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Bankenkrise : Die Bilanz der Deutschen Bank ist ein Mysterium

Ob das Verhältnis des Eigenkapitals zur gesamten Bilanzsumme eine bessere Kennziffer ist als die Kapitalquote auf Basis der selbstberechneten Bilanzrisiken, darüber lässt sich streiten. Amerikanische Wettbewerber schneiden bei der Verschuldungsquote (Leverage Ratio), dem Verhältnis von Eigenkapital zur Bilanzsumme, auch deshalb besser ab, weil ihnen staatliche Förderbanken die Wohnimmobilienkredite abkaufen. Dadurch sinkt ihre Bilanzsumme, während die Baukredite die Bilanzen europäischer Banken aufblähen. Doch auch die französischen Großbanken BNP Paribas oder Société Générale schneiden in der Verschuldungsquote besser ab als die Deutsche Bank. Die Großbanken außerhalb der Vereinigten Staaten haben nach einer Tabelle der amerikanischen Einlagensicherung FDIC eine Leverage Ratio von durchschnittlich 5,45 Prozent. Die Deutsche Bank liegt mit 2,68 Prozent abgeschlagen auf dem letzten Platz.

Wie hoch das tatsächliche Risiko ist, lässt sich kaum erfassen

Zu dem Misstrauen am Markt tragen auch die Altlasten aus der Finanzkrise bei. Die Deutsche Bank hält noch immer viele Schrottpapiere, in der Regel Verbriefungen riskanter Kredite. Für diese Wertpapiere gibt es seit Jahren keine Märkte mehr, weil die Investoren diese Titel meiden. Diese Wertpapiere bewertet die Bank anhand eigener Methoden. Denn es gibt keine Marktkurse. Ende 2015 machten die kritischen Anlagen 32 Milliarden Euro aus. Das ist mehr als die Hälfte des Eigenkapitals. Nimmt man nur das harte Kernkapital, also Aktien und Gewinnrücklagen, steigt der Anteil der Schrottpapiere sogar auf 73 Prozent. Der Durchschnittswert für die größten zwölf Banken beträgt 38 Prozent.

Es gibt noch eine weitere Klasse solcher Wertpapiere, für die es immerhin einen Marktparameter gibt, aus dem sich der Bilanzwert ableiten lässt. Das Volumen dieser Papiere macht 709 Milliarden Euro aus. Wem in dieser Größenordnung noch immer nicht schwindlig ist, der sollte auch noch auf das Derivatebuch blicken. Es bewegt sich im mittleren zweistelligen Billionenbereich. Wie hoch das Volumen tatsächlich ist, das kann man sich fast schon aussuchen. In jedem Fall ist es sehr hoch: Auf gut 35 Billionen Euro beliefen sich die außerbörslichen Derivatekontrakte Ende 2015, die an die Aufsichtsbehörden gemeldet werden. Diese sind riskanter als die über öffentliche Börsen gehandelten Derivate. Diese machten Ende 2015 weitere 6,5 Billionen Euro aus. In einer aktuellen Präsentation für Anleiheinvestoren nennt die Bank ein Derivatevolumen von 46 Billionen Euro. Der Anstieg ist auf den gegenüber Jahresanfang schwächeren Dollarkurs zurückzuführen. Die meisten Derivatekontrakte werden in der amerikanischen Währung abgeschlossen.

Das Bruttovolumen des Derivatebuchs fällt so groß aus, weil es die gesamten abgesicherten Geschäfte erfasst. Wie hoch das tatsächliche Risiko ist, lässt sich kaum erfassen. Man ist auf die Angaben der Bank angewiesen. Sie beziffert das Nettovolumen auf 615 Milliarden Euro, davon sind durch Gegengeschäfte und andere Garantien 575 Milliarden Euro abgesichert. Damit verbliebe ein Restrisiko von 40 Milliarden Euro.

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