https://www.faz.net/-gqe-8orke

Firmenkäufe 2016 : Deutschland ist der neue Stern am Übernahme-Himmel

Am Ende einigten sich Tengelmann, Edeka und Rewe auf eine einvernehmliche Lösung, die wohl die überwiegende Mehrheit der Arbeitsplätze erhält. Weil Rewe auch die Coop Kiel übernehmen darf, bleibt von den ehemaligen Konsumgenossenschaften in Westdeutschland (vormals Konsum, später Coop) nichts mehr und in den neuen Bundesländern nur noch die Konsum eG Dresden (gut 100 Millionen Euro Umsatz).

Die Branchen mit den meisten Übernahmen

Eine Übernahme, die schon mehrfach angedacht und verhandelt worden war, wurde endlich Wirklichkeit, nämlich die Übernahme der WGZ-Bank durch die DZ-Bank. Damit haben die genossenschaftlichen Banken (Volks- und Raiffeisenbanken) nur noch ein nationales Spitzeninstitut. Die Postbusse, die der Bahn Konkurrenz machen wollten, waren wohl zu teuer. Sie fahren künftig, wie fast alle Fernbusse hierzulande, unter der Marke Flixbus. Und wer künftig eine Dampferfahrt auf dem Rhein unternimmt, sitzt nicht mehr im Schiff der angeblich ältesten durchgehend börsennotierten Aktiengesellschaft der Welt Köln-Düsseldorfer Rheinschifffahrt AG, sondern der River Advice AG aus Basel, einem Betreiber von 45 Flusskreuzfahrtschiffen.

Betrachtet man das Übernahmejahr nach Branchen, sind es nicht der Einzelhandel oder die Banken, die herausragen. Die Branche mit den größten Übernahmeaktivitäten ist die Chemie- und die Pharmabranche. Für Vir Lakshman, Leiter des Bereichs Chemie und Pharma bei der KPMG Deutschland, ist der Grund klar: „Verhaltenes Wirtschaftswachstum führt dazu, dass Unternehmen durch Zukäufe wachsen wollen. Insgesamt haben deutsche Chemieunternehmen im Jahr 2016 Übernahmen in einem Gesamtvolumen von 76 Milliarden Dollar angekündigt – so viel wie kein anderes Land.“

Häufig geht es um die größten Zukäufe der Unternehmensgeschichte und um die Eroberung führender Weltmarktpositionen. Bayer wird im Agrochemie-Geschäft durch die Akquisition von Monsanto nicht nur bei Pflanzenschutzmitteln, sondern auch als Saatgutanbieter führend sein. Evonik kann durch den Zukauf des Spezialadditiv-Geschäfts von Air Product seine führende Marktposition stärken. Gleiches gilt für Lanxess’ Zukauf von Chemtura. Branchenführer BASF verkaufte die Industrielacke an Akzo Nobel, erwarb aber im Gegenzug Produkte für die Vorstufen von Autolacken und hat somit hier die Wertschöpfung am Endprodukt deutlich erhöht.

Viel Bewegung gab es an der Küste. Es war schon eine kleine Sensation, als die Bremer Lürssen-Werft die traditionsreiche Hamburger Werft Blohm + Voss kaufte. Aber das war kein Einzelfall. Hapag Lloyd (selbst chilenisch) hat die arabische Reederei UASC übernommen, und die Puddingfamilie Oetker verkaufte ihre Reederei Hamburg Süd an den dänischen Mitbewerber Mærsk.

Schwierig gestaltet sich derzeit der Übernahmemarkt mit Großbritannien. Und das nicht nur, weil die Fusion der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange eine Hängepartie ist. Zwar ist das Übernahmegeschäft deutscher Unternehmen auf der Insel bisher stabil. Aber die britischen Übernahmen in Deutschland haben sich nach dem Entscheid der Briten, aus der EU auszuscheiden (Brexit) von 41 im ersten Halbjahr 2016 auf 24 im zweiten Halbjahr nahezu halbiert. Von Alten sieht darin vor allem eine Folge der starken Abwertung des britischen Pfunds. „Übernahmen in Deutschland sind britischen Unternehmen zu teuer geworden“, sagt er.

Weitere Themen

Bis zu 6300 Euro Entschädigung für VW-Kunden Video-Seite öffnen

Dieselskandal : Bis zu 6300 Euro Entschädigung für VW-Kunden

Die Einigung von VW und Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) im Dieselstreit sieht auch weiterhin ein Vergleichsangebot in Höhe von 830 Millionen Euro vor. Kunden, die sich in das Klageregister eingetragen haben, bietet VW eine Einmalzahlung an.

Topmeldungen

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.