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Gesellschaftliches Engagement : Deutschlands Unternehmen spenden 10 Milliarden Euro

Gutes tun:Unternehmen unterstützen zuweilen auch lokale Sportvereine. Bild: Getty

Mehr Geld als gedacht geben die deutschen Firmen für wohltätige Zwecke aus. Selten steckt eine Strategie dahinter.

          Das gesellschaftspolitische Engagement deutscher Unternehmen ist größer als bisher angenommen. Allein die jährlichen Geldgaben der Betriebe – die bevorzugte Form der Spende – liegen mit mindestens 9,5 Milliarden Euro um eine Milliarde Euro über bisherigen Schätzungen. Hinzu kommen Sachspenden und Arbeitseinsätze der Beschäftigten während ihrer Arbeitszeit in erheblichem Umfang.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Stifterverbands und der Bertelsmann Stiftung. Die „Corporate Citizenship Survey 2018“ präsentiert erstmals seit 2012 Zahlen zum gesellschaftlichen Engagement deutscher Unternehmen. Sie liegt der F.A.Z. exklusiv vor.

          Die Ergebnisse zeigten, dass das Engagement für das Gemeinwohl ein selbstverständlicher Teil unternehmerischen Handelns geworden sei, sagte Liz Mohn, die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung. „Das Bild des verantwortungsvollen und menschlichen Unternehmers ist aktueller denn je.“

          Andreas Schlüter, der Generalsekretär des Stifterverbandes, sagte, engagierte Unternehmen seien Teil einer starken Zivilgesellschaft. „Spenden sind ganz und gar nicht altmodisch, sondern vielmehr soziale Investitionen mit ausgezeichneter Rendite – viele Unternehmen wissen das.“

          Mehr Spenden als von Privatleuten

          An der Umfrage haben sich knapp 7300 von 120.000 angeschriebenen Unternehmen beteiligt. Vier von fünf Betrieben spenden demnach Geld, fast jedes zweite regelmäßig. Alles in allem summierten sich die Geldspenden auf 9,5 Milliarden Euro.

          Dabei dürfte die Zahl eher zurückhaltend berechnet sein, wie die Autoren festhalten. „Höchstwahrscheinlich würde eine vollständige, systematische Erfassung aller Spenden von Großunternehmen die 10-Milliarden-Euro-Marke überschreiten“, heißt es in dem Report.

          Finanzspenden der Unternehmen übertreffen damit Geldzuweisungen der Privatleute, deren Höhe je nach Studie mit 6 bis 8 Milliarden Euro kalkuliert wird. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Spenden steuerlich begünstigt sind. Neben den Geldspenden misst die Untersuchung die von den Unternehmen aufgebrachten Sach- und Zeitspenden: Gut ein Viertel der Unternehmen stelle regelmäßig Mitarbeiter für soziale Zwecke frei. Beispielhaft werden genannt: Notsituationen wie das Elbehochwasser, die Organisation eines Stadtfestes oder die kostenlose Unterstützung eines IT-Projekts einer gemeinnützigen Organisation. Gut ein Drittel der Firmen spendet zudem regelmäßig Sachen wie Lebensmittel oder Möbel für gemeinnützige Zwecke.

          Nach der Untersuchung ist das gesellschaftliche Engagement in allen unternehmerischen Größenklassen vertreten. Es seien keinesfalls nur die Großunternehmen, die sich finanziell mit hohen Beträgen engagierten. Rund die Hälfte der Spenden komme von Unternehmen, die weniger als zehn Mitarbeiter beschäftigten – und das tun schließlich neun von zehn der 3,4 Millionen hierzulande registrierten Betriebe. Allerdings spenden nach den Ergebnissen der Ausarbeitung große Unternehmen regelmäßiger als kleine. Zwei Drittel der Finanz- und Versicherungsunternehmen gaben an, Geldspenden zu leisten. Damit lagen sie im Branchenvergleich vor dem Bergbau, der Metall-, Chemie- und Pharmaindustrie.

          Die Größe des Unternehmens schlägt auch bei der Häufigkeit von Zeit- und Sachspenden zu Buche. Im Vergleich der Spenden von Arbeitszeit belegt die Gesundheits- und Sozialbranche den ersten Platz, bei den Sachspenden liegt der Bergbau- und Metallsektor vorn. So groß das Engagement auch sei, so selten sei es zielgerichtet, beklagen die Autoren. Meist prägten einzelne Personen das gesellschaftliche Engagement eines Unternehmens, gerade in Kleinbetrieben.

          Allenfalls in Großunternehmen sehe man das gesellschaftliche Engagement auch als strategisch bedeutsam an. Kaum einmal würden die Unternehmen ihr gesellschaftliches Engagements systematisch prüfen.

          Damit sich der Einsatz langfristig auszahle, sollten sie den gesellschaftlichen Bedarf kennen und wissen, was Kunden, Mitarbeiter und Bürger von ihnen erwarteten, riet Anael Labigne vom Stifterverband. Sie sollten sich mehr fragen: „Was wollen und was können wir mit unserem Engagement erreichen, und wofür stehen wir als Unternehmen?“ Nur so könnten sie einen sinnvollen Beitrag leisten.

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