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Bankenkrise : Die Bilanz der Deutschen Bank ist ein Mysterium

Die Deutsche Bank, ein Schatten ihrer selbst. Bild: AFP

Investoren misstrauen der Bilanz der Deutschen Bank, was sich am niedrigen Börsenwert ablesen lässt. Selbst Aufseher blicken nicht mehr durch.

          4 Min.

          Der Aktienkurs der Deutschen Bank hat sich in dieser Woche deutlich erholt. Ist nun der richtige Zeitpunkt für den Einstieg gekommen? Der Fondsmanager eines angelsächsischen Vermögensverwalters winkt ab: „Sie dürfen niemals ihre Bilanz in die Hände der Investmentbanker geben.“ Damit bringt er zum Ausdruck, was auch andere Investoren denken. Sie misstrauen der Bilanz, was sich am niedrigen Börsenwert ablesen lässt.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Jahresabschluss der Deutschen Bank umfasst 445 Seiten und bietet überwiegend schwerverdauliche Kost. Da ist die Bank nicht allein, auch die Bilanzen anderer Konzerne sind keine unterhaltsame Lektüre. Doch das Problem ist die Darstellung der Geschäftsrisiken. Der Fondsmanager hält die Bilanz für wenig transparent. Ein wesentlicher Grund dafür ist die hohe Bedeutung des Kapitalmarktgeschäfts für die Bank. Aus dem Investmentbanking resultieren viele Altlasten und Milliardenstrafen.

          Die Investmentbanker haben in den vergangenen Jahren die Deutsche Bank dominiert. Auch bei anderen Banken gab es immer wieder den Verdacht, dass Bewertungsspielräume bei sehr komplexen Wertpapieren oder Derivaten genutzt wurden, um das Ergebnis und die Erfolgsprämien der Investmentbanker höher ausfallen zu lassen. Die hohen Abschreibungen der Deutschen Bank auf Firmenwerte im vergangenen Jahr von 5,8 Milliarden Euro nähren solche Zweifel.

          Die Investoren zweifeln seit längerem an der Kapitalausstattung

          Dass selbst die Bankenaufseher die Bilanzen der Banken nur schwer durchblicken, zeigt das aktuelle Ringen zwischen Amerika und Europa über die künftigen Kapitalregeln für Banken (Basel III). Denn die Frage, ob das Institut ausreichend Eigenkapital hat, um vor Verlusten geschützt zu sein, lässt sich noch immer nicht befriedigend beantworten. Für die Kennziffern, mit denen die Kapitalausstattung beurteilt wird, gibt es viele Stellschrauben. An denen dreht die Deutsche Bank, und das nicht zu knapp. Derzeit streiten sich die Bankenaufseher über den künftigen Spielraum, den Banken bei der Berechnung ihrer Bilanzrisiken und der dafür erforderlichen Kapitalausstattung haben. Die Unterschiede sind immens: Ein identisches Portfolio an Kreditrisiken kann unter Banken, die interne Risikomodelle verwenden, zu Milliardenabweichungen in der Kapitalausstattung führen.

          Die amerikanischen Aufseher wollen die Spielräume verringern. Die Europäer wollen sie weitgehend erhalten. Der Blick in die Bilanz der Deutschen Bank verdeutlicht das Ausmaß dieser Spielräume. Sie hat eine Bilanzsumme von 1,8 Billionen Euro. Davon weist sie aber nur rund 400 Milliarden Euro an Wertpapieren und Krediten ein sogenanntes Risikogewicht zu, aus dem sich dann der jeweils nötige Kapitalpuffer ableitet. Mit anderen Worten: Fast 78 Prozent ihrer Bilanz betrachtet sie als risikolos. Sollte nun der Spielraum deutlich verringert werden, müssen mehr Geschäfte aus der Bilanz mit Eigenkapital unterlegt werden. Dann steht die Bank auch unabhängig vom Ausgang der noch offenen Rechtsstreitigkeiten vor einem enormen Kapitalproblem.

          Um die Anforderungen der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) bis Ende 2019 erfüllen zu können, muss sie schon jetzt ihr Eigenkapital um 7 Milliarden Euro erhöhen. Jede zusätzliche Verschärfung der aufsichtsrechtlichen Vorgaben kann sehr schnell ein Loch in die ohnehin schon dünne Kapitaldecke reißen. Die Investoren zweifeln seit längerem an der Kapitalausstattung. Das zeigt auch der Absturz des Aktienkurses. Derzeit wird die Bank an der Börse mit weniger als 17 Milliarden Euro bewertet. Das gesamte Eigenkapital einschließlich Nachranganleihen umfasst gut 60 Milliarden Euro. Die Deutsche Bank ist nur ein Viertel ihres in der Bilanz ausgewiesenen Eigenkapitals wert.

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