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Firmenkäufe 2016 : Deutschland ist der neue Stern am Übernahme-Himmel

Inzwischen sei aber auch bei deutschen Übernehmern Vorsicht eingetreten. „Britische Unternehmen sind derzeit bei deutschen Investoren nicht gefragt, vor allem wegen der Unsicherheit der Währungsentwicklung.“ Zudem wisse man nicht, was nach dem Brexit in London passiere. „Die Banken werden nach dem Ausscheiden Großbritanniens aus der EU London verlassen.

Allerdings braucht allein der Aufbau einer für einen vergleichbaren Finanzplatz notwendigen Informationstechnologie an jedem anderen Standort mindestens zwei Jahre“, ist von Alten überzeugt. England werde nach dem Brexit aber auch für nichteuropäische Unternehmen die bisher wegen seiner Sprache gehaltene Vorrangstellung für den Einstieg in den europäischen Markt verlieren.

Chinas Politik führt Genehmigungspflichten für zu teure Übernahmen ein

Im neuen Jahr wird auch der Hunger chinesischer Investoren nachlassen. Zwar will Chinas Führung immer noch, dass Unternehmen des Landes internationale Marken kaufen oder aufbauen, und für gesuchte Beteiligungen zahlen chinesische Übernehmer auch immer noch viel Geld. Allerdings will der chinesische Staat auch nicht, dass sie sich für Übernahmen verschulden. Daher ist seit wenigen Wochen jeder grenzüberschreitende Transfer von mehr als 5 Millionen Euro genehmigungspflichtig.

Die Schwierigkeit dabei ist, dass die Genehmigung erst nach Vertragsabschluss eingeholt werden darf. Eine Genehmigung auf Vorrat wird es also nicht geben. Diese Vorschrift könnte chinesische Erwerber schlechter stellen im Wettbewerb. Eine Umgehung könnte sein, dass chinesische Unternehmen über ihre ausländischen Tochtergesellschaften kaufen oder dass Staatsbetriebe schneller eine Genehmigung bekommen.

Insgesamt erwartet von Alten aber auch für 2017 eine Übernahmegeschäft auf hohem Niveau. Allen Partnern von Oaklins lägen derzeit attraktive Mandate für die kommenden Monate vor. Einige Großübernahmen sind noch in der Schwebe, darunter Linde/Proxair oder auch die Börsen in Frankfurt und London. Auch die Monsanto-Übernahme durch Bayer ist noch nicht abgeschlossen, kann also noch scheitern.

Die von der EZB und der amerikanischen Notenbank eingeleiteten Zinserhöhungen seien derzeit noch zu klein, um das Geschäft nachhaltig zu beeinträchtigen. Welche Auswirkungen Donald Trumps Ankündigung, Arbeitsplätze aus dem Ausland zurück in die Vereinigten Staaten zu holen, haben kann, sei derzeit nicht absehbar. Alexander Roos von der Beratungsgesellschaft BCG kann sich vorstellen, dass Trumps Abschottungspolitik dazu führen wird, dass mehr ausländische Unternehmen ein Standbein in den Vereinigten Staaten suchen und dortige Unternehmen erwerben werden.

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