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Versicherungskonzern : Die Allianz eilt von Rekord zu Rekord

Klaus-Peter Röhler wird Teil des Vorstands der Allianz SE Bild: dpa

Der Versicherer verdient glänzend. Aber eine Vorstandspersonalie schürt neue Spekulationen.

          3 Min.

          In München scheint an diesem Freitag die Sonne. Und in der Allianz-Zentrale am Englischen Garten ist die Stimmung gut. „Das Wetter passt zu den Zahlen“ stellt Vorstandschef Oliver Bäte fest. Soeben hat der Konzern einen operativen Rekordgewinn von 11,9 Milliarden Euro vorgelegt, die Dividende soll mit 9,60 Euro je Aktie auf einen neuen Spitzenwert angehoben werden. Das Umsatzplus von 8 Prozent auf 142 Milliarden Euro sei „doppelt so stark wie das Weltwirtschaftswachstum“, sagt Bäte – und legt jene Bescheidenheit ab, die Allianz-Managern sonst zu eigen ist. Mit „Delivering“ ist die Bilanzpräsentation von Bäte überschrieben. Es sei seine fünfte Jahrespressekonferenz, sagt er, fünfmal nacheinander habe die Allianz geliefert. So soll es auch im laufenden Geschäftsjahr weitergehen, für das der Vorstand einen operativen Gewinn von 11,5 bis 12,5 Milliarden Euro anpeilt – schon im Mittel also eine abermalige Steigerung gegenüber dem vergangenen Rekordjahr.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Doch bei allem Stolz, der in den Aussagen von Bäte und seinem Finanzvorstand auf dem Podium, dem Italiener Giulio Terzariol, gelegentlich so mitschwingt: selbstzufrieden sind die Allianz-Manager nicht. Dazu passt eine Personalie, die neue Unruhe in dem ebenso erfolgsverwöhnten wie traditionsreichen Allianz-Konzern entfachen kann. Der bisherige Allianz-Deutschland-Chef Klaus-Peter Röhler rückt zum 1. April in den Konzernvorstand der Allianz SE auf und ersetzt dort Axel Theis, der mit 62 Jahren in den Ruhestand geht. Röhler ist ein enger Vertrauter Bätes und war von ihm erst 2017 zum Chef der wichtigsten Landesgesellschaft ernannt worden. Soll die Allianz Deutschland womöglich in den Mutterkonzern integriert werden? Und könnten auch andere Landesgesellschaften an Einfluss verlieren, weil es Bäte darum geht, in der digitalen Welt künftig wie Amazon oder Google global skalierbare Geschäftsmodelle auszurollen?

          Im Konzern soll es Überlegungen geben, Hierarchieebenen in den Landesgesellschaften herauszunehmen, heißt es. Darauf angesprochen sagt Bäte nur: „Eine dramatische Wende ist meines Wissens nicht geplant.“ Ein Anhänger von Vereinfachungen und flachen Hierarchien ist Bäte allemal. Seit Jahren ist hm die Produktvielfalt ein Dorn im Auge: „In dem Moment, wo wir Komplexität herausnehmen, wird alles schneller und günstiger. Dann kommen Kunden wieder, die wir verloren haben.“ Das „systematische Abschalten von alten Produkten und Systemen“ stehe im Vordergrund, sagt er und vergleicht die Allianz mit dem berühmten Märchenschloss: „Wenn man sich so ein Neuschwanstein gebaut hat, ist das nicht so einfach. Wir wollen ja nicht abreißen, sondern umbauen.“ Anders als die Bauvorhaben von Ludwig II. will Bäte die Dinge zu Ende bringen.

          Fast überall auf der Welt laufen die Geschäfte gut. Wachstumstreiber war im vergangenen Jahr die Lebens- und Krankenversicherung, die das operative Ergebnis um 13,4 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro steigerte. Im Asset Management erreichte das für Dritte verwaltete Vermögen mit rund 1,6 Billionen Euro einen historischen Höchststand, und die beiden Vermögensverwalter Pimco und Allianz Global Investors sammelten zusammen 76 Milliarden Euro frisches Kapital. Die Solvenzquote der Allianz, die ein Gradmesser für die finanzielle Stabilität von Versicherern ist, lag bei 212 Prozent. „Das zeigt die Widerstandsfähigkeit der Gruppe“, sagte Finanzvorstand Terzariol.

          Schwierigkeiten bereitet ausgerechnet die größte Konzernsparte. In der Schaden- und Unfallversicherung gab der operative Gewinn um 11,9 Prozent auf 5 Milliarden Euro nach, im vierten Quartal brach er sogar um 42,3 Prozent auf 861 Millionen Euro ein. Schuld an diesem schwachen Ergebnis hat die Industrieversicherung, in der sich die Schäden häufen, die Prämien aber aufgrund des Wettbewerbs jahrelang nicht angehoben werden konnten. Bei der Tochtergesellschaft ACGS ist die kombinierte Schadenkostenquote seit drei Jahren viel zu hoch. Vielleicht, räumte f Bäte ein, „hätte man das Thema ein Jahr früher angehen sollen“. Jetzt hat die Allianz 600 Millionen Euro in die versicherungstechnischen Rückstellungen der AGCS gesteckt. Die Tochtergesellschaft weist nun einen Verlust von 284 Millionen Euro aus.

          Im November tauschte Bäte den AGCS-Chef aus und betraute den bisherigen Allianz-Deutschland-Vorstand Joachim Müller mit der Sanierungsaufgabe. „Wir arbeiten sehr hart daran, die Schwächen, die wir auch bei der Allianz haben, abzustellen“, sagt Bäte dazu und betont: Bei allen Umbaumaßnahmen sei die Allianz ohne radikale Stellenabbauprogramme ausgekommen. Auch wenn immer mal ein Häuptling ausgetauscht wurde, sagt Bäte, „geht es nie um die Indianer.“

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