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Firmenkäufe 2016 : Deutschland ist der neue Stern am Übernahme-Himmel

Deutsche Edelmarke Schimmel: Die Klaviere werden in Braunschweig produziert, die Firma gehört Chinesen.

Aber auch in Deutschland wurden chinesische Übernehmer fündig. Der Kuka-Erwerb war mit 4,6 Milliarden Euro der größte Einkauf. Es folgte die Übernahme der EEW Holding durch Beijing Enterprises. EEW betreibt Müllverbrennungskraftwerke, verfügt also über eine in China dringend gebrauchte Technik. Technisch interessant ist auch die WindMW GmbH, die von der China Three Gorges Corporation für 1,3 Milliarden Euro gekauft wurde. Wind MW betreibt den größten deutschen Windpark in der Nordsee und ging an den Betreiber der ebenso bekannten wie umstrittenen Drei-Schluchten-Talsperre.

Der baden-württembergische Schrottrecycler Scholz in Aalen kostete den chinesischen Erwerber Chiho-Tiande zwar nur noch einen Euro. Das lag aber an den vielen Schulden, die bei Scholz zu übernehmen waren – neben mehr als 2 Milliarden Euro Umsatz, der stark gesunken war. Teurer, aber auch kaum beachtet, ging der Kunststoffmaschinenhersteller Krauss Maffei ebenso an einen chinesischen Investor wie die Broetje-Automation (Nietmaschinen für den Flugzeugbau). Der Übernehmer Schanghai Electric war in diesem Jahr zuvor schon bei dem deutschen Spezialmaschinenbauer Manz eingestiegen.

Aber die Chinesen interessieren sich nicht nur für Hightech-Unternehmen. Um einen guten Namen ging es offenbar der weltgrößten Klavierfabrik Guangzhou Pearl River Piano, als sie 90 Prozent der 1885 gegründeten Wilhelm-Schimmel Pianofortefabrik in Braunschweig erwarb. Pearl River Piano verkauft im Jahr 130.000 Klaviere, das viel namhaftere und traditionsreichere Unternehmen Schimmel kommt auf 2000 im Jahr. In die Kategorie traditionsreiche Namen gehört auch das Bankhaus Hauck & Aufhäuser, das an den Mischkonzern Fosun in Hongkong ging.

Chinas Anteil an Übernahmen mit deutscher Beteiligung ist verschwindend gering

Trotz aller Beachtung für chinesische Käufer: Legt man alle gut 2000 Übernahmen mit deutscher Beteiligung (als Käufer oder Verkäufer einer Unternehmensmehrheit) zugrunde, kommen die 34 chinesischen Übernahmen in diesem Jahr auf einen Anteil von 1,6 Prozent. Das Bild ändert sich etwas, wenn man sich die relevanten Übernahmen anguckt. Aber auch von den 30 größten Übernahmen in Deutschland (für insgesamt 112,5 Milliarden Euro) gingen nur 4 (für 8,3 Milliarden Euro) an chinesische Investoren. Das ist ein Anteil von 13 Prozent. 47 Prozent der verkauften deutschen Unternehmen blieben im Inland, 27 Prozent gingen an europäische Ausländer, hier vor allem aus Frankreich und Großbritannien.

Französisch wurde in diesem Jahr die traditionsreiche WMF. Der Hersteller von Bestecken und anderen Haushaltswaren, vor allem aber von Kaffeemaschinen, ist seit wenigen Wochen Teil des französischen SEB-Konzerns, zu dem schon so bekannte Marken wie Krups, Moulinex, Tefal, Rowenta oder Emsa gehören. Die neue SEB setzt mit 30.000 Mitarbeitern 6 Milliarden Euro um. Mehrmals war der französische Finanzinvestor Ardian (hervorgegangen aus der Axa Private Equity) an Übernahmen hierzulande beteiligt.

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