigen Vorstandsmitglieder nun schon wieder aus dem Vollen schöpfen, obwohl es für die Bank immer noch Spitz auf Knopf steht, verringert seine Glaubwürdigkeit.

          Das gilt zum einen gegenüber den Mitarbeitern, von denen viele befürchten, dass eine Fusion mit dem Erzrivalen Commerzbank ihren Arbeitsplatz kosten könnte. Das gilt aber auch gegenüber den Aktionären, die in den vergangenen Jahren nicht nur erhebliche Kursverluste verkraften mussten, sondern auch in diesem Jahr noch mit einer äußerst dürftigen Dividende von 11 Cent je Aktie abgespeist werden sollen.

          Die ersten Reaktionen aus Berlin zeigen, dass die Managergehälter dort mit Argusaugen betrachtet werden. Die Politik hat schon mehrere Stellschrauben ausgemacht, mit denen sie den Unternehmen den Hahn für allzu üppige Alimentierung zudrehen könnte. Besser wäre, sie fänden selbst ein Maß dafür.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

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