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Neue Studie : Deutschlands Süden forscht mit Abstand am intensivsten

Ein Doktorand im Stuttgarter Max-Planck-Institut forscht an einem berührungslosen Display für Smartphones. Bild: dpa

Eine neue Studie hat untersucht, wie viel Geld in den verschiedenen Bundesländern in Forschung und Entwicklung fließt. Die regionalen Unterschiede sind bedenklich groß.

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          Baden-Württemberg ist der mit Abstand wichtigste Innovationsstandort der deutschen Wirtschaft: In keinem anderen Bundesland investieren die Unternehmen im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung so viel in Forschung und Entwicklung wie dort.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Einen hohen Stellenwert hat die Forschung daneben auch in Bayern, Hessen sowie, mit Abstrichen, in Berlin. Dagegen bewegt sich das bevölkerungsreiche Nordrhein-Westfalen neben einigen östlichen Ländern unter den Schlusslichtern. Das zeigt eine Untersuchung des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft, die der F.A.Z vorliegt.

          In Baden-Württemberg wenden allein die Unternehmen einen Betrag von 3,8 Prozent der regionalen Wirtschaftsleistung für Forschung und Entwicklung auf. Zusammen mit den entsprechenden Aktivitäten von Hochschulen und staatlichen Instituten ergibt sich eine Gesamtquote von 4,8 Prozent.

          Marke zuletzt knapp verfehlt

          In Nordrhein-Westfalen hingegen kommt die Wirtschaft nur auf 1,1 Prozent; selbst zusammen mit der öffentlichen Forschung machen die Gesamtausgaben weniger als 2 Prozent der regionalen Wirtschaftsleistung aus.

          Ziel der Bundesregierung und der Europäischen Union ist es, die Gesamtausgaben für Forschung und Entwicklung auf 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu steigern. Im deutschlandweiten Durchschnitt wurde diese Marke zuletzt knapp verfehlt:

          2014 waren es ersten Hochrechnungen zufolge 84 Milliarden Euro oder 2,9 Prozent, was einem Anstieg um fast 40 Milliarden Euro oder rund einen halben Prozentpunkt innerhalb von zehn Jahren entspricht. 2013 lag die Quote bei 2,8 Prozent.

          Nur in Berlin sinkt die Forschungsintensität

          Auf dieses Basisjahr beziehen sich auch die neuen Regionaldaten. Deren Auswertung ist aufwendig, da Forschungaktivitäten nicht dem Unternehmenssitz, sondern dem tatsächlichen Forschungsstandort zugeordnet werden.

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          Die Marke von 3 Prozent wird bisher neben Baden-Württemberg nur von Bayern und Berlin überschritten. Die Hauptstadt, die allein vier Universitäten hat, profitiert dabei von einem hohen Anteil öffentlicher Forschung. Ihr Beitrag entspricht allein gut 2 Prozent der regionalen Wirtschaftsleistung; die Ausgaben der Berliner Wirtschaft liegen mit 1,5 Prozent im guten Mittelfeld.

          Im Vergleich mit 2003 verzeichnet Berlin indes als einziges Land eine sinkende Forschungsintensität. Der Grund: Auf die Übernahme des Pharmakonzerns Schering durch Bayer im Jahr 2006 folgte eine Verlagerung.

          Ausgewogene Branchenmischung wichtig

          Eine wichtige Erklärung für die großen regionalen Unterschiede liefert neben solchen Sonderfaktoren die Branchenstruktur. So entfällt fast ein Drittel aller Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf den Kraftfahrzeugbau.

          Regionen mit starker Autoindustrie sind daher meist auch besonders forschungsintensiv. Ähnliches gilt für Länder mit wichtigen Chemie- und Pharmastandorten; gerade davon profitiert der Erhebung zufolge Hessen.

          Neben der Ausgabenhöhe komme es jedoch auch auf eine ausgewogene Branchenmischung an, merkt der Stifterverband an - etwa mit Blick auf Niedersachsen, dessen guter Wert „fast monostrukturell“ dem Fahrzeugbau zu verdanken sei. Zudem zeigt sich, dass sich Forschungsstandorte großer Unternehmen meist in der Nähe des Hauptsitzes befinden.

          Dies erklärt den geringen Anteil der Industrieforschung im Osten. Nordrhein-Westfalen hingegen bescheinigt die Studie zwar eine ausgewogene Branchenstruktur, aber eine bedenklich geringe Forschungsintensität.

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