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Firmenkäufe 2016 : Deutschland ist der neue Stern am Übernahme-Himmel

Er verkaufte die Münchener Modekette Schustermann & Borenstein an den Finanzinvestor Permira. Ardian war aber auch zweimal Übernehmer: bei der SLV Holding (Leuchtmittel) und dem Lautsprecherhersteller D & B Audiotechnik, der von dem früheren Einzelhandelsmanager Odewald verkauft wurde. Das bisherige Kölner Familienunternehmen Rimowa – welches die Aluminiumkoffer mit den markanten Rillen produziert – ging an den französischen Luxusgüterkonzern LVMH, zu dem auch die Lederwaren- und Koffermarke Louis Vuitton gehört.

Größter ausländischer Partner im M&A-Markt mit deutscher Beteiligung bleiben aber die Vereinigten Staaten – und das nicht nur wegen der eingangs erwähnten Großübernahmen deutscher Unternehmen jenseits des Atlantiks. Auch in die andere Richtung hat es oft geklappt: 111 Mal kam in diesem Jahr der Käufer eines deutschen Unternehmens aus den Staaten. Auf diesem Weg fand die BUW-Unternehmensgruppe aus Osnabrück, der drittgrößte Betreiber von Call-Centern in der Bundesrepublik, eine neue Heimat unter dem amerikanischen Wettbewerber Convergys. BUW betreibt Call-Center an 16 Standorten in Deutschland, Rumänien und Ungarn und hat etwa 6000 Mitarbeiter. Das Unternehmen gehört den beiden Gründern Jens Bormann und Karsten Wulf, die nach 23 Jahren komplett aus dem Betrieb aussteigen. Für ihre Anteile an der BUW Management Holding GmbH & Co. KG bekommen sie 123 Millionen Euro.

Die BUW-Gruppe, deren Name sich aus den Initialen der Gründer zusammensetzt, war einer der wenigen Call-Center-Betreiber in Deutschland, die von ihren Inhabern geführt wurden und nicht zu einem Konzern gehörten. „Der Markt hat sich in den letzten Jahren dramatisch gewandelt“, sagte Bormann im Gespräch mit dieser Zeitung. „Viele Aufträge werden nur noch global ausgeschrieben. Eine international aufgestellte Gruppe kann sich im Wettbewerb deutlich besser durchsetzen.“ Noch in der Woche vor Weihnachten ist der deutsche Dachziegelhersteller Braas Monier („Frankfurter Pfanne“) endgültig von seinem amerikanischen Großaktionär Standard Industries übernommen worden.

Deutsche und amerikanischen Unternehmen üben Eintracht

Deutsche Unternehmen beteiligten sich in diesem Jahr 67 Mal mehrheitlich an einem amerikanischen Unternehmen. Siemens plant die Übernahme des Softwarehauses Mentor Graphics für mehrere Milliarden Euro, und Bayer hofft, Monsanto bald eingliedern zu können. Für Dirk Albersmeier, verantwortlich für das M&A-Geschäft von J.P. Morgan, steht fest: „Der neue Stern am internationalen M&A-Himmel ist Deutschland. Deutsche Unternehmen haben ihre Zurückhaltung bei der Übernahme ausländischer Firmen aufgegeben.“

Große Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit fanden in diesem Jahr aber auch rein innerdeutsche Übernahmen, vor allem jene der angeschlagenen Supermarktkette Kaiser‘s Tengelmann. Die sollte nach Ansicht der Eigentümer (Familie Haub) an Edeka gehen. Dagegen erhob der wissenschaftliche Sachverstand Einwände, die Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel überstimmte (Ministererlaubnis), wogegen Rewe klagte.

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