https://www.faz.net/-gqe-7ndvk

Devisenmanipulationen : Anshu Jains Skandal

Handelssaal der Deutschen Bank in London Bild: Nick Cunard / / Picture Press

Jahrelang sollen Händler die Preise von Währungen abgesprochen haben. Die Deutsche Bank steht im Zentrum der Ermittlungen. Millionen Kunden fühlen sich betrogen.

          4 Min.

          Es geht um eine Zahl mit zwölf Nullen: Devisen im Volumen von gut 5 Billionen Dollar werden jeden Tag am internationalen Währungsmarkt hin und her getauscht – eine Summe, fast anderthalb Mal so groß wie die jährliche Wirtschaftsleistung Deutschlands. Ohne diesen Megamarkt stünden die Räder der Weltwirtschaft still. Wenn die Lufthansa Treibstoff für ihre Flugzeuge kauft, muss sie das Kerosin in Dollar bezahlen und sich die zuvor im Währungshandel gegen Euro ertauschen; und wenn ein japanischer Fondsmanager Microsoft-Aktien verkauft, kriegt er dafür Dollar, die er in Yen umwechselt.

          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Devisenströme sind der Blutkreislauf der Globalisierung. Aber dieser größte Finanzmarkt der Welt ist in Verruf geraten. Seit dem vergangenen Sommer gehen Heerscharen von Ermittlern einem schlimmen Verdacht nach: Hat es eine Händlerclique in den großen Banken durch verbotene Absprachen über Jahre hinweg geschafft, die Währungspreise zu frisieren – und damit womöglich Millionen von Kunden betrogen? Auch die Deutsche Bank ist ins Visier geraten. Dabei galt der Devisenhandel bisher als einer der zuverlässigsten Finanzmärkte. Denn je größer die Umsätze, desto schwerer ist es für Einzelne, die Preisbildung zu beeinflussen.

          Kassamarkt im Visier der Fahnder

          „Die herrschende Meinung war: Diesen Markt kann man nicht manipulieren“, sagt der Devisenexperte Richard Payne. „Aber dahinter müssen wir jetzt wohl ein Fragezeichen setzen“, sagt der Professor an der Cass Business School in London. Die Finanzmetropole an der Themse ist das wichtigste Zentrum des globalen Währungshandels. Vor allem hier soll der Bankenhändler-Klüngel eine Art Kartell gebildet haben, um die eigenen Profite auf Kosten der Kunden zu maximieren. Insbesondere der sogenannte Kassamarkt, auf dem Geschäfte sofort nach Abschluss ausgeführt werden, ist ins Visier der Fahnder geraten.

          Der Verdacht ziele „ins Herz der Integrität der Märkte“, sagte diese Woche düster der britische Notenbankchef Mark Carney und gelobte vollständige Aufklärung. Im Klartext: Wenn selbst der Devisenhandel zum Spielball von Betrügern geworden sein sollte, auf welche Preise, die an den Finanzmärkten tagein, tagaus ermittelt werden, kann man sich dann überhaupt noch verlassen?

          Bild: F.A.Z.

          „Wir müssen erkennen, dass auch ein sehr großer Markt nicht zwangsläufig gut funktioniert“, sagt der Ökonom Payne. Ja, der Devisenmarkt sei gewaltig, aber er sei eben auch weitgehend unreguliert, und nur vier große Banken beherrschten rund die Hälfte des globalen Geschäfts. Bewiesen ist bisher nichts. Die Untersuchungen dauern voraussichtlich noch Jahre, denn es müssen astronomische Mengen von Daten, elektronischen Nachrichten und Telefongesprächen ausgewertet werden. Aber schon heute gilt der Fall als tickende Zeitbombe: Im Vergleich zu den Devisentricksereien könnte selbst der Libor-Betrug um frisierte Zinssätze, der seit zwei Jahren Schlagzeilen macht, schon bald wie ein Sturm im Wasserglas

          Aufsichtsbehörden versuchen Licht ins Dunkel zu bringen

          Keine Bank hat in dem immer weiter eskalierenden Skandal so viel zu verlieren wie die Deutsche Bank: Die Frankfurter sind seit vielen Jahren Weltmarktführer im Währungshandel. Schon im Libor-Fall bekam der deutsche Finanzriese im Dezember von der EU-Kommission die höchste Geldstrafe von sechs Instituten aufgebrummt. In Amerika drohen nach einer am vergangenen Freitag eingereichten neuen Klage des Einlagensicherungsfonds FDIC weitere hohe Libor-Kosten. Jetzt sitzen den Deutschbankern und anderen Geldhäusern schon wieder die Ermittler im Nacken. Rund ein Dutzend Aufsichtsbehörden in Europa, den Vereinigten Staaten und Asien versuchen, Licht ins Dunkel zu bringen, darunter auch die Bonner Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin.

          Weitere Themen

          Warum nachhaltiges Investieren so schwer ist Video-Seite öffnen

          Greenwashing : Warum nachhaltiges Investieren so schwer ist

          Grüne Investitionen erobern die Finanzmärkte. Mehr als 300 Milliarden Dollar flossen 2020 in „nachhaltige“ Anlagen und brachen damit den Rekord des Vorjahres. Doch wirklich "grün" zu investieren, ist schwieriger als es klingt.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.