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Die Allianz und die Schuldenkrise : Die Weltenretter aus München

Michael Diekmanns Allianz mischt sich immer dann ein, wenn es ihr nützt Bild: dapd

Um gute Vorschläge in der Schuldenkrise ist die Allianz nicht verlegen. Der selbstbewusste Auftritt irritiert. Das Münchner Unternehmen gehört zu den Profiteuren der exzessiven Staatsausgabenpolitik.

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          Paul Achleitner ist ein smarter Manager. Jemand, der seine Branche versteht, aber auch den Blick fürs große Ganze hat. Schließlich war er gut ein Jahrzehnt lang Führungskraft der Investmentbank Goldman Sachs, bevor er Finanzvorstand der Allianz wurde. Zudem sitzt er in den Aufsichtsräten von drei Industriekonzernen. Wenn er auf Englisch über Investitionen in der „neuen Normalität“ - also der Zeit nach der Lehman-Pleite - berichtet, klingt nur ein ganz leichter oberösterreichischer Einschlag mit. Seine These von den sechs großen „D“, die man künftig beherzigen müsse (Deleveraging, Demographie, Dekarbonisierung und so weiter), trägt der Linzer mit unerschütterlichem Selbstbewusstsein vor.

          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.
          Henning Peitsmeier
          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Und auch seine Rettungsvorschläge für die europäische Schuldenkrise kommen gewichtig daher. Der künftige Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) müsse zu einer Versicherung für Anleihen umgestaltet werden, lässt er wissen. Schon vorher könnten Investoren dann genau abschätzen, auf welche Abschläge sie sich im schlimmsten Fall einstellen müssen, wenn sie etwa eine griechische Anleihe kaufen. Der ESM ginge so zwar ein erhebliches Risiko ein, aber auf dem Kapitalmarkt erntet Achleitner viel Zustimmung für seine Idee, auch in der Politik wird er gehört. Die Allianz sieht sich mit ihrem Modell als konstruktiver Helfer. Doch allzu oft handelt sie auf eigene Rechnung.

          Auf dem Höhepunkt der Griechenland-Rettung darf dann der Allianz-Chefvolkswirt Optimismus verbreiten. „Die Beschlüsse des Sondergipfels stellen einen substantiellen Beitrag für die Bewältigung der Schuldenkrise dar“, sagt Michael Heise, ein telegener Ökonom, der das komplizierte Brüsseler Modell für den Euro verständlich erklären kann und dabei immer noch irgendwie gut gelaunt wirkt. Wenn das Wachstum zurückkomme und die Arbeitslosigkeit sinke, schlussfolgert Heise, werde sich auch der Blick der Finanzmärkte ändern.

          Von Michael Diekmann, dem eigentlichen Vorstandsvorsitzenden der Allianz, ist in all den turbulenten Griechenland-Wochen wenig zu hören und zu sehen. So ist das gängige Praxis bei Europas größtem Versicherungskonzern. Diekmann lässt seine Leute vor die Kameras und Mikrofone treten, er selbst hält sich im Hintergrund und schreibt, wenn überhaupt, Gastkommentare in Zeitungen und Zeitschriften. Was die Kanzlerin und auch in Brüssel viele gefreut haben dürfte: Er war einer der Mitunterzeichner einer ganzseitigen Anzeige in mehreren Tageszeitungen. „Der Euro ist notwendig“, bestätigten 50 französische und deutsche Manager den Euro-Rettern.

          Nur die halbe Wahrheit

          Allianz-Mitarbeiter erklären Diekmanns Zurückhaltung wahlweise mit der Arbeitsteilung im Vorstand oder dem Anspruch, in nicht weniger als 70 Ländern sichtbar sein zu müssen. Einige wenige verweisen auf das Naturell des in Bielefeld geborenen Unternehmersohnes: Dem Menschenschlag aus dieser Region wird etwas spöttisch nachgesagt, bis zur Selbstverleugnung zu schweigen.

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